Ausgabe Nummer 38 (2008)
Salat ist nicht gleich Salat
Sortenversuche auf dem Bio-Jungpflanzenbetrieb der Familie Beat Jud in Tägerwilen
Die Sortenversuche mit 171 Salatsorten soll den Salatproduzenten neue Trends für die Zukunft aufzeigen. Falscher Mehltau und Blattläuse fordern die Züchter immer wieder aufs Neue.Bereits zum vierten Mal lud der Bio-Jungpflanzenbetrieb von Beat Jud, Tägerwilen, zusammen mit dem Bildungs- und Beratungszentrum (BBZ) Arenenberg, Salatbauern zum Versuch mit 171 Salatsorten ein. «Die Züchtungen und die daraus folgende Sortenvielfalt ermöglicht es den Salatproduzenten, den Konsumentenwünsche zu folgen und das ?Beste? für die Kunden zu finden und anzubauen», erklärte Peter Konrad, Leiter Fachstelle Gemüse und Beeren am BBZ Arenenberg. Jud liefert jährlich rund 30 Millionen Jungpflanzen an Salatproduzenten aus der ganzen Schweiz.
Hoher Pro-Kopf-Konsum
Rund 18 Prozent des Gemüsekonsums in unserem Land werden mit Salaten wie Cicorino-Arten, Eisberg Krachsalaten, Batavia, Endivienformen, Kopfsalate, Eichenlaub und Kraussalate, Lattich-Arten, Schnittsalate, Zuckerhut und Nüsslisalate versorgt. Nach Konrads Aussagen beträgt der Pro-Kopf-Konsum in der Schweiz im Jahr rund 15 Kilogramm Salate. 60 Prozent dieser Salate wachsen in der Schweiz. 40 Prozent werden vor allem in den Wintermonaten importiert. Der Salatkonsum habe sich in der Schweiz in den letzten zehn Jahren stark verändert. 50 Prozent der Salate werden heute ausser Haus gegessen oder als «Convenience» aufbereitet verspeisst. Mit neuen Züchtungen wie BellaGio kann mit nur einem Schnitt über den Strunk die Salatblättchen geschnitten werden, was den Arbeitsaufwand erleichtert und vor allem für Convenience-Produkte wichtig sei. Die wichtigsten fünf Sorten Eisberg- und Krachsalate (30 Prozent), Kopfsalate und Endivien (je 20 Prozent sowie Zuckerhut und Cicorino-Arten (je 7 Prozent) machen 85 Prozent des Konsums aus.
Resistenzzüchtung gegen Pilzkrankheiten und Blattläuse
Die beiden Berater Bernhard Wullinger, Syngenta, und Heiner Werum, Seminis/ Monsanto, stellten fest, dass die Züchtung von Pflanzen uralt sei. Die heutige Pflanzenzüchtung beschäftige sich in erster Linie mit arttypischen Eigenschaften, um einerseits marktkonforme Produkte zu finden, andererseits werde auch der Gärtnerwunsch nach einer höchstmöglichen Anbausicherheit befriedigt. Als konkretes Züchterziel nennen die beiden Berater bei Salaten Resistenzzüchtung gegen die Pilzkrankheit Falscher Mehltau. In der Praxis könne sich der Pilz relativ schnell anpassen und sich so verändern, dass er die Resistenz überwinden könne. Die Züchtung müsse deshalb immer neue Sorten mit entsprechenden Resistenzen entwickeln, was mit viel Zeit und Züchtungsaufwand verbunden sei. Ein weiterer Feind der Salate seien Blattläuse. Die grüne Pfirsichblattlaus sei besonders heimtückisch, weil sie sich im Kopf der Salate verstecke und dort nicht mehr bekämpft werden könne. Bisher wurden erfolgreich Sorten mit einer Resistenz gegen diese Blattläuseart angebaut. Nun sei aber ein neuer Typ der gleichen Blattlaus unterwegs und befalle auch bisher resistente Salatsorten, was weitere Arbeit für die Züchter bedeute.
Mario Tosato

Bernhard Wullinger (l.) und Peter Konrad stellen die neue Züchtung BellaGio vor. Dabei können die Salatblättchen mit einem Schnitt über dem Strunk gelöst werden. (tos)
