Ausgabe Nummer 31 (2010)
Saatmenge beim Raps berechnen
Kaum ist die Rapsernte eingebracht, läuft die Planung für die neue Kultur. Die Erträge lagen mancherorts unter den Erwartungen. In diesem Artikel sollen Gründe dafür aufgespürt werden. Wie überall ist ein gutes Ergebnis vom Zusammenspiel mehrerer Faktoren beeinfl usst. Die Saatmenge nimmt darin eine zentrale Rolle ein mit der Berechnung der Anzahl Körner pro Quadratmeter.
Die Rapserträge im Schweizer Durchschnitt lagen im Jahr 2008 bei 32,4 kg/a, im Extenso bei 25,3 kg/a, im Jahr 2007 bei 33,4 kg/a im Extenso bei 27,2 kg/a. Das Jahr 2009 brachte um ein Viertel höhere Erträge als das Vorjahr. Im heurigen Jahr 2010 müssen wir uns mit mässigen Erträgen wie vor zwei Jahren zufrieden geben. Wenn wir zurückschauen, hat der Monat April, der oft als verregnet wahrgenommen wird, im Mai während der Blüte des Raps stattgefunden. Der Schnee lag länger als auch schon. Die Vegetation startete später. Der niederschlagsarme April liess die späteren Düngergaben weniger effektiv wirken.
Einzelkornsaaten bringen beim Raps tiefere Pfl anzenzahlen, dafür stärkere Einzelpfl anzen mit vermehrter Seitentriebbildung. An drei Standorten sind Einzelkorn- neben Drillsaaten zum Vergleichen angelegt worden. Einzelkornsaaten haben 3 Prozent, 5 Prozent respektive 10 Prozent weniger gedroschen. Zudem wird die Abreife verzögert, was in diesem Dreschergebnis nicht ganz berücksichtigt werden konnte. Das Resultat wurde so nicht erwartet, weil die einzelkorngesäten Pfl anzen während der Vegetation kräftig, vital und stark verzweigt aussahen. Ein grösserer Lastwagen kann mehr laden, fährt aber oft nicht optimal ausgelastet herum. So ist es vielleicht auch bei grossen Rapspfl anzen. Mehr zu diesem Thema gibt es an einer Winterveranstaltung. Die sehr präzise Einzelkornsaat kommt vielleicht erst zum Tragen, wenn wir die Reihendistanz von 45 cm (Zuckerrüben) auf die optimalen 20 bis 18 cm reduzieren können. Gegenwärtig ist diese Mechanisierung noch nicht vorhanden. Den Raps Anfang oder Ende Oktober zu walzen hat auch einiges weniger gebracht (Andwil), weil es die Pfl anzen zu stark zurücksetzte. Weitere Versuche müssen zeigen, ob extreme Frühsaaten um den 15. bis 23. August mit der Kulturführungstechnik des Walzens gebremst und optimiert werden können. Bei normalen und späten Saaten ist Walzen kein Thema.
Die Saatmenge
Die Saatmenge ist beim Raps schwierig zu bestimmen und zu säen, weil das TKG von Sorte zu Sorte und von Posten zu Posten extrem schwankt (4 bis 10 g). Hier sei nochmals in Erinnerung gerufen, wie sich die Saatmenge berechnet. Die gewünschten Pfl anzenzahlen pro Quadratmeter sind sehr entscheidend, wenn man bedenkt, dass doch 20 Prozent der Pfl anzen über den Winter verloren gehen. Bei sehr gutem Saatbeet laufen die Pfl anzen gleichmässig auf, weil sie eine gleichmässige Saattiefe von 1 bis 2 cm haben. Der Fünfl ibertest zeigt: Die Erdschollen sollen in etwa diese Grösse haben, möglichst wenige sollen grösser als ein Fünfliber sein. Man spricht nicht mehr von Saatmenge in kg/ha, sondern ist viel präziser mit Körner/ m2. Nach meiner Einschätzung liegen ein Drittel der Rapsfl ächen in unserm Kanton im optimalen Bereich des Pfl anzenbestandes. Bei zwei Dritteln haben wir gemeinsam Verbesserungspotenzial. Dazu gehört die tief gewählte Saatmenge ganz entscheidend, neben der optimalen Saatbeetbereitung und der angepassten Schneckenbekämpfung. Hauptsorte Vispi hat zum Beispiel ein TKG von 6,3 bis 6,7 Die Formel angewandt und 45 Körner/m2 oder zirka 40 Pfl anzen/ m2 zum Ziel, ergibt es eine Saatmenge von 3 bis 3,2 kg/ha, TKG und Keimfähigkeit steht auf der Sacketikette. Pfl uglose Saaten ins Stoppelfeld sind durchaus auch möglich, wenn der Boden gleichmässig bearbeitet werden konnte und die Ernterrückstände eingearbeitet sind. Direktsaaten und Streifenfrässaaten werden auch angelegt, was aber viel Fingerspitzengefühl vom Landwirt und den geeigneten Boden braucht.
Sortenwahl
Die empfohlene Sortenliste 2011 fi nden sie unter www.swissgranum.ch. Das höchste Ertragsniveau seit drei Jahren und auch den grössten Flächenanteil hat Vispi. Neu auf der Sortenliste sind Adriana als Liniensorte und Compass als Hybrid. In verschiedenen Versuchen schnitten sie sehr gut ab und können empfohlen werden. Frühe Lagen haben mit einer mittelspät reifen Sorte tendenzmässig das höhere Ertragspotenzial. Im Extenso ist Robust als am wenigsten sclerotiniaanfällig bevorzugt. Phoma wird optimal bekämpft, wenn spontan begrünte Rapsfelder vernichtet werden, bevor die neue Rapskultur aufl äuft. Wichtiger als die Sortenwahl bleibt die Saatbeetbereitung und die bewusst tief gewählten Körner pro Quadratmeter.
Tips von Profis:
- Rapsprofi s wollen im August gesät haben.
- Wenn er Extenso produziert, muss es hingegen Septembersaat sein.
- Frühsaaten können weniger N im Herbst brauchen (aufstengeln).
- Spätsaaten sind auf diesen Stickstoff angewiesen, speziell wenn er auch noch zur Verrottung von Ernterückständen gebraucht wird.
BBZ Arenenberg, Acker- und Futterbau, Paul Wirth

Ein Qadratmeter Raps mit einer optimalen Verteilung (Grafik: Paul Wirth)

Die Saatmenge in Körner/m2 ist abhängig von Saatzeitpunkt und Saatbeetzustand. Die häufi g empfohlenen Saatstärken von 50 bis 65 Körnern/m2 sind in dieser Darstellung differenziert. (Grafik: Paul Wirth)
