Ausgabe Nummer 41 (2008)
Saatzeitpunkt ist entscheidend
Getreideversuche 2008: sortentypische Bestandesführung
Winterweizen ist bezüglich des Saattermins flexibler als Wintergerste oder Roggen. Der normale Saatzeitpunkt liegt zwischen Mitte und Ende Oktober. So geht der Weizen im 4- bis 5-Blatt-Stadium oder zu Beginn der Bestockung in den Winter.Im Versuch sortentypische Bestandesführung Brotweizen des Forums Ackerbau wurden die Auswirkungen von Saatzeitpunkt, Saatdichte und N-Düngung auf den Ertrag und die Qualität von drei verschiedenen Weizensortentypen untersucht (siehe Beschrieb Anbauverfahren). Der frühe Saattermin Anfang Oktober brachte gegenüber der späten Saat Ende Oktober einen um 5 bis 10 Prozent höheren Ertrag. Der früh gesäte Weizen wies über die drei Versuchsjahre durchschnittlich einen Ertrag von 78,3 kg/a auf, jener von Ende Oktober 73,5 kg/a. Dieser Ertragsunterschied aufgrund des Saattermins traf auch für jede Sorte (Runal nur ganz knapp), Saatdichte, Düngungsverfahren, Jahr und Standort zu.
Frühsaaten
Frühsaaten Ende September/Anfang Oktober haben den Vorteil, dass die Felder in gutem, trockenem Zustand bestellt werden können und die Saaten schnell und vollständig auflaufen. Dank der günstigen Säbedingungen kann die Saatmenge reduziert werden, was die Saatgutkosten tiefer ausfallen lässt. Auch im Versuch konnte die geringe Saatdichte (250 Körner/m2) einen ebenso hohen Ertrag mit 78,7 kg/ha erbringen wie die hohe Saatdichte (400 Körner/m2) mit 77,9 kg/ha.
Je früher die Saat, desto stärker bestockt der Weizen. Aber eine zu starke Bestockung kann zu einer zu hohen Bestandesdichte, einem unregelmässigen Abreifen und einer schlechten Ausbildung des Korns führen. Die vielen Bestockungstriebe sind zudem ertragsschwächer als die Haupthalme. Frühsaaten sind anfälliger auf Krankheiten (Braunrost, Mehltau, Septoria-Blattflecken, Fusskrankheiten). Durch die längere Vegetationszeit können sich auch die Unkräuter ideal entwickeln. Der Befallsdruck von Ungräsern wie Ackerfuchsschwanz und Windhalm ist deutlich höher. Eine Unkrautbekämpfung im Herbst ist daher sinnvoll und machbar. Im ÖLN sind Vorauflaufherbizide bis zum 10. Oktober einsetzbar. Nachauflaufbehandlungen sind gezielter und bis zum 31. Oktober möglich.
Im Frühjahr kann bei gut entwickelten Beständen die N-Startgabe auf 30 bis 40 kg/ha begrenzt werden. Eine bis zum Einoder Zweiknotenstadium hinausgezögerte zweite N-Gabe verhindert, dass allzu viele unproduktive Nebentriebe hochgezogen werden. Diese Düngungsstrategie bestätigen auch die Versuchsresultate. Das schossbetonte Düngungsverfahren B schnitt mit 79,4 kg/ha leicht besser ab als das bestockungsbetonte Düngungsverfahren A mit 77,3 kg/ha. Die Kombination geringe Saatdichte und schossbetonte Düngung machte das Rennen.
Spätsaaten
Ende Oktober oder im November gesäter Weizen wird häufig weniger von Krankheiten befallen. Je später die Saat, desto kürzer werden die Pflanzen und desto dünner sind die Bestände, was wiederum eine geringere Gefahr für Lagergetreide bedeutet. Die oft ungünstigen Säbedingungen ziehen einen geringen Feldaufgang nach sich. Nicht selten bleiben die Bestände lückig. Zudem haben die Pflanzen ein schwächeres Wurzelsystem und es werden weniger Ertragsanlagen ausgebildet. Die geringe Saatdichte (250 Körner/m2) brachte im Versuch einen Ertrag von 72,7 kg/ha und die hohe Saatdichte (400 Körner/ m2) 74,3 kg/ha. Bei später Saat führt eine geringe Saatdichte meist zu einer geringen Ährendichte (477 Ähren/m2). Die hohe Saatdichte wies eine Ährendichte von 522 Ähren/m2 auf. Deshalb lohnt es sich bei schlechten Bedingungen und später Saat, die Saatmenge zu erhöhen. Die Düngungsverfahren hatten keinen Einfluss auf den Ertrag.
Qualität
Das Hektolitergewicht zeigte kaum Unterschiede über die Verfahren. Einzig die Werte der Saat Anfang Oktober waren leicht höher als jene der Saat Ende Oktober. Die Sorte Zinal schloss mit 81,9 kg/hl am besten ab, gefolgt von Levis und Runal.
Bei der Saat Ende Oktober wurden leicht höhere Proteingehalte gemessen als bei der frühen Saat. Analog der Klasseneinteilung waren sie bei Runal (14,9%) höher als bei Zinal (13,7%) und Levis (13,4%).
Sortentypen
Weder die Sorte Levis noch Runal reagierten im Versuch auf die sortentypische Düngung. Vermutlich besitzt der Weizen ein starkes Selbstregulierungsvermögen, um verschiedene Bewirtschaftungsmassnahmen auszugleichen.
Fazit und Empfehlung
Der Saatzeitpunkt spielt eine wichtigere Rolle als die sortentypische Düngung. Saaten Anfang Oktober bringen geringfügig mehr Ertrag als späte Saaten.
Falls Winterweizen intensiv produziert wird, ist eher in der ersten Oktoberhälfte zu säen. So kann die Saatmenge reduziert und Saatgutkosten eingespart werden. Beim Pflanzenschutz sollte die Unkrautbekämpfung im Herbst eingeplant sowie Fungizide als auch Halmverkürzer eingesetzt werden. Im Extenso-Anbau ist der normale Saatzeitpunkt zwischen Mitte und Ende Oktober vorzuziehen, denn die höhere Krankheitsanfälligkeit, die tiefere Standfestigkeit und die damit verbundenen zusätzlichen Pflanzenschutzkosten sowie der Extenso-Beitrag sprechen gegen eine Frühsaat.
BBZ Arenenberg, Lydia Frey
Anbauverfahren 2006 bis 2008
Anbautechnik: Streifenversuche mit 1 bis 2 Wiederholungen.
Standorte: Frauenfeld TG (Arenenberg), Birrfeld AG, Gränichen AG (Liebegg). Sorten: Runal (Bestandesdichtetyp), Levis (Einzelährentyp), Zinal (Kompensationstyp).
Saatzeitpunkte: Anfang und Ende Oktober.
Saatdichte: 250 und 400 Körner/m2.
Düngung:Verfahren A: Bestockungsbetont: 60 kg N/ha als Startgabe, 50 kg N/ha als zweite Gabe, 40 kg N/ha als dritte Gabe.
Verfahren B: Schossbetont: 30 kg N/ha als Startgabe, 70 kg N/ha als zweite Gabe, 50 kg N/ha als dritte Gabe.
Übrige Bestandesführung: betriebsüblich (ÖLN).
