Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Scheunendächer sind begehrt

Ausgabe Nummer 40 (2015)

Landwirte sind je länger je mehr gefragte Unternehmer für die Stromproduktion. An der Veranstaltung von Pro Zürcher Berggebiet stellten verschiedene Unternehmen ihre Angebote vor.

Als Ernst Kocher, Präsident des Vereins Pro Zürcher Berggebiet (PZB) vor sieben Jahren seine Photovoltaikanlage aufs Scheunendach montierte, kostete ein einzelnes Modul noch 1355 Franken. «Heute kostet ein noch leistungsfähigeres Modul 250 Franken», erklärte er am Mittwochabend im Gasthaus Blume in Fischenthal den rund 30 anwesenden Landwirten. Deshalb erachte er eine Investition in diesen erneuerbaren Energiezweig, gerade auch für landwirtschaftliche Betriebe, als sinnvoll und zukunftsweisend. Diese Meinung vertrat auch Geschäftsführer Michael Dubach und deshalb sei dies bereits die zweite Infoveranstaltung, zu welcher der PZB einlade. Bereits hätten sich 32 Interessierte für eine vergünstigte Erstberatung angemeldet, was für den Verein überaus erfreulich sei. «Wir bieten Ihnen eine umfassende, unabhängige Beratung und zeigen ihnen ihre Möglichkeiten auf», warb Dubach in eigener Sache.

Es ist ein Kapitalgeschäft
Christian Wolf von der thurgauischen Firma MBR Solar AG erklärte den Anwesenden, dass der geeignete Standort, das Kosten-/Nutzenverhältnis und der Einspeisevertrag oder der Eigenverbrauch massgeblich für die Wirtschaftlichkeit verantwortlich seien. Für ihn ist der Entscheid zu einer Photovoltaikanlage ein Kapitalgeschäft und sollte deshalb gut abgeklärt werden. Er rät den Interessierten zu vergleichen, ob die Dachvermietung, selbstverständlich nur an einen seriösen Partner, oder eine Anlage zum Eigenverbrauch, die ertragsreichere Lösung sein könnte. Wer viel eigenen Strom benötigt, sei mit einer eigenen Anlage besser bedient, denn der eigene Strom sei immer günstiger als jener vom EW. Hingegen sei dies bei Betrieben mit Milchwirtschaft oft nicht der Fall, besser fahren hier die Betriebe mit Geflügeloder Schweinezucht oder allenfalls Betriebe mit Gemüseanbau.

KEV ist ein Auslaufmodell
«Bei Neubauten und Flachdachsanierungen ist eine Photovoltaikanlage ein Muss», erklärte Thomas Gnos von der Solargenossenschaft Bauma. Bei ihnen seien Interessenten mit gut positionierten Dächern, auch ohne eigenes Investitionskapital willkommen. Ihr Ziel, für die Zukunft sichere, nachhaltige Energie zu produzieren, die kalkulierbare Kosten verursacht und als Geldanlage attraktiv sei, konnte die Genossenschaft seit 20 Jahren einhalten. Er rät, beim Eigenverbrauch ohne bauliche und technische Massnahmen einen Wert von 60 Prozent anzustreben, alles andere sei unattraktiv. Seines Erachtens müsse eine Anlage 30 Jahren halten.
Auch die beiden kantonalen Elektrizitätswerke Zürich (EKZ) und Thurgau (EKT) waren mit ihren Verantwortlichen vor Ort und warben in ihrer eigenen Sache. So bekräftigte Werner Ehrismann vom EKZ, dass Planung, Gebühren und die Installation der Anlagen von ihnen übernommen werden und auch die Wartung und Instandhaltung über die gesamte Vertragsdauer von 25 Jahren gewährleistet sei.
Daniel Stüssi vom EKT warb mit der Einmalzahlung bei Mietbeginn, die das EKT den Kunden anbietet. Die Mietdauer liegt beim EKT bei 30 Jahren.
Alle Referenten waren sich einig, dass die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) von einem Marktmodell abgelöst wird und deshalb die Abklärungen noch umfassender angegangen werden müssen, um rentabel zu wirtschaften. Etwas ganz anderes bietet der Verein Waldsolar an, indem er Anteilscheine an den gemeindeeigenen Solaranlagen vermarktet. Die Bilanz, dass bereits Anteilscheine für 122 000 Franken verkauft wurden ist zukunftsweisend, dass hingegen nur 20 Personen an der Sache partizipieren und das Durchdringen in der Bevölkerung schwierig sei, müsse momentan akzeptiert werden, so Lukas Karrer von Waldsolar.


Ruth Bossert




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