Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Rehkitzen durch "Verblenden" schützen

Ausgabe Nummer 22 (2014)

Landwirte und Jäger können gemeinsam dazu beitragen, dass junge Rehe vor dem Tod durch Vermähen bewahrt werden. Und es wird auch viel gemacht.

Jetzt kommt die Zeit, in der viele Rehkitze vermäht werden. Je nach Wetter fällt die Heuernte in die heikle Phase der ersten Lebenswochen der Rehe, in der sich das Kitz bei Gefahr duckt. Von den Fahrzeugen aus kann der Bauer ein verstecktes Kitz nicht erkennen und es wird Opfer des Kreiselmähers. Im Durchschnitt der letzten Jahre wurden dem kantonalen Amt für Jagd und Fischerei etwa 120 Kitze als vermäht gemeldet. Es dürfte noch eine grössere Dunkelziffer geben, da nicht alle Fälle erkannt werden. Landwirte und Jäger können gemeinsam dazu beitragen, dass die Kitze vor dem Tod durch Vermähen bewahrt werden. Und es wird auch viel gemacht. Die Rehkitzrettung funktioniert dann optimal, wenn Jäger und Landwirte kooperieren. Die Jäger sind froh um die gute Zusammenarbeit mit den Landwirten.

Rehe reagieren «falsch»
Aber die Natur ist nicht auf die Erntemaschinen als Feind eingestellt. Die Rehkitze ducken sich beim Herannahen des Traktors und sind so kaum zu entdecken. Dass die Landwirte aber bei dem starken Zeitdruck im Heuet oft keine Zeit finden, Wiese für Wiese vorgängig abzusuchen, ist verständlich.

Am Vorabend «verblenden»
Die beste Möglichkeit, Rehkitze vor dem Mähtod zu bewahren, ist das sogenannte «Verblenden». Am Vorabend der Mahd werden weisse Tücher, helle Futtersäcke, Baustellenlampen oder sogar bunte Ballone in dem zu mähenden Abschnitt aufgehängt. Die Rehgeiss reagiert beunruhigt auf diese Veränderung und holt in der Nacht ihren Nachwuchs aus der gefährdeten Wiese. Allerdings tritt bald Gewöhnung ein – daher ist es wichtig, dass das Verblendmaterial rasch wieder entfernt wird, wenn der Schnitt nicht innerhalb von einem bis zwei Tagen erfolgen kann.

Kitz nie berühren
Wird ein Kitz gefunden, darf es auf keinen Fall berührt werden, die Rehgeiss würde es sonst abstossen. Mit einem Grasbüschel wird es sanft aufgehoben und in die nächste, sichere Deckung getragen. Die Kitze bleiben meist reglos und zusammengerollt in der neuen Deckung. Die Geiss findet dank den Fieptönen ihr Kitz wieder.

Die Jäger kontaktieren
Heuwiesen verblenden gehört zu den Hegeaufgaben der Jägerinnen und Jäger. Die Landwirte sind eingeladen, Hilfe durch die Jägerschaft in Anspruch zu nehmen, indem sie bei Bedarf den lokalen Hege- Verantwortlichen anrufen oder einfach einen ihnen bekannten Jäger.

Hunde an die Leine!
In der Phase des Setzens der Kitze sind die hochträchtigen Rehgeissen langsam und können von Hunden leicht gehetzt, verletzt oder gar getötet werden. Für das Kitz ist das der sichere Tod. Deshalb müssen auch Hunde an Waldrändern und bei hohen Heugraswiesen unbedingt angeleint bleiben. Verantwortungsbewusste Hundehalter halten sich an diese Regel und schützen so die Rehe.


Walter Schmid,
Jagd Thurgau, Amriswil







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