Ausgabe Nummer 10 (2007)

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Rübenbauern hoffen auf den Nationalrat

Eine Abkehr vom Leistungsauftrag für die Zuckerwirtschaft würde eine Erfolgsgeschichte in Frage stellen. Die Marktstützungsbeiträge müssten erhalten bleiben, forderte die Ostschweizerische Vereinigung für Zuckerrübenbau (OVZ) an ihrer Generalversammlung vom 22. Februar im Strickhof Wülflingen mit Nachdruck.

Die Politik sei gefordert, zukunftsträchtige Lösungen zu schaffen, machte Paul Rickenmann, Dingenhart, als Präsident deutlich. Der Thurgauer SVP-Kantonsrat kritisierte vor gut 60 Pflanzerkollegen den Plan, den Leistungsauftrag zu streichen und dafür kulturspezifische Flächenbeiträge an die Bauern auszurichten. Obwohl die vorberatende Kommission für Wirtschaft und Abgaben eine Streichung befürworte, hoffe er, das nationalrätliche Plenum halte wie der Ständerat an einer Weiterführung fest.

Erfolgsgeschichte sichern
Die Streichung des Leistungsauftrages und der damit verbundenen Marktstützung würde zu einer massiven Senkung des Rübenpreises führen, warnte Rickenmann. Auch wenn danach Flächenbeiträge ausgerichtet würden, würde das Verhältnis zwischen diesen Beiträgen und dem Verkaufsertrag nicht mehr stimmen. Nach wie vor hoffe er, dass es gelinge, in der Schweiz eine nachhaltige Zuckerproduktion zu erhalten. Neben der Politik müssten die Rübenpflanzer und die Zuckerfabriken alles daran setzen, dass die Erfolgsgeschichte der Schweizer Zuckerwirtschaft weitergehe, appellierte Rickenmann.

«Völlig unakzeptabel»
Mit sehr markigen Worten verurteilte auch Werner Schwendimann, scheidender Präsident des Schweizerischen Verbandes der Zuckerrübenpflanzer (SVZ), die politischen Pläne von Bundesrat und Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). Es sei ein «völlig unakzeptables» Verhalten, wenn das BLW, im Gegensatz zur ganzen Branche, den Leistungsauftrag aufheben wolle. Schwendimann sprach darüberhinaus von einer «ungeheuerlichen Machtdemonstration » des Direktors des BLW. Explizit kritisierte der Verbandspräsident die Idee, die Flächenbeitrage mit Qualitätskriterien zu verknüpfen. Ein solches Direktzahlungssystem wäre zudem äusserst kompliziert.

Durchschnittliche Erträge
Das vergangene Jahr war nicht nur aus politischer, sondern auch aus pflanzenbaulicher Sicht ein schwieriges gewesen, wie Rickenmann ausführte. Nach zwei wirklich guten Rübenjahren hätten Witterungsextreme ein optimales Heranwachsen der Rüben verhindert. So resultierten 2006 ein durchschnittlicher Ertrag von 68 Tonnen pro Hektare sowie ein Zuckergehalt von lediglich 16,2 Prozent.
Die geringeren Erträge schlugen auf die Rechnung der OVZ durch, die vor allem von den mengenbezogenen Pflanzerbeiträgen finanziert wird. Dennoch wurde der Pflanzerbeitrag für 2007 auf dem bisherigen Niveau von 4,5 Rappen pro 100 Kilogramm belassen.

Baumann gewürdigt
Neu in den Vorstand der OVZ gewählt wurden zwei Thurgauer, nämlich Robert Schnyder aus Kreuzlingen und Thomas Meier aus Erzenholz. Präsident Paul Rickenmann wurde für eine weitere Amtsdauer bestätigt. Geehrt wurde das scheidende Thurgauer Vorstandsmitglied Kurt Baumann. Er hatte seit 1976 im OVZ-Vorstand mitgewirkt, während elf Jahren die Geschäfte geführt und an vorderster Front für die Interessen der Rübenpflanzer gekämpft, würdigte Rickenmann Baumanns Verdienste.

Martin Sinzig


Von links: die neuen Thurgauer Vorstandsmitglieder Robert Schnyder und Thomas Meier
mit Paul Rickenmann, dem wiedergewählten Präsidenten der Ostschweizer Rübenpflanzer.
(Bild: Martin Sinzig)
Von links: die neuen Thurgauer Vorstandsmitglieder Robert Schnyder und Thomas Meier mit Paul Rickenmann, dem wiedergewählten Präsidenten der Ostschweizer Rübenpflanzer. (Bild: Martin Sinzig)