Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Schlummernde Ideen zum Leben erwecken

Ausgabe Nummer 5 (2016)

Interview mit Werner Ibig betreffend die Zukunftskonferenz

Am kommenden Freitagabend und Samstag findet in der Hörnlihalle in Dussnang die Zukunftskonferenz statt. Eingeladen ist die Bevölkerung der Gemeinden Bichelsee-Balterswil und Fischingen. Dazu ein Interview mit Werner Ibig.

Werner Ibig, bei Ihnen laufen die Fäden der Zukunftskonferenz zusammen, weshalb organisieren Sie diese Grossveranstaltung?
Wir arbeiten seit drei Jahren am Projekt Regionale Entwicklung Tannzapfenland, in das auch Bund und Kanton involviert sind. Im ersten Anlauf haben wir vorwiegend landwirtschaftliche Themen behandelt. Für die Regionalentwicklung braucht es eine breitere Basis als wir sie haben. Wir suchen deshalb Menschen, die mit uns zusammen überlegen, wie Lebensqualität und Wirtschaftskraft in unseren Gemeinden weitentwickelt werden können, damit sie als Lebensraum attraktiv bleiben und noch attraktiver werden.

Vor drei Jahren wurde der Verein PRE Tannzapfenland gegründet. Was hat man bereits gemacht?
Wir haben bei Bund und Kanton Ende 2013 das Vorabklärungsdossier eingereicht mit Schwerpunkt Milchwirtschaft und Milchverarbeitung. Dazu gab es eine Aussprache mit den Ämtern im Februar 2014. Dabei wurde die Wichtigkeit der Entwicklung unserer Region anerkannt, aus verschiedenen Gründen aber eine Denkpause vereinbart. Diese soll genutzt werden, um den Gedanken der Regionalentwicklung weiter zu verbreiten und zu verankern, wozu eben die Zukunftskonferenz eine gute Methode ist.

Fast gleichzeitig hatte der Gemeindeverbund Pro Zürcher Berggebiet, bei welchem die Gemeinden Bichelsee-Balterswil und Fischingen mitmachen, die Idee zum Regionalen Naturpark (RNP). Wie sind diese beiden Projekte ineinander verflochten?
Das PRE Tannzapfenland wird durch die Aktivitäten RNP nicht gebremst. Es wird geprüft, welche Entwicklungen besser über PRE und welche besser über RNP gesteuert und unterstützt werden. Kommt der RNP zustande, der thematisch sehr weit offen ist, ist es denkbar, die Aktivitäten des PRE in den RNP zu integrieren. Bei beiden Projekten geht es um Entwicklungspotenziale, zu deren Umsetzung finanzielle Mittel des Bundes zur Verfügung stehen.

Weshalb will man die Bevölkerung, aber auch das Gewerbe, die Landwirtschaft und die Dienstleistungsbetriebe dabei haben?
Ob man sich schliesslich für den Naturpark oder ein PRE entscheidet, es braucht Initiativen und Aktivitäten von der Landwirtschaft, dem Gewerbe und dem Tourismus. Ohne Menschen, die letztlich Projekte anreissen und umsetzen, gibt es keine Entwicklung. Mit der Zukunftskonferenz möchten wir zu Aktivität ermuntern.

Sie wollen die gemeinsame Zukunft der Region gestalten. Das ist ein sehr hoch gestecktes Ziel. Was kann man sich konkret vorstellen?
Die Landwirtschaft in unserer Region ist prädestiniert, Milch und Fleisch zu produzieren. So wie die Landwirtschaft unserer Region das Gesicht gibt, kann unsere intakte Naturlandschaft den Produkten ein Gesicht geben von Natürlichkeit, Unverfälschtheit und Gesundheit. Das Label «Naturpark» unterstützt die Vermarktung.

Wie wird an der Zukunftskonferenz gearbeitet?
Die Teilnehmenden werden gut informiert, damit sie wissen, wozu sie ihre Arbeit machen. Sie sollen ihre Ideen und Vorstellungen zu möglichen Projekten formulieren und diskutieren, die unsere Gegend als Lebens- und Wirtschaftsraum weiter bringen. Es wird also Aktivität erwartet, denn es geht auch darum, die Umsetzung von Ideen zu skizzieren. Das geschieht in Gruppenarbeiten, die allen zugänglich gemacht werden. Schön wäre, wenn sich drei bis fünf Themen herauskristallisieren würden, deren Weiterbearbeitung konkrete Formen hat. Professor Stefan Forster von der ZHAW ist gewandt im Umgang mit dieser Methode.

Wie geht es dann weiter?
Die ZHAW wird die Ergebnisse zu einem Bericht zusammenfassen, über den wir dann informieren. Anhand dieses Berichts können die Gemeinden und der Verein PRE überlegen, was nun weiterverfolgt werden soll. Auch die Abklärungen für einen Regionalen Naturpark können von den Ergebnissen profitieren. Es wird aber sicher mehr Ideen geben, als man umsetzen kann.

Weshalb glauben Sie, dass jede Stimme wichtig ist?
Mitreden ist ein gutes Mittel gegen Resignation, wenn man nicht den Anspruch hat, dass jeder Beitrag bereits die Welt verändert. Im Rahmen der Zukunftskonferenz gibt es Möglichkeiten zum Austausch unter aktiven Menschen. Das bereichert, spornt an, weitet den Horizont. Es gibt oft schlummernde Ideen und Potenziale, die im Gedankenaustausch erkannt und dann umgesetzt werden.


Interview: Ruth Bossert







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