Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
2. August 2019


Schädlingen nachhaltig Praoli bieten

Ausgabe Nummer 19 (2019)

Das Monitoring der Gemüseschädlinge im Tägermoos ist Teil des bundesweiten Frühwarnsystems, welches den Produzenten ermöglichen soll rechtzeitig und nach dem Schadschwellenprinzip Pflanzenschutzbehandlungen in ihren Gemüsebeständen durchzuführen.

Mit der letzten Auswertung wurde die Schadschwelle bei der Lauchmotte nun deutlich überschritten, sodass ab jetzt eine intensive Kontrolle der Lauchbestände auf Frassspuren der Raupen empfehlenswert ist.
Auch die Fangzahlen der Kohlfliege steigen an und weisen auf den nahenden Flughöhepunkt der ersten Generation hin.
Bedingt durch den milden Winter sind die Kohlmottenschildläuse und die Mehlige Kohlblattlaus mit einer starken Ausgangspopulation vertreten und für eine anstehende Massenvermehrung gut gerüstet. Verschiedene Blattlausarten nehmen nun in einigen Gemüsekulturen deutlich zu.
Vor dem Hintergrund stetig weniger werdender Zulassungen bei den noch verfügbaren Wirkstoffen und der Tatsache, dass vermehrt Resistenzen bei Schädlingen gegen zugelassene Mittel bekannt werden, muss für die Zukunft über alternative Ansätze zur Schädlingskontrolle nachgedacht werden. Die Gestaltung einer weiten, angepassten Fruchtfolge als vorbeugende Massnahme sollte selbstverständlich sein. Weiterhin kann aber auch mittels Nützlingsförderung aktiv vorbeugend eingegriffen werden.
Zu den wichtigsten natürlichen Gegenspielern der Lauchmotte, aber auch vieler anderer Gemüseschädlinge zählt eine Schlupfwespe (Diadromus pulchellus). Diese kann, sofern sie rechtzeitig und in ausreichender Zahl vorhanden ist, die Massenvermehrung der Schädlinge derart einschränken, dass Restschäden bedeutungslos sind.
Wie schaffen wir es nun aber, dass sich die Schlupfwespen rechtzeitig im «Einsatzgebiet» einfinden, sich dort in ausreichender Zahl vermehren und einen Unterschlupf vorfinden, der es ihnen ermöglicht die gesamte Vegetationsperiode über dort zu verbleiben? Der Schlüssel zu dieser Frage liegt in einer für die Nützlinge attraktiven Umgebungsflora, die auch den adulten Insekten ausreichende Nahrungsquellen und Eiablagemöglichkeiten bereitstellt. Leider findet sich solch geeigneter Bewuchs nur mehr selten in unserer intensiv genutzten Landschaft.
Abhilfe schaffen hierbei Blühstreifen mit einer massgeschneiderten Zusammensetzung an Arten, die sich besonders als Habitatpflanzen für Nützlinge eignen, aber gleichzeitig für die Schädlinge unattraktiv sind. Als schmaler Streifen direkt neben der Zielkultur angesät, dienen die Blühstreifen als Operationsbasis für die Schlupfwespen, die dann nicht nur die Lauchmottenlarven, sondern auch eine Vielzahl anderer Schädlinge parasitieren und damit eine Massenvermehrung verhindern können.
Blühstreifen für Nützlinge werden vom Bund im Rahmen der Biodiversitätsförderung mit 2500 Fr. / ha und Jahr entschädigt. Diese Flächen können für den ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) angerechnet werden, müssen aber vor dem 15. Mai angesät sein. Nähere Informationen hierzu können der «Wegleitung Biodiversitätsförderung auf dem Landwirtschaftsbetrieb» der Agridea entnommen werden.
Mehrere Institutionen arbeiten derzeit an der Erforschung der Lebensweisen verschiedener Nützlingsarten und können aus diesen Erkenntnissen die optimale Zusammensetzung der Saatmischungen ableiten.
So wurde beispielsweise an der Leibniz Universität Hannover in einem dreijährigen Projekt der «Hannover Mix» entwickelt, der speziell die Antagonisten der Schädlinge in Kohlarten fördern soll.
Diese und die Blühmischung «UFA Nützlinge Kohlanbau » stellt das BBZ Arenenberg im Rahmen der Gemüsebauversuche auf dem Gutsbetrieb Brunnegg bei Kreuzlingen exemplarisch vor.
Die Blühstreifen werden auch am Arenenberger Ackerbautreff am 17. Mai nachmittags auf der Brunnegg vorgestellt. Weiterhin wird an diesem Anlass auch das Pflanzverfahren von Blumenkohlsetzlingen in Kombimulch vorgeführt. Die Vorführung ist gratis und findet am frühen Nachmittag im Anschluss an das Ackerbauprogramm statt.


Philipp Trautzl
Fachstelle Gemüse- und Beerenbau TG / SH
BBZ Arenenberg







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