Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Rebbegehung in Amlikon mit vielen Informationen

Ausgabe Nummer 28 (2014)

Am Donnerstagabend vergangener Woche war der Amliker Rebberg Ziel der letzten offiziellen Rebbegehung im Kanton Thurgau. Dabei wurde über aktuelle Fragen rund um den Weinbau informiert.

Gemeinsam hatte der Weinbauverein am Ottenberg mit der Fachstelle Weinbau der Kantone Thurgau und Schaffhausen zur diesjährigen Rebbegehung für die Region Mittelthurgau eingeladen. Vom höchsten Punkt des schmucken Rebberges geniesst man einen tollen Fernblick und kann den grossen Partner am Ottenberg aus einer anderen Perspektive bewundern. An die 50 Rebleute nutzten die Gelegenheit, um sich auf einem Rundgang durch die Amliker Reben zu aktuellen Themen informieren zu lassen. In der Rebbaustatistik 2013 weist die Gemeinde Amlikon- Bissegg eine Rebfläche von 3,342 Hektaren Reben aus, welche von insgesamt drei Familien bewirtschaftet werden. Dabei werden 2,122 Hektaren Blauburgunder und 95,7 Aren Müller-Thurgau sowie 26,3 Aren Chardonnay angebaut. Im vergangenen Herbst durften die Amliker Rebleute den Ertrag von knapp 11 000 Flaschen Rotwein und 10 000 Flaschen Weisswein ernten. «Für den kommenden Herbst stehen verschiedene Neuerungen an. So gibt es gesetzliche Anpassungen für Lohnkelterungen, und die Begriffe ‹Spätlese› oder ‹Reserva› werden neu definiert», informierte Rebbaukommissär Markus Leumann einleitend. Beinahe Revolutionäres zeichnet sich bei der Weinlesekontrolle ab. «Alle Betriebe, welche die Selbstkontrolle machen, werden ab diesem Jahr ihre Resultate via Computer elektronisch übermitteln», kündigte der Rebbaukommissär weiter an. Zugleich zeigte er sich über den prächtigen Stand der Reben sehr erfreut, was gewisse Hoffnungen für einen tollen Herbst aufkeimen lässt.

Landschaftsqualität
Die Landschaftsqualität erstreckt sich auch über die Spezialkulturen und betrifft somit auch Reben. Die dabei im Rahmen der AP 2014 bis 2017 ausgerichteten Beiträge, welche als neues Instrument der Landwirtschaftspolitik des Bundes im Bereich der Direktzahlungen fliessen werden, dienen der Erhaltung und Förderung attraktiver Landschaften und regionaler landwirtschaftlicher Kulturwerte. «Wir haben entsprechend auch den Weinbau erfasst», betonte Peter Schweizer vom Landschaftsqualitätsprojekt Mittelthurgau. Das Mitwirken und Teilhaben an diesem Programm ist für die Landwirte und in diesem speziellen Fall im Weinbau freiwillig. Alternierender Schnitt, eine farbige Begrünung und andere Massnahmen werden mit entsprechend in Aussicht gestellten Beiträgen unterstützt und gefördert. «Wer mitmachen will, kann sich einfach über das Portal von Agata anmelden», hielt Schweizer fest. Sein Verein, welcher die Trägerschaft in enger Zusammenarbeit mit den kantonalen Amtsstellen führt, nimmt dabei eine wichtige Rolle als Bindeglied ein und gewährleistet auch die entsprechende Beratung. Die auf den Webseiten des Vereins wie auch des Landwirtschaftsamtes vorliegenden Angaben sind aber verbindlich. Das Projekt Mittelthurgau ist als erstes im Kanton bereits bewilligt und läuft. Anmeldungen sind rückwirkend auf 2014 möglich.

Auslauben steht an
«Wir müssen in der zweiten Vegetationshälfte dafür sorgen, dass die Trauben optimale Bedingungen für das Ausreifen erhalten», betonte Rebbauberater Hans-Walter Gysel. Konkret gilt es, in der Traubenzone durch das Entfernen der Blätter und allenfalls Geiztriebe Luft zu schaffen. «Wir optimieren damit einerseits den Pflanzenschutz und anderseits können die Trauben rascher abtrocknen, was präventiv auch den Fäulnisdruck minimiert», betonte Gysel. Er machte aber auch deutlich, dass das Auslauben eine ganz spezielle Philosophie darstellt und die Rebleute diese Arbeit sehr unterschiedlich ausüben. Vermehrt kommen dafür auch spezielle Maschinen, welche die Blätter mechanisch entfernen, zum Einsatz, so auch im Amliker Rebberg.
Schlussendlich war auch der Pflanzenschutz ein Thema. Auch hier verzeichnete man aktuell bei den traditionellen Pilzbefällen mit dem Falschen und Echten Mehltau einen sehr geringen Druck. «Dies kann sich aber nach intensiven Niederschlägen bei warmen oder gar heissen Temperaturen rasch ändern», betonte Pflanzenschutzberater David Böhni. Deshalb müssen die Rebleute auf der Hut sein, um für den raschen Einsatz gewappnet zu sein.
Schlussendlich fand der Umgang an diesem lauen und angenehm milden Sommerabend bei einem Hock mit Speis und Trank ein gemütliches Ende. Für den mitorganisierenden Weinbauverein am Ottenberg und seinen Präsidenten Benno Forster war der Abend ein toller Erfolg. Die Rebleute dürfen sich am schönen Stand der Reben freuen.


Roland Müller










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