Ausgabe Nummer 14 (2007)

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Schleppschlauchverteiler im überbetrieblichen Einsatz

Bonau, zwei Nachbarn spannen bei der Hofdüngerausbringung mit Schleppschlauchverteiler zusammen.

Hansjörg Uhlmann und René Utzinger bringen ihre Gülle seit 2004 mit Fass und Schleppschlauchverteiler gemeinsam aus. Mit einer Auslastung von rund 4000 m3 pro Jahr können die Ausbringungskosten stark reduziert und das Fass mit Schleppschlauchverteiler wirtschaftlich eingesetzt werden.

«Die Reduktion der Ammoniakemission respektive die bessere Ausnutzung des Stickstoffs (N) sowie vom Wetter unabhängiger zu sein, war für uns die Motivation für die Anschaffung eines Schleppschlauchverteilers », erklärt Uhlmann. Der Grund für das Zusammenspannen waren die hohen Investitionskosten für ein Fass mit Schleppschlauchverteiler. Utzinger stand vor dem Kauf eines neuen Fasses. «Offerten in der Höhe von Fr. 70 000.? für ein 10 000-l-Fass mit einem 10,5 m breiten Schleppschlauchverteiler bewogen mich dazu, mit Uhlmann die Zusammenarbeit zu suchen», sagt Utzinger. Uhlmann hatte bereits ein 10 700-l-Fass, das Fr. 30 000.? gekostet hat. Die beiden Nachbarn einigten sich darauf, dass Utzinger die Kosten von auch fast Fr. 30 000.? für den Aufbau des Schleppschlauchverteilers an das Fass übernahm und beide die Maschine benutzen können. Durch die Zusammenarbeit konnten also bereits die Investitionskosten gesenkt werden.

Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit ist nicht mit einem schriftlichen Vertrag geregelt. Da beide Landwirte etwa gleich viel Jauche ausbringen und beide gleich viel Kapital in die Maschinen investiert haben, wird auch auf eine jährliche Abrechnung verzichtet. Obwohl mit der Maschine mit 4000 m3 viel Gülle ausgebracht wird, kommen die beiden Landwirte gut aneinander vorbei. Erstens funktioniert die zeitliche Organisation sehr einfach, weil Uhlmann einen Heu- und Utzinger einen Silobetrieb führt, und somit die Düngzeitpunkte nicht zusammentreffen. Zweitens ist man beim Schleppschlauchverteiler aufgrund der höheren Wetterunabhängigkeit viel flexibler im Einsatz.

Die Wirtschaftlichkeit ist gegeben
Die hohe Auslastung infolge der Zusammenarbeit senkt die fixen Kosten pro Kubikmeter ausgebrachter Gülle und macht es möglich, den Schleppschlauchverteiler wirtschaftlich einzusetzen. Im ART?Bericht Nr. 617 (ehemals FAT-Bericht) wird ausgewiesen, dass bei einer Auslastung von 4000 m3/Jahr der Schleppschlauchverteiler gegenüber einem Möscha-Schwenkverteiler 41 Rappen pro m3 mehr kostet. Wird allerdings die N-Emissionseinsparung quantifiziert, so stellt man fest, dass pro m3 ausgebrachter Gülle 42 Rappen eingespart werden können (Berechnung auf Basis Ammonsalpeter 27,5 Prozent mit einem Richtpreis von Fr. 43.50/100 kg, Januar 2007).

Hoher Strohanteil führte zu Problemen
Die ersten Erfahrungen mit dem Schleppschlauchverteiler waren nicht problemlos. Die Gülle von Uhlmann hat aufgrund der Tiefbettstrohmatratzen des Laufstalles einen sehr hohen Strohanteil. Dies führte anfangs zu Verstopfungen im Verteilerkopf. Beim Kauf des Schleppschlauchverteilers haben sich die beiden Landwirte aber ein kostenloses Rückgaberecht einbedungen, falls der Schleppschlauchverteiler nicht einwandfrei funktioniert. Dadurch musste die Firma den Verteiler umbauen, bis die Funktion problemlos gegeben war. «Jetzt würden wir den Verteiler nicht mehr hergeben, die Vorteile überwiegen», sagt Utzinger.
Uhlmann, Landwirt und Präsident des Thurgauer Verbandes für Landtechnik, rät den Landwirten, beim Kauf eines Schleppschlauchverteilers ein vertraglich geregeltes, kostenloses Rückgaberecht zu fordern. «Denn die Wahl des passenden Schleppschlauchverteilers ist schwierig; nicht jeder Schleppschlauchverteiler eignet sich für strohreiche Gülle», führt der engagierte Landwirt aus.

BBZ Arenenberg, Michael Dubach


Die formlose Zusammenarbeit ergibt automatisch eine einfache Gesellschaft

Dadurch, dass Utzinger und Uhlmann das Fass mit dem Schleppschlauchverteiler überbetrieblich einsetzen, bilden sie automatisch eine einfache Gesellschaft (Art. 530ff. OR). Die Definition dieser Personengemeinschaft lautet folgendermassen: Eine einfache Gesellschaft bilden zwei oder mehrere Personen, die sich zu einem gemeinsamen Zweck verbinden, sofern keine andere Rechtsform vorliegt. Die meisten überbetrieblichen Zusammenarbeiten im Landwirtschaftssektor werden in Form einer einfachen Gesellschaft geführt. Oft bilden Landwirte eine einfache Gesellschaft, ohne sich dessen bewusst zu sein. Da die Partner einer einfachen Gesellschaft aber persönlich und solidarisch haften, kann diese Ahnungslosigkeit unangenehme Folgen haben. Um mögliche Konflikte zu vermeiden, ist eine Regelung der Zuständigkeiten und eine faire Abrechnungsart unerlässlich. Deshalb ist es empfehlenswert, die wichtigsten Punkte einer Zusammenarbeit schriftlich festzuhalten.
Es sind dies insbesondere:
? Zuständigkeiten,Kompetenzen
? Vermietung an Dritte
? Verteilung der Anschaffungskosten, Gutschriften,Abrechnung
? Auflösung

Verträge können beim BBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik bezogen werden.
(Quelle: Rechtsformen und Landwirtschaft, 2004, Agridea)


Uhlmann und Utzinger verwenden an ihrem Fass einen Verteiler, den sie auch im Soloeinsatz
an der Verschlauchung nutzen können. (HU)
Uhlmann und Utzinger verwenden an ihrem Fass einen Verteiler, den sie auch im Soloeinsatz an der Verschlauchung nutzen können. (HU)