Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
8. Juni 2018


Saatgut ist Gemeingut

Ausgabe Nummer 28 (2014)

Am 28. Juni 2014 feierte die Getreidezüchtung Peter Kunz (GZPK) ihr 30-jähriges Bestehen mit einem Fest und rund 500 Gästen aus dem In- und Ausland.

Zum Jubiläumsfest «30 Jahre biodynamische Getreidezüchtung Peter Kunz» mit Führungen durch die Zuchtgärten wurden die neuen Räumlichkeiten in Feldbach ZH, wo in der Oberhus-Scheune ein neues Arbeitszentrum für die Biozüchtung entstanden ist, eingeweiht. Peter Kunz, der in diesem Jahr 60 wird, bezeichnet die eigenständige Bio-Getreidezüchtung als sein Lebenswerk. Er ist überzeugt, dass heute mehr denn je gangbare Lösungen für den Biolandbau gesucht werden müssen, denn es werde auch im Biobereich noch recht viel importiert. Im Sortenpool der GZPK stehen auch Maissorten im Versuchsstadium, die Alternativen zu den Hybriden darstellen. Diese weisen zum Teil auch einen deutlich höheren Gehalt an Aminosäuren auf, womit der Sojaimport reduziert werden könnte, erläuterts Peter Kunz. Nebst Weizen, Dinkel und Triticale werden auch Mais, Sonnenblumen und Erbsen züchterisch bearbeitet. Peter Kunz arbeitet aus den Grundsätzen des biodynamischen Landbaus und lässt diese in seine züchterische Arbeit einfliessen: «Es ist mein persönliches Ziel, die Pflanzen züchterisch so zu bearbeiten, dass daraus ein sehr hochwertiges Lebensmittel entsteht. Dies ist es letztendlich, was die Konsumenten von uns erwarten.» Die GZPK ist sowohl am Standort Feldbach (ZH) wie auch in Rheinau (ZH) tätig:

Existenzielle Bedeutung
Peter Kunz ist überzeugt, dass die Getreidesorten, die sich sowohl in Feldbach mit seinen extrem wüchsigen Bedingungen als auch in Rheinau unter trockeneren klimatischen Voraussetzungen bewähren und gute Erträge bringen, im Fazit als «gute Sorten» bezeichnet werden dürfen. Er stellt fest, dass die existenzielle Bedeutung der Bio-Pflanzenzüchtung in den letzten zehn Jahren immer breiter anerkannt wird. «Bio Suisse und die Verbände Demeter und Bioland haben sich die Biozüchtung inzwischen auf ihre Agenda gesetzt. Bis dahin war es jedoch ein langer, steiniger Weg», schildert Peter Kunz rückblickend. Dass die GZPK inzwischen in breiten Kreisen Anerkennung findet, bestärkte Peter Kunz auch darin, die Forderung nach einer öffentlichen Unterstützung der einheimischen Sortenzüchtung vorzubringen. Die IFOAM (International Foundation for Organic Agriculture) hat für die Bio-Züchtung international gültige Grundsätze festgelegt: Seit dem Jahr 2000 ist die GZPK ein gemeinnütziger Verein für Kulturpflanzenentwicklung und arbeitet nach den IFOAM-Grundsätzen. Die GZPK sieht sich auch als Alternative zu Saatgut-Grosskonzernen, da sie die Verfügbarkeit hochwertiger Sorten für alle, die Saatgut benötigen, gewährleistet.

Züchtung als Kulturgut
«Bei der Sortenentwicklung legen mein Team und ich Wert auf höchste Qualität», betont Peter Kunz. Diese hohen Qualitätsansprüche stünden auch damit im Zusammenhang, dass das Schweizer Bäckergewerbe beim Weizen höchste Standards verlangt. Die Bedingungen dieses Gewerbes verändern sich laufend. Die Möglichkeiten der Teigkühlung und Einleitung des Gärstopps verlangen Weizen mit mindestens 30 Prozent Feuchtklebergehalt. Die Herausforderungen an die Sortenzüchtung sind vielfältigster Art, insbesondere da zur Kundschaft der GZPK sowohl Landwirte, Erwerbsgärtner, Obstbauern und Hobbygärtner zählen. Peter Kunz vertritt auch nach aussen die Meinung, dass es, auch im öffentlichen Interesse, eine grosse Vielfalt an Arten und Sorten braucht: «Die einheimische Züchtung ist ein Kulturgut, welches möglichst auch bei uns in der Schweiz beibehalten werden sollte. Das ist kein ‹Heimatschutz›. » Bei der GZPK sei man unter anderem ambitioniert daran, den Dinkel züchterisch zu bearbeiten. Für Peter Kunz gehört zur biologisch-dynamisch ausgerichteten Getreidezüchtung der bewusste Umgang mit Ressourcen, unter anderem mit Stickstoff: «Wir entwickeln Sorten, die mit den vorhandenen Stoffen im Boden besser auskommen und aus dem im Bioanbau limitierten N-Angebot mehr herausholen. »


Isabelle Schwander










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