Ausgabe Nummer 11 (2009)

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Ringen um die Milchmarktzukunft

Informationsveranstaltung im LZSG Flawil zum Milchmarkt 2009

Milchverarbeiter und Milchhändler stellten ihre unterschiedlichen Ansichten zum Milchmarkt vor.

Landauf, landab finden zurzeit Informationsveranstaltungen von Produzentenorganisation statt, die vor allem die Sicht der Milchproduzenten darstellen. Das Landwirtschaftliche Zentrum St. Gallen (LZSG) wolle nun Vertretern der Milchverwerter, der Käser und des Handels Gelegenheit geben, ihre Sichtweise darzustellen, erklärte Urs Bolliger, Fachstelle für Marketing LZSG, zu Beginn der Milchmarktveranstaltung am Matthof in Flawil SG.

Langfristige Partnerschaften schaffen
Um am Milchmarkt bestehen zu können, müsse die Milch gebündelt werden, damit die Marktposition der Milchproduzenten gestärkt werden könne, betonte René Schwager, Geschäftsführer der Nordostmilch AG, Winterthur. Vor dem definitiven Ausstieg aus der staatlichen Milchkontingentierung müssen langfristige Partnerschaften mit Verarbeitern in verschiedenen Milchsparten geschaffen werden. Von Bedeutung sei eine Absatz- und kundenorientierte Mengensteuerung. Dies soll unter anderem durch Monatsvertragsmengen erreicht werden. Ganz wichtig sei aber auch die Erhaltung einer wettbewerbsfähigen Milchproduktion.

Mit Überschussmilch nicht Standardsorten unterlaufen
Gemäss Walter Arnold, Arnold Produkte AG, Schönenberg, schliesst eine kalkulierbare Milchmenge mit entsprechender Produktionssicherheit eine Segmentierung nicht aus. Der Vorstand der PMO Ostschweiz werde eine Segmentierung einführen, wenn 80 Prozent der Schweizer Milchmenge diese ebenfalls einführe. Es müsse allerdings verhindert werden, dass mit billiger Überschussmilch unsere Standardsorten mit Billigkäse unterlaufen werde.

Biedermann gegen Marktsegmentierung
Die Molkerei Biedermann AG habe die Mehrmengenprojekte sorgfältig eingeführt. 2006/07 wurden 300 000 Liter Milch, im Jahr 2007/08 wurden 800 000 Liter Milch und im Jahr 2008/09 1 800 000 Liter für Mehrmengenprojekte verarbeitet, die im Ausland verkauft wurden. Zielsetzung der langfristigen Projekte sei die Aufstockung der Basismenge des Einzellieferanten, damit dieser mit dem Verarbeiter wachsen könne. Pius Biedermann empfiehlt die Integration der Mehrmengen in die Basismengen. Der eingeschlagene Weg soll nicht unterbrochen werden. Biedermann sprach sich gegen eine Marktsegmentierung aus, die sofort unübersichtliche Mehrmengen schaffe.

Nur die Schiene Preis hat Perspektiven
Christian Oberli, Präsident der Ostschweizer Milchverarbeiter plädierte für eine Milchpreissenkung auf EU-Niveau, plus Verkäsungszulage, plus Swissnessbonus, und auf der «weissen Linie» für einige Jahre noch den Grenzschutz. Damit könne der Käseexport gestärkt und der Importdruck minimiert werden. Mit der längerfristigen Milchmengensteigerung könne auch der Strukturwandel gefördert werden. «Nur die Schiene Preis hat Perspektiven », sagte Oberli überzeugt. Dazu gelte es auch, den guten Ruf von Schweizer Molkereiprodukten und Schweizer Käse zu pflegen.

Mario Tosato


Walter Arnold, Christian Oberli, René
Schwager, Urs Bolliger und Pius Biedermann
(von links) diskutieren den Milchmarkt
der Zukunft. (tos)
Walter Arnold, Christian Oberli, René Schwager, Urs Bolliger und Pius Biedermann (von links) diskutieren den Milchmarkt der Zukunft. (tos)