Ausgabe Nummer 8 (2005)

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Resultate der Astprobenuntersuchung

Schädlingsprognose im Winter
 
Resultate der Astprobenuntersuchung
 
Im Rahmen der regelmässigen Überwachung der Obstanlagen auf Schadorganismen bildet die Astprobenkontrolle im Winter einen festen Bestandteil in der Schädlingsprognose. Die Astprobenuntersuchung wird durch die Forschungsanstalt Wädenswil koordiniert. Seit Jahren arbeitet auch die Obstbauberatung am Arenenberg mit. In den letzten zwei Jahren wurden vermehrt auch Biobetriebe in die Untersuchungen miteinbezogen. Überwacht werden gegen 80 Arten, schädliche und nützliche, wobei nur wenige regelmässig in grösserer Zahl gefunden werden.
 
Ausgangsniveau Spinnmilben darf nicht weiter steigen
Die Hauptindikatoren, welche in den Astproben gefunden werden, sind Läuse, Milben, verschiedene Arten Schildläuse, Frostspanner, Schalenwickler und Blutläuse. Die meisten Arten überwintern im Eistadium. Bei Wicklerarten sind die Raupen zu finden. Verschiedene indifferente Milbenarten sowie die Raubmilben überwintern als Imago, also ausgewachsen. Bei den Raubmilben sind es nur die befruchteten Weibchen. Da die Methode seit fast 60 Jahren kaum verändert wurde, stehen langjährige Erfahrungswerte zur Verfügung. Feststellbare Veränderungen bringt der Einsatz neuer Wirkstoffe, die Strategien der Wirkstoffeinsätze usw. Spürbar war zum Beispiel die Einführung der Integrierten Produktion (IP), aber auch die Entwicklungshemmer haben deutliche Spuren hinterlassen. Paradebeispiel ist die Abnahme der Spinnmilbeneier nach der Einführung der IP. Beim Frostspanner haben die Entwicklungshemmer die Populationen stark eingeschränkt. Aus der Abbildung 1 ist ersichtlich, dass das Ausgangsniveau bei den Spinnmilben dieses Frühjahr wieder etwas höher ist als im letzten Frühjahr. Dies ist seit dem Winter 2002 bereits die dritte Saison mit leicht höherem Anfangsbefall in Folge. Das Niveau ist allerdings noch akzeptabel, darf aber nicht mehr weiter steigen. Der Raubmilbenbestand ist im Durchschnitt der Betriebe eher etwas zurückgegangen.

Raubmilben Ansiedlung vermehrt Beachtung schenken
Raubmilben wurden in 56 Prozent der untersuchten Proben aus dem Thurgau gefunden. Sortenunterschiede sind dabei immer auszumachen. Raubmilben bevorzugen Sorten mit stark behaarten Blattunterseiten wie zum Beispiel Boskoop. Es kann beobachtet werden, dass auch die indifferenten Milben einen Einfluss auf die Raubmilben haben. Werden diese durch den Einsatz von Insektiziden reduziert oder gar ganz vernichtet (Phosphorsäureester, speziell Akarizide, häufiger Schwefeleinsatz), werden auch die Fruchtkuchen nicht abgebaut. Dort finden sich oft viele indifferente Arten, die Holzteile zersetzen. Gerade diese Stellen werden von den Raubmilben gerne zur Überwinterung benutzt. Manchmal finden sich bis zu 50 Raubmilben unter einem solchen Deckel. Es kann auch vermutet werden, dass die Raubmilben sich hie und da an anderen Milbenarten gütlich tun. Hinsichtlich der Sorten muss besonders bei Braeburn bereits bei jungen Bäumen für einen Raubmilbenbesatz gesorgt werden. 44 Prozent Proben ohne Raubmilben ist (inklusive Bio, wo häufig keine RM zu finden sind), aber eindeutig zu viel. In Anbetracht der Probleme, welche teilweise bei der Spinnmilbenbekämpfung auftreten, ist der Ansiedlung von Raubmilben vermehrt Beachtung zu schenken. Es ist aber wichtig, dass vor dem Ansiedeln die Spinnmilben behandelt werden. Ansiedlungsversuche gelingen bei tiefem Spinnmilbenbesatz meistens besser.

Blutläuse überwintern auch im oberen Wurzelbereich
Der Druck bei den Läusen liegt im Thurgau eher unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Entwicklung ist aber mit den Vor- und Nachblütenauszählungen weiter zu prüfen.
Bei den Blutläusen hat sich die Situation seit dem starken Anstieg im Jahr 2002 auf mässigem Niveau stabilisiert. Allerdings ist in der Praxis von vielen Obstbauern zu hören, dass Blutläuse vorhanden sind. Bei der Astprobenuntersuchung werden natürlich nur jene Blutläuse erfasst, die in der Krone überwintern. Es kann aber beobachtet werden, dass die in der Literatur beschriebene Überwinterung im oberen Wurzelbereich recht häufig festgestellt werden kann. Dies hängt sicher auch damit zusammen, dass die Bäume heute eher hoch gepflanzt werden und einige Unterlagen auch zu stärkerer Luftwurzelbildung neigen.

Unterscheidung Austern- und San-José-Schildlaus schwierig
Schildlausarten reagieren stark auf die individuellen Pflanzenschutzeinsätze der Betriebe. Bei forciertem Insektizideinsatz mit schärferen Mitteln sind Schildläuse oft die einzigen Arten, welche in den Proben zu finden sind. Mit einem ausgewogenen Insektizideinsatz sind in der Regel keine Bekämpfungsmassnahmen nötig mit Ausnahme der Austernschildlaus, welche auch auf den Früchten massive Schäden verursachen kann. Erfreulicherweise hat sich der Besatz mit dieser, erst seit den 90er Jahren stärker auftretenden Art, wieder etwas verringert. Da eine Unterscheidung der Austernschildläuse mit der San-JoséSchildlaus nicht so ohne weiteres möglich ist, sollten uns grössere Schäden mitgeteilt werden. Die San-José-Schildlaus ist in anderen Teilen der Schweiz örtlich anzutreffen.
Im Kernobst sind Frostspanner und andere Arten auf tiefem Niveau und werden wohl nur in einzelnen Betrieben Probleme verursachen.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle Pflanzenschutz und Ökologie, Urs Müller
 
Abbildung 1: Milbeneier in Astproben im Vergleich mit den Raubmilbenpopulationen (LBBZ)
 
Abbildung 2: Entwicklung der Blutläuse in Astproben (LBBZ)
 
Abbildung 3: Entwicklung der Gelben Austernschildlaus in Astproben.
 
 
 
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