Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


Risikofaktor Staub in der Landwirtschaft

Ausgabe Nummer 42 (2018)

In der Landwirtschaft arbeitende Personen sind verschiedenen Arten von Stäuben ausgesetzt, die gesundheitliche Schädigungen mit sich bringen. Die höchsten Staubbelastungen entstehen bei der Bearbeitung trockener Böden, bei Arbeiten mit Erntegütern und Futtermitteln wie Heu, Stroh oder Getreide sowie bei Arbeiten in Ställen. Mit geeigneten Schutzmassnahmen können langfristige Gesundheitseinschränkungen vermieden werden.

Welche Stäube sind gefährlich?
In Abhängigkeit der Grösse einzelner Staubteilchen gelangen diese unterschiedlich weit in die Atemwege hinein. Grobstäube mit einer Partikelgrösse über 10 μm werden durch Nasenhärchen und Schleimhäute in den oberen Atemwegen abgefangen, während Feinstaubpartikel mit einer Grösse von 0,1 bis 2 μm durchaus bis in die Lungenbläschen gelangen können und somit weitaus problematischer sind.
Die Zusammensetzung von Stäuben in der Landwirtschaft ist oft sehr komplex. Sie bestehen aus organischen Anteilen wie Pflanzenbestandteilen, Bakterien, Schimmelpilzen, Insektenresten, Milben, Kotresten, aus anorganischen Anteilen wie Erdresten, Quarz-/ Tonstäube, Mineraldünger oder Chemikalienresten aus Pflanzenschutzmitteln.
Organische Stäube beinhalten das grösste Gesundheitsrisiko, da sie oftmals zu entzündlichen Reizerscheinungen im Körper oder gar zur Entwicklung von Allergien führen können.

Das bisschen Husten macht doch nichts?!
Arbeiten in staubiger Umgebung lösen oft spontane Reizerscheinungen wie Husten und/oder laufende Nasen aus, die sehr rasch wieder verschwinden. Verstärken sich diese Reaktionen jedoch oder treten gar grippeähnliche Symptome nach Arbeiten in staubiger Umgebung auf, sollte sich die Person auf jeden Fall ärztlich untersuchen lassen, um Langzeitschäden zu vermeiden. Wiederholte starke Staubexposition kann jedoch auch dazu führen, dass der Körper plötzlich Allergien ausbildet, die in der Regel nicht reversibel sind.

Was ist zu tun?
Die folgenden Massnahmen senken die tägliche Staubexposition:

Baulich-technisch:
– Lüftungsanlagen optimieren; Luftrate auch im Winter möglichst
   hoch halten
– Geschlossene Lagerräume für Futtermittel, Stroh, usw. einrichten
– Trockene Lagerräume für Erntegüter schaffen
– Mahlanlagen mit Absaugvorrichtung ausrüsten
– Abwurfhöhen von Heu/Stroh/usw. über Rutschen vermindern
– Feuchtzonen vermeiden
– Glatte Oberflächen im Stallbereich zur erleichterten Reinigung
– Heukrananlagen statt Gebläse einsetzen

Organisatorisch
– Ersatz von Dürrfutter durch hochwertige Silagen
– Heutrocknung durch Belüftung optimieren
– Verschimmelte Ernteprodukte/Futtermittel entsorgen
– Stallaufenthalte zeitlich
– soweit möglich
– begrenzen
– Vermeidung von Staubaufwirbelung durch unruhige Tiere (zum
   Beispiel Geflügel)
– Einsatz staubarmer Futtermittel in pelletierter oder flüssiger Form
– Staubarm Ein- und Nachstreuen
– Oberflächen feucht reinigen, staubige Flächen vor Wischen mit
   Wasser benetzen
– Bei staubigen Ernte-/Feldarbeiten Traktoren mit geschlossenen
   Kabinen und geeigneten Filtersystemen einsetzen

Persönlich:
– Tragen geeigneter Atemschutzmasken/-systeme
– Atemschutzsysteme auch bei Feuchtarbeiten mit dem
   Hochdruckreiniger tragen (Einatmen bakterienbelasteter Aerosole)
– Verschleppung von Stäuben durch konsequenten Wechsel von
   Stallkleidung und Privatkleidung vermindern (Schmutzschleuse)
– Duschen/Haare waschen
– Bettwäsche regelmässig waschen
– Staubfänger wie Teppiche & Co. im Wohnbereich minimieren
– Haustiere, die sich im Stall aufhalten, möglichst nicht in den
   Wohn-/Schlafbereich lassen

Wie schütze ich mich?
Die einfachste Methode ist das Tragen eines persönlichen Atemschutzes. Hierzu sind diverse Atemschutzmittel in verschiedenen Schutzstufen erhältlich: Bei der Verwendung von Einwegfiltermasken empfiehlt sich das Tragen von Produkten der Schutzstufe P2 (Aufdruck FFP2, in der Regel mit blauen Gummibändern) mit integriertem Ausatemventil, das den Ausatemwiderstand vermindert. Die Papiervliesmasken müssen mit der Metallklammer gut ans Gesicht anmodelliert werden, um Leckagen zu verhindern. Bei gewissen Gesichtsformen oder Bartträgern sind Papierfiltermasken ungeeignet.
Hier bieten Gummihalbmasken mit entsprechenden Filteraufsätzen oftmals einen besseren Sitz, können jedoch auch zu vermehrter Schweissbildung führen. Da bei diesen Filtermasken ein zusätzlicher Atemwiderstand überwunden werden muss, kann dies insbesondere von Personen mit bereits bestehenden Atemwegserkrankungen oder bei stärkerer körperlicher Belastung als sehr einschränkend empfunden werden.
In einem solchen Fall bietet sich das Tragen eines Atemschutzsystems mit Gebläse-Filtereinheit und Frischlufthelm an. Hier bringt das Gebläse einen kontinuierlichen staubgefilterten Luftstrom, der ein normales Weiteratmen ermöglicht und auch unter körperlichen Anstrengungen genügend Luftmenge liefert. Atemschutzmittel werden langfristig nur getragen, wenn sie zweckmässig sind und der Tragekomfort möglichst hoch ist. Lassen Sie sich durch Fachpersonen bezüglich Auswahl, Einsatz, Pflege und Wartung beraten.


Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft BUL,
www.bul.ch
















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