Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Rückblick Tagung "effiziente Heutrocknung bei wachsenden Viehbeständen"

Ausgabe Nummer 14 (2015)

Die Tagungen zur «effizienten Heutrocknung bei wachsenden Viehbeständen» in Flawil, Hohenrain und Grangeneuve stiessen mit insgesamt 350 Teilnehmern auf ein enormes Interesse. Für eine optimale Futterqualität sollte das Heu idealerweise nach vier Tagen trocken sein. Ohne eine Fremdwärme, sei es vom Sonnendach, der Photovoltaikanlage, von einem Ölofen, einem Wärmetauscher oder einer Luftenfeuchteranlage kann dies nur selten erreicht werden.

Heu sollte nach vier Tagen trocken sein
Die Viehbestände sind auch auf den silofreien Betrieben in den vergangen 20 Jahren gewachsen. Leider wurden die Heustockgrundflächen nicht im entsprechenden Umfang erweitert. Pro GVE sind mindestens 7 m2 Heustockfläche oder 30 m3 Volumen Heulager erforderlich. Der Neubau von Heulagerraum kosten rund 6000 Franken pro Grossvieheinheit.
Damit das Dürrfutter gerne gefressen wird, sollte es nach drei bis vier Tagen trocken sein. Diese Werte werden in der Praxis kaum erreicht. Trocknungsdauern von über sieben Tagen sind aber sehr negativ und unbedingt zu vermeiden. Solches Heu verliert seinen teeähnlichen Geruch.
Mit Luftenfeuchter, Sonnenkollektoren und Ölöfen sind technische Lösungen auf dem Markt, um die Trocknungskappazität zu verbessern. Die Einfüllmenge bleibt dabei ein wichtiges Kriterium. Je nach Trocknungsgrad liegt die maximale Einfüllmenge bei 1,2 (60 Prozent TS) bis 3,5 Meter (70 Prozent TS). Entscheidend ist dabei der Wasserdeckel. Beim Einführen sollte die eingeführte Wassermenge 60 kg pro Quadratmeter nicht überschreiten.

Häufige Fehler
Vor einer Investition in Technik sollte man aber überprüfen, ob am bestehenden Konzept Optimierungen möglich sind. Die Lüfterleistungen sind in der Regel genügend. Allerdings sind noch viele Heustöcke mit niedrigen Rosthöhen von 40 cm oder gar noch weniger ausgrüstet. Hier kann es sich lohnen die Roste zu ersetzen und 50 bis 60 cm Rosthöhe zu realisieren. Neuerdings werden vermehr Baustahlgitter als Roste eingesetzt (100 mm Maschenweite).
Immer wieder werden in der Praxis Situationen angetroffen, wo der Lüfter die gesättigte Luft wieder ansaugt. Ebenfalls ist es sehr ungünstig, wenn der Lüfter Stallluft ansaugen kann. Dies wirkt sich negativ auf die Schmackhaftigkeit aus.
Betonböden lassen die Luft stark abkühlen (1°C pro 10 m). Daher ist die Abdeckung von betonierten Heustockböden mit OSB-Platten dringend empfohlen, bei ebenerdigen Heustöcken in Kombination mit einer Dampfsperre.
Trocknet der Heustock ungleichmässig ab, ist dies ein Zeichen für ein nicht optimale Konzeption der Anlage. Allenfalls kann dies mit einer entsprechenden Beschickung berücksichtigt werden. Hierfür sind aber zwingend Höhenmarkierungen erforderlich. Teilweise sind auch Leitbleche unter dem Rost ein Lösungsansatz.

Intervallbetrieb erst ab dem dritten Tag
Die Beschickung des Heustocks mit dem Heukran ist Chefsache! Es ist absolut zentral, dass das Heu locker auf den Stock gebracht werden kann. Die Pressung im Ladewagen darf nicht zu stark sein. In der Praxis wird oft nur mit drei bis vier Messern gearbeitet. Futter, welches mit sechs bis acht Messern geschnitten ist, lässt eine gleichmässigere Verteilung auf dem Stock zu.
Das Anpressen an den Wänden nach dem Einfüllen bleibt eine schweisstreibende, aber unbedingt notwendige Arbeit, damit man eine gute Heuqualität produzieren kann. Mit dem Intervallbetrieb können Stromkosten eingespart werden. Allerdings ist dieser erst ab dem dritten Belüftungstag einzusetzen, weil sich der Stock ansonsten oft in den ersten beiden Tagen zusammensetzt. Ein U-Manometer ist ein zwingendes Hilfsmittel für die Heustocküberwachung! Mit ihm kann frühzeitig erkannt werden, wenn sich der Stock zusammensetzt (sobald eine Druckveränderung einsetzt). U-Manometer können einfach selber konstruiert werden. Die Druckabnahme ist unter dem Rost vorzunehmen.
Oft wird zu wenig lang gelüftet. Damit ein Heustock auf 85 Prozent TS getrocknet werden kann, ist beim Auslüften eine relative Luftfeuchtigkeit von unter 50 Prozent notwendig (Feuchtigkeitsgleichgewicht)!


BBZ Arenenberg,
Christof Baumgartner













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