Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Rebbergbegehung in Uesslingen am Iselisberg

Ausgabe Nummer 28 (2017)

Am Donnerstagabend verzeichnete die Rebbergbegehung am Iselisberg über 100 Teilnehmer. Dabei konnten den Rebleuten aus dem Thurgau und Schaffhausen viele Informationen vermittelt werden.

An der sehr gut besuchten Rebbergbegehung in Uesslingen herrschte hochsommerliches Wetter mit Temperaturen über 30 °C. «Wir haben in der ersten Jahreshälfte sehr viel erlebt», so die einleitenden Worte von Rebbaukommissär Markus Leumann. Der frühe Start in die Vegetation, der Kälteschock nach Ostern mit mehreren Frostnächten und jetzt ein heisser Juni, waren prägende Ereignisse. Mit dem nun zügigen und aussergewöhnlichen Wachstum der Reben konnten die Frostschäden etwas wettgemacht werden. Auf den ersten Blick in die sattgrünen, überall makellosen Reben scheint vom Frost nicht mehr viel zu sehen zu sein. Doch vielerorts sind im grünen Laub die Trauben nur spärlich zu finden. Dementsprechend wird die Ernte an einigen Orten, wie auch am Iselisberg, eher gering ausfallen. «Wir verzeichneten in diesem Jahr in den oberen Lagen grössere Schäden, weil wir keinen Nebel hatten », hielt Urs Hausammann vom gleichnamigen Weingut am Iselisberg fest. Doch erst die kommende Ernte wird definitiv zeigen, wie gross die Schäden sein werden. Was nun aktuell zu ersten Problemen bei den Jungreben führt ist der Wassermangel. Hier empfahl Rebbauberater Hans-Walter Gysel den Rebleuten, allenfalls junge, frisch gepflanzte Reben zu bewässern.
Ein erstes Fachthema bezog sich auf Erfahrungen der Unkrautbekämpfung im Unterstockbereich. Wird ganz auf den Herbizideinsatz verzichtet, müssen diese Flächen bewirtschaftet werden. Das Weingut Lenz setzt während Jahren auf den Seitenschareinsatz im Unterstockbereich, um den Boden zu bearbeiten und zugleich das Grün zu bekämpfen. «Wir setzen seit zwei Jahren sehr erfolgreich den Bio-Liner ein. Wichtig ist dabei, dass man am frühen Morgen fährt, wenn das Gras feucht ist», hielt Roland Lenz vom gleichnamigen Bioweingut fest. «Zudem ist der Bast am Rebstock auch weniger anfällig auf etwelche Schäden, welche die Fäden am Stock verursachen können. Dabei wird jede zweite Gasse befahren, wobei zwei bis drei Stunden pro Hektare und Durchgang benötigt werden.» Für Lenz ist wichtig, dass die Geschwindigkeit dieser Arbeit exakt auf den Pflanzenwuchs abgestimmt wird.

Bedeutung der Raubmilben
Im Rahmen des vom Rebbauforum TG/SH lancierten Projektes über die Raubmilben liegen jetzt erste umfassende Daten der letztjährigen Untersuchungen vor. «Die Raubmilbenpopulation in den Reben spielt bezüglich anderer Schädlinge eine zentrale und wichtige Rolle. Sie gehören zu den wichtigsten Nützlingen im Weinbau», führte Werner Siegfried aus. Er war während Jahrzehnten an der Forschungsanstalt in Wädenswil tätig und hat sich nun nach seiner Pensionierung dieser Aufgabe angenommen. Die Raubmilben haben es auf die rote Spinne und die Gemeine- oder auch Kräuselmilbe abgesehen. «Eine Raubmilbe kann pro Tag bis zu 15 Spinnen oder 30 Kräuselmilben fressen», so Siegfried. Pro Rebblatt ist eine solche nötig, um ein natürliches Gleichgewicht zu erreichen. Innerhalb beider Kantone sind letzten August an 12 Standorten in einem aufwendigen Verfahren Auszählungen der Raubmilbenpopulationen im Blauburgunder durchgeführt worden. «Wir haben dabei 0,2 bis 4,5 Milben pro Blatt gezählt, wobei der Mittelwert über 1,5 Milben liegt», so das Fazit von Siegfried. Nur gerade zwei Parzellen liegen unter dem notwendigen Schwellenwert. Aus vier untersuchten Thurgauer Standorten (Salenstein, Weinfelden, Uesslingen und Schlattingen) kann nur Gutes berichtet werden. Mit über zwei, bis deutlich über vier Raubmilben pro Blatt wird der Mittel- oder notwendige Minimalwert bei weitem übertroffen. Für das Einbringen von Raubmilben rät Siegfried, im Frühling junge Triebe aus Lagen mit einer grossen Population zu holen und in den Lagen mit kleinem Bestand zu verteilen, sodass die Raubmilben auf diese übersiedeln können.

Erste Erfahrungen mit KEF-Netzen
Am Iselisberg ist im vergangenen Jahr ein in den Reblagen von Markus Frei gross angelegter Praxisversuch mit verschiedenen Netzsystemen zur Fernhaltung der Kirschessigfliege (KEF) angelegt worden. Jetzt liegen erste Auswertungen vom Herbst 2016 vor. «Wir verzeichneten 2016 sehr wenig Essigfäule. Deshalb ist es schwierig, die KEF mit der Essigfäule in Verbindung zu bringen. Wir haben festgestellt, dass es grosse Sensibilitätsunterschiede zwischen den Rebsorten gibt, wobei die Hauptsorten weniger anfälliger sind», hielt Versuchsleiter Nicola Stäheli von der Agroscope fest. Erste Erfahrungen zeigen, dass vorbeugende Massnahmen wirken, Kaolin und Netze bieten guten Schutz. «Alle eingesetzten und getesteten Netze haben zur Reduktion der KEF beigetragen, wobei die Wirkung abhängig von der Maschenweite ist. Konkret kommen im weiterhin laufenden Versuch seitlich angebrachte Hagel-, Anti- Wespen-, Vogel- sowie sehr feinmaschige Anti-Insektennetze zum Einsatz. Mittels Fallenfänge konnte das Resultat der Vereitelung von Eiablagen von wenig bis 100 % festgestellt werden, wobei feinmaschige Netze deutlich besser abschnitten.
Da die straff angebrachten Seitennetze auch zu einem veränderten Mikroklima in der Traubenzone führen, wurden auch hier Resultate mit Spannung erwartet. «Wir konnten bis jetzt keine negativen Auswirkungen auf die Mostqualität, Fäulnis und das Mikroklima feststellen», so ein weiteres Fazit von Stäheli. Rebmann Markus Frei doppelte nach. Auch bezüglich Reife seien keine Differenzen zu den Nullparzellen festgestellt worden. Straff gespannte Netze wirken zudem auch als Regenschutz, indem die Tropfen abprallen und somit nicht mehr auf die Trauben treffen.
Hingegen sieht er bezüglich Netzfarbe und Landschaftsästhetik bei weissen Netzen gewisse Probleme, weil diese von weitem gut sichtbar sind.
Abschliessendes Thema war der Einsatz von Rebschutznetzen gegen Vögel, Hagel und Insekten. Im kleinen Einsatz für Tafeltrauben an Spalieren oder in der Pergola eignen sich dabei die seit einigen Jahren vom ehemaliger Thurgauer Rebbaukommissär Bruno Hugentobler erfolgreich vertriebenen kleinen Schutzsäcke VoWe, welche Wespen, Vögel und auch die KEF von den eingepackten Trauben fernhalten. Für die im professionell betriebenen Weinbau eingesetzten seitlich angebrachten Schutznetze sind verschiedene Anbieter wie GVZ-Rossat, Qualifru, Rebbedarf. ch und Brühwiler tätig, welche alle ihre Produkte zeigten und dabei auf grosses Interesse stiessen.


Roland Müller













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