Ausgabe Nummer 49 (2006)

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Regionaltagung der Anicom AG Ostschweiz

Auf Karl Müller folgt Josef Schmid

Preisdruck bleibt bei den Banktieren auch im 2007 bestehen

An der Regionaltagung der Anicom AG Ostschweiz äusserte sich Kurt Baumann, Geschäftsleiter Reber AG, Langnau, vorsichtig zur Öffnung des Fleischmarktes.

Zum letzen Mal leitete Karl Müller als Präsident die Regionaltagung der Anicom AG Ostschweiz in Uzwil. Laut Urs Schöb, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Anicom AG, gehörte Müller 25 Jahre dem Verwaltungsrat an und war während 15 Jahren Präsident der Anicom AG Ostschweiz. Müller habe sein grosses Wissen und seine langjährige Erfahrung in der Landwirtschaft immer in den Dienst der Anicom AG gestellt und getreu dem Leitmotiv «Wir bringen Sie vorwärts» auch viel bewegt. Zum neuen Präsidenten des Regionalausschusses wurde vor einiger Zeit Josef Schmid-Sätteli (Jahrgang 1964), Ramsen SH, der einen Ackerbau-Grossviehmastbetrieb bewirtschaftet, gewählt.

Anicom AG mit moderner Kundeninformation
Niederlassungsleiter Yvan Meuwly informierte die Tagungsteilnehmer über die moderne Kundeninformation wo die Anicom AG neue Wege beschreitet. So werde der Schlachttag auf Wunsch per SMS avisiert. Via Handy können auch weitere Schlachtdaten übermittelt werden. Neu sei auch Tränkerscanner womit die Tiergeschichte überprüft werden könne. Als weitere Vorteile der Tränkerscanner nannte Meuwly übersichtliche Lieferscheine mit Detailangaben, Minimierung der Fehlerquellen sowie die Effizienzsteigerung.

6,6 Prozent mehr Schlachtschweine
In seiner Betrachtung wies Urs Schöb darauf hin, dass die verfügbare Menge beim Inland-Rindfleisch mit 76 073 Tonnen um 2,9 Prozent über dem Vorjahr lag, beim Inland-Kalbfleisch lag man mit 2,0 Prozent unter dem Vorjahr und beim Inland-Schweinefleisch wurden die Vorjahreszahlen mit 184 212 Tonnen um 6,6 Prozent übertroffen. Die höhere Produktion sei beim Preissturz des Schweinefleisches von rund 4 Prozent wohl mitschuldig. Bei der Mastjagerproduktion erwartet Schöb durch den Ausstieg verschiedener Zuchtbetriebe eine Reduktion von 37 000 Mastjager. Davon könnten rund 20 Prozent durch Umbauten bestehender Betrieb aufgefangen werden.

Massnahme gegen fette Brüste
Schöb erklärte, dass die Verwerter mit der gelieferten Fleischqualität der Schweine nicht immer zufrieden seien. Als Massnahme gegen fette Brüste nannte er den Einsatz von fleischigen Masttieren. Im Weiteren soll das Schlachtgewicht begrenzt und geschlechtsgetrennt gemästet werden. Kastraten sollten in der Endmast rationiert gefüttert werden. Zudem müssten Futterrezeptur. Laut Schöb bleibt der Preisdruck bei den Banktieren bestehen. Die Produktion dürfte auf hohem Niveau bei steigenden Kuhzahlen bleiben. Das Preisniveau 2006 dürfte im kommenden Jahr nicht mehr erreicht werden. Bei den Schlachtkälbern bestehen bei stabiler Produktionsmenge auch im 2007 gute Aussichten. Bei den Mastjagern stehe ein Preisanstieg bevor, doch seien auch im 2007 keine Höhenflüge zu erwarten. Schöb erwartet bei den Schlachtschweinen auch im kommenden Jahr eine gute Nachfrage bei hoher Produktion. Eine Entspannung bei den Preisen erwartet er erst im Herbst 2007.

Baumann kritisch gegenüber Marktöffnung
In seinem Referat «Chancen und Risiken einer Öffnung im Fleischmarkt», stellte Kurt Baumann, Geschäftsleiter Reber AG, Langnau, fest, dass er nicht gegen eine Öffnung sei. Er betrachte die Marköffnung aber kritisch, weil es noch viele offene Fragen gebe. So sei die Preisdifferenz gegenüber Deutschland nach wie vor gross. So liege der Preis beim Schweinefleisch in der Schweiz bei 3.60 Franken pro Kilogramm und in Deutschland umgerechnet bei 2.38 Franken. Bei Muni sei die Preisdifferenz noch grösser: 9.05 in der Schweiz und 4.73 Franken in Deutschland. Mit rund 460 Millionen Konsumenten im EU-Raum seien die Aussichten zwar gut. Bei einer allfälligen Öffnung fordert Baumann Begleitmassnahmen wie unternehmerisches Denken, kollektive Marketingstrategien, Rationalisierungsmassnahmen, Investitionsförderungsprogramme sowie Schuldenerlass und Stillegungsbeiträge.

Mario Tosato


Sie standen im Zentrum der Regionaltagung der Anicom AG Ostschweiz (v. l. n. r.):  Yvan Meuwly, Karl Müller, Kurt Baumann und Urs Schöb. (tos)
Sie standen im Zentrum der Regionaltagung der Anicom AG Ostschweiz (v. l. n. r.): Yvan Meuwly, Karl Müller, Kurt Baumann und Urs Schöb. (tos)