Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
16. Oktober 2020


Risiken bei Hofplatzarbeiten minimieren

Ausgabe Nummer 41 (2020)

Ressourcenprojekt AquaSan

Nach einer zweijährigen Pilotphase liegen aufgrund von umfangreichen Betriebsbegehungen und Messungen an den verschiedenen Eintragswegen erste Erkenntnisse vor, wo beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln angesetzt werden muss.

2020 sind es bereits 20 Thurgauer Betriebe, die am Projekt teilnehmen. «Bei der Massnahmenumsetzung merkten wir bei den Audits: Die Betriebe wollen mitmachen und mehr über die möglichen Eintragungswege von PSM erfahren; das Projekt ermöglicht dazu erstmals konkrete Handlungsfelder. Darüber hinaus spüren wir grossen Rückhalt in der Praxis. Für den weiteren Verlauf des Projekts sind wir optimistisch – es beteiligen sich auch marktrelevante Betriebe daran», erklärte Florian Sandrini, Leiter Pflanzenbau und Umwelt, BBZ Arenenberg, anlässlich einer Medienorientierung von Anfang Oktober an der Swiss Future Farm. Im dritten Projektjahr sollen es 60 Betriebe und damit eine erfasste Fläche von zirka 1000 ha sein. Auf zehn Betrieben im Einzugsgebiet des Eschelisbachs und der Salmsacher Aach werden dieses Jahr verschiedene Massnahmen an den drei Eintragspfaden Hofplatzentwässerung, Drainagen und Abschwemmung getestet. «Dieses Einzugsgebiet ist prädestiniert als Projektgebiet, denn hier befinden sich viele Obstund Gemüsekulturen. Neben bereits gut etablierten Massnahmen kommen auch solche mit innovativem Charakter zum Einsatz, wie z.B. auf Schaderreger und Kultur abgestimmte Blühstreifen oder mobile Schachtabdeckungen.» Im Rahmen des Projekts werden auf einzelnen Flächen chemisch-synthetische Insektizide durch chemisch-biologische Alternativen ersetzt.

Risikobereiche eruieren
Sandrini räumte ein, dass mit biologischen Alternativen für die Produzenten teils ein erhöhtes Kulturrisiko verbunden ist: «Um auf solche Herausforderungen entsprechend reagieren zu können, werden die Produzenten eng von unserer Beratung am BBZ Arenenberg begleitet». Heinz Ehmann, Leiter Gewässerqualität und -nutzung, Amt für Umwelt, erörterte die Vorgehensweise für die Messung von Einträgen von PSM und hob hervor, dass die Probenentnahme nach Regenereignissen erfolgt. 2020 wurden bislang 120 Proben untersucht: «Unseren Erkenntnissen zufolge zeigen Hofplatzentwässerungen eine deutlich höhere Anzahl und Gesamtmenge an gemessenen Wirkstoffen als die anderen Eintragspfade. Nicht nur dem Waschplatz muss besonderes Augenmerk gelten. Auch beim Prozess der Lagerung, beim Anmischen, der Befüllung und Wiederbefüllung sowie bei der Zu- und Wegfahrt lassen sich folgenschwere Grundwasserkontaminationen durch Tropfenverluste von PSM vermeiden.» Es wurden PSM nachgewiesen, vor Jahren ausgebracht, und die heute nicht mehr zugelassen sind: «Je nachdem, wie sich die PSM im Boden verhalten, bedeutet dies, dass nicht alle Massnahmen zur PSM-Reduktion sofort in den Messungen ersichtlich sind», so Ehmann. Ueli Bleiker, Chef des Landwirtschaftsamtes, hob die Bedeutung guter landwirtschaftlicher Praxis bei der Hofplatzentwässerung hervor: «Jeder Tropfen an Sprühresten nach der Applikation stellt ein Risiko dar und ist zuviel. Hier kann die Branche noch massgeblich zu Verbesserungen beitragen.»


Text und Bilder: Isabelle Schwander










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