Ausgabe Nummer 49 (2007)
Regionaltagung der Anicom Ostschweiz in Niederuzwil
Konsumenten achten nicht nur auf Preise
Sibyl Anwander von Coop beleuchtete an der Regionaltagung von Anicom Ostschweiz die Agrarpolitik aus der Sicht von Detailhandel und Verarbeiter.Seit 1992 arbeite er mit der Anicom AG zusammen und sei mit der Leistungen sehr gut zufrieden, erklärte Josef Schmid, der die Regionaltagung der Anicom AG Ostschweiz zum ersten Mal als Präsident leitete. «Gäbe es die Anicom nicht, müsste man sie erfinden», betonte Schmid.
In ihrem Referat stellte Sibyl Anwander Phan-huy, Coop, Leiterin Wirtschaftspolitik/ Nachhaltigkeit, fest, dass Coop entgegen anders lautenden Meldungen Preisabschläge an die Kunden weitergegeben habe. Als Beispiele nannte sie Emmentalerkäse, Milch und insbesondere Butter, wo der Ladenpreis um 40 Prozent gesunken sei. Coop habe die Preispolitik bereits 1999 verändert, und nicht erst auf Druck von Aldi, betonte Anwander. Um tiefere Preise zu generieren, habe Coop die Produktivität gesteigert, die Logistikstrategie verändert, das Lieferantenmanagement verbessert, im Jahr 2003 5000 Stellen abgebaut und die internationale Beschaffung ausgebaut. Aus diesem Grund verstehe sie die Äusserung von Nationalrat Hansjörg Walter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes, nicht, der vor Kurzem erklärt habe: «Der Verband werde aktiv gegen Marktkräfte kämpfen.» Nach ihren Beobachtungen achten die Konsumenten beim Einkaufen nicht nur auf Preise sondern auf die eigene Gesundheit, Klimawandel und Umweltschutz. Auch die Rückverfolgbarkeit und der Tierschutz seien wichtige Argumente, auf welche die Kunden achten.
Innovative Bauern packen die Chancen Nach Anwanders Meinung kommt der Verarbeitungsindustrie auf allen Stufen eine wichtige Bedeutung zu. Sie lobte die Bauern als innovativ, die die Chancen packen. Dies im Gegensatz zu einigen Verbänden. Das Kernstück der Agrarpolitik werden aber die externen Veränderungen mit WTO, den Diskussionen um die Agrarfreihandelsabkommen mit der EU, den bilateralen Abkommen mit Marktzutritten, wo die Landwirtschaft eingeschlossen sei, sein. Um in Zukunft zu bestehen, erwarte Coop von der Landwirtschaft einen weiterhin hohen Qualitätsstandard, eine lückenlose Rückverfolgbarkeit, den Verzicht auf gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sowie eine hohe Professionalität.
Abrechnung per E-Mail
Laut Yvan Meuwly wurde in den ersten 45 Wochen des laufenden Jahres bei den Markzahlen bei Schweinen eine Zunahmen von 0,9 Prozent und bei den Kälbern eine Zunahme von 1,4 Prozent festgestellt. Beim Grossvieh wurde eine Abnahme von 2,5 Prozent registriert. Meuwly sprach von erfreulichen Preisentwicklungen bei Schlachtkälbern, Munis und auch bei Mastjagern. Anicom überzeuge aber auch mit Dienstleistungen, so haben sich in der Niederlassung Ostschweiz 180 Kunden angemeldet und erhalten nun die Abrechnung per E-Mail.
Alternativen zu chirurgischen Kastrationen bei Ferkeln
Urs Schöb, Vorsitzender der Geschäftsleitung Anicom, informierte über den Wechsel des Migros-Labels von M-7 zu Terra- Suisse und die Folgen auf das Label Agri Natura, welches bei Volg und einigen weiteren Kanälen weitergeführt wird. Schöb informierte auch über die Auswirkungen des revidierten Tierschutzgesetzes, welches chirurgische Kastrationen bei Ferkeln verbietet. Das Projekt ProSchwein stelle drei Alternativen zur Ferkelkastration vor, nämlich: Inhalationsnarkose, Immunokastration (Impfung gegen Ebergeruch) sowie die Jungebermast. Im Weiteren orientierte Schöb über die Entwicklung der Chauffeurenlöhne, die Entwicklung der Dieselpreise sowie die Erhöhung der LSVA-Kosten.
Mario Tosato

Sie standen im Zentrum der Regionaltagung Anicom Ostschweiz (von links nach rechts): Josef Schmid, Sibyl Anwander, Yvan Meuwly und Urs Schöb. (tos)
