Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Saatgutversorgung stösst im Bio-Landbau an Grenzen

Ausgabe Nummer 3 (2017)

An der UFA-Maistagung orientierte Albert Gysin über die aktuelle und allgemeine Versorgungslage beim Saatgut. Dabei zeigte sich, dass der Biolandbau bezüglich der eigenen Saatgutversorgung an seine Grenzen stösst.

Grundsätzlich werden an die Saatgutproduktion qualitativ hohe Anforderungen gestellt, damit die Kunden gesundes und keimfähiges Saatgut erhalten. Die Saatgetreideproduktion 2016 war aufgrund der Witterungslage in der ersten Jahreshälfte sehr anspruchsvoll. «Wir verzeichneten historisch tiefe Erträge, sehr tiefe Ausbeute, zum Teil unter 50 %, und tiefe Keimfähigkeiten, sodass es gar zu Abweisungen kam. Zudem mussten bei der Übernahme immer wieder extrem hohe Fusarienwerte, unter anderem mit Schneeschimmel, welcher die Körner faulen lässt, festgestellt werden», führte Albert Gysin, UFASamen, an der Maistagung aus. Er hielt weiter fest, dass beim ÖLN Saatbeizmittel ein Segen waren. Aber beim biologischen Saatgut musste eine katastrophale Versorgungslage zur Kenntnis genommen werden. Entsprechend waren und sind zahlreiche Bio-Getreidesaaten nicht oder nur sehr beschränkt lieferbar. Dies hat zur Folge, dass Bio Suisse bezüglich der Saatgutbeschaffung für fast alle Brot- und Futtergetreide die Stufe 2 angeordnet hat. Das heisst, dass Bioproduzenten mangels Saatgut auf konventionell angebautes Saatgut zurückgreifen können, wobei sie sich dies mittels Gesuch und Begründung bewilligen lassen müssen.
Als Erfolgsgeschichte erweist sich der Einsatz der Trichogramma-Kapseln zur Maiszünslerbekämpfung mittels der Drohne Kopter. Gesamthaft sind diese Nützlinge in der Schweiz auf 5400 ha Mais verteilt worden, wobei der Kopter auf 700 ha zum Einsatz kam. In Deutschland wurde er bei einer behandelten Fläche von 24 700 ha auf rund 10 000 ha eingesetzt. Gysin kündigte auch an, dass bezüglich der Befruchtung von Obstanlagen im laufenden Jahr rund 200 BeeFramer zur Platzierung bereit stehen.

Import nötig
Bei der Saatgutversorgung von Korn konnte bereits zum zweiten Mal mit 800 t der Bedarf durch Inlandware nicht gedeckt werden. «Wir haben anstelle von Aushilfssaatgut zertifiziertes Saatgut im Umfang von 200 t importiert. Dabei handelt es sich um sehr gute Qualitätsware, welche auch ein hohes Fesengewicht aufweist», so Gysin. Die Versorgungslage für Saatmais sei gut und bei den Kleearten sprach Gysin von einer entspannten Marktlage. Rasengräser seien hingegen eher knapp und verzeichnen steigende Preise. Bei den landwirtschaftlichen Gräsern bestehe bei Wiesenrispe und Knaulgras eine allgemein schlechte Ernte, während man beim Wiesenschwingel von einer Entspannung sprechen dürfe. Der europäisch katastrophale Milchpreis führte zusammen mit dem nassen Frühling und wenig Mäuseschäden dazu, dass beim englischen Raigras grosse Überschüsse vorhanden seien.
Erfreulich hat sich der Geschäftsbereich Wildblumen entwickelt. Diese Produktion und Vermehrung der unzähligen einheimischen Wildblumenarten ermöglichte verschiedenen Produzenten ein neues Einkommen.

Roland Müller




« zurück zur Übersicht