Ausgabe Nummer 17 (2006)

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Realität hat Tafeltraubenproduzenten eingeholt

Wetterverhältnisse verhinderte die erwartete Erntemenge

Realität hat Tafeltraubenproduzenten eingeholt

Die letztjährige Tafeltraubenernte fiel deutlich kleiner aus als erwartet. Die Konsumenten bevorzugen blaue Tafeltrauben wie beispielsweise Muscat bleu.

«Die Euphorie der ersten Tafeltrauben-ernte im 2003 ist der harten Realität im vergangenen Jahr gewichen», stellte Karl Leugger, Präsident Arbeitsgemeinschaft Tafeltraubenproduzenten Thurgau (Thurta), Güttingen, an der 3. ordentlichen Mitgliederversammlung in Sulgen vor rund 20 Tafeltraubenproduzenten fest. In der Folge schilderte er die schwierigen Wetterverhältnisse, die zu Mehltau und Botrytis führten. Als Fazit zog Leugger den Schluss, dass für die Tafeltraubenproduktion nur krankheitstolerante Sorten angebaut werden sollen. Als Reaktion aus den Lehren vom vergangenen Jahr wurden die meisten Tafeltrauben der Sorte Birstaler, aber auch andere nicht marktfähige oder krankeitsanfällige Sorten gerodet und mit bewährten Sorten wie Muscat bleu, Lilla und anderen neuen Sorten angepflanzt.

Kleine Ernte

Laut Leuggers Aussagen wurde die Tafeltraubenernte Anfang August auf 30 000 Kilogramm geschätzt. Der Produzentenpreis für die Klasse Extra wurde wiede-rum auf 4 Franken je Kilo, lose franko, fest gesetzt. Effektiv konnten aber nur 17 500 Kilo Tafeltrauben geerntet werden. Davon mussten rund 10 500 Kilo technisch (gesaftet) verwertet werden. Als Ursache dieser «Katastrophe» nannte der Präsident die starken Niederschläge vom 21. und 22. August, die einen Wachstumsschub bei den Tafeltrauben auslösten und zu Fäulnis führten.

Blaue Tafeltrauben bevorzugt

Für die Vermarktung der Thurgauer Tafeltrauben zeichnet Philippe Züllig, Egnach, verantwortlich. Nach seinen Angaben wurden die meisten Trauben über die Mig-ros Ostschweiz verkauft. Weitere Abnehmer waren der Detailhandel und die Direktvermarktung. Bevorzugt werden von den Konsumenten blaue Trauben der Sorte Muscat bleu. Nach Zülligs Ausführungen muss der Erntezeitpunkt besser eingehalten werden, damit nur süsse Trauben auf den Markt gelangen, die sich von der Auslandware deutlich abheben. Er regte auch eine bessere Formulierung der Qualitätsansprüche an.

Werbung für Tafeltrauben

Laut Kassier Ruedi Kägi, Niederneunforn, konnte dank sparsamem Umgang mit dem Geld das Budget trotz Produktionsausfall eingehalten werden. Um einen Liquiditätsengpass zu vermeiden, wurde der Flächenbeitrag für das laufende Jahr ausnahmsweise erhöht. Für das Jahr 2005 stellte Bruno Hugentobler, Leiter Fachstelle Obst- und Rebbau des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszent-rums (LBBZ) Arenenberg, ein attraktives Weiterbildungsprogramm zusammen. Im Zentrum stehen dabei Schnittkurs, Verlesen der Reben, Pflegemassnahmen und Behandlungsregulierung. Wie Leugger erklärte, soll auch in diesem Jahr die Öffentlichkeitsarbeit für Thurgauer Tafeltrauben forciert werden.
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung berichtete Philippe Droz von der «service romand de vulgarisation agricole» über die Produktionskostenerhebung in der Tafeltraubenproduktion.

Mario Tosato