Ausgabe Nummer 46 (2005)
Schmerzhafte Eingriffe: Frühkastration und Enthornen
Information zum Theoriekurs «Kastration und Enthornung»
Schmerzhafte Eingriffe: Frühkastration und Enthornen
Schmerzhafte Eingriffe wie das Enthornen und das Kastrieren von Kälbern sowie das Kastrieren von Lämmern dürfen gemäss Tierschutzverordnung nur unter Schmerzausschaltung (Betäubung) vorgenommen werden. Die neue Tierarzneimittelverordnung schreibt in Art. 8 vor, dass Tierarzneimittel (TAM) zur Schmerzausschaltung nur an Tierhalterinnen oder Tierhalter abgegeben werden dürfen, wenn diese einen von den Bundesämtern für Landwirtschaft (BLW) und Veterinärwesen (BVET) anerkannten Kurs zum Durchführen solcher Eingriffe besucht haben und sich über einen Kursbesuch ausweisen können.
Die Agroberatung Thurgau, das LBBZ Arenenberg und die Gesellschaft Thurgauer Tierärzte in Zusammenarbeit schreiben Theoriekurse aus (siehe Rubrik Veranstaltungen und Kurse, «Kurse Kas-tration und Enthornung») für jene Tierhalterinnen und Tierhalter, die ab 2006 Frühkastrationen bei männlichen Lämmern in den ersten zwei Lebenswochen bzw. Enthornungen und Frühkastrationen bei Kälbern in den ersten drei Lebenswochen unter Schmerzausschaltung selber durchführen wollen.
Der theoretische Kursstoff für das Frühkastrieren von Lämmern beziehungsweise für das Frühkastrieren und Enthornen von Kälbern wird von Tierärzten vermittelt. Er beinhaltet Rechtsgrundlagen der Tierschutz- und Tierarzneimittelverordnungen, Grundkenntnisse der relevanten, anatomischen Strukturen, Notwendigkeit und Nutzen der Schmerzausschaltung, Verhinderung vermeidbarer Schmerzen, sorgfältiger Umgang mit dem Lokalanästhetikum und korrekte Buchführung über die verwendeten Tierarzneimittel. Wer die theoretischen Grundlagen im Kurs erlernt hat, wird in einem nächsten Schritt unter Anleitung und Aufsicht seiner Bestandestierärztin oder seines Bestandestierarztes während eines angemessenen Zeitraums an seinen eigenen Tieren den Eingriff und insbesondere die richtige Durchführung der Lokalanästhesie üben, bis die dazu benötigte Routine erworben ist.
Tierhaltende, die ihre Lämmer und Kälber selber lokal betäuben und kastrieren sowie Kälber enthornen wollen, müssen ab dem 1. Januar 2006 einen solchen vom Bundesamt anerkannten Kurs erfolgreich absolviert haben.
Tierärzte sind in die Verantwortung eingebunden
Der Einbezug der Bestandestierärzte in den Kurs ist notwendig, da Tierarzneimittel (TAM) und damit die Lokalanästhetika im Rahmen der Tierarzneimittelvereinbarung nur vom eigenen Bestandestierarzt bezogen werden dürfen. Inbegriffen bei der Abgabe von TAM ist immer eine unmissverständliche Anwendungsanweisung. Um das mit dem Kurs angestrebte, einheitliche Ausbildungsniveau sicherzustellen, wird die erworbene, praktische Fähigkeit schlussendlich auf dem Betrieb des Tierhalters durch einen vom Kantonstierarzt beauftragten, amtlichen Tierarzt überprüft. Für diese Überprüfung ist mit weiteren Kosten nicht unter 100 Franken zu rechnen.
Für wen ist der Kurs sinnvoll
Eine gute Schmerzausschaltung ist nicht so einfach zu bewerkstelligen, aber sehr wichtig und ist absolute Voraussetzung für diese Eingriffe. Um zu gewährleisten, dass die notwendige Übung erreicht wird und diese dann auch erhalten bleibt, ist der Kurs nur für Tierhaltende mit grösseren Betrieben sinnvoll. Die Tierhaltenden müssen jedenfalls den Tatbeweis erbringen, dass sie diese an sich tierärztlichen Tätigkeiten wirklich beherrschen und korrekt ausführen können. Jede Tierhalterin oder jeder Tierhalter muss es sich demnach für sich selber überlegen, ob sich für sie oder ihn die Zeit und die Kosten für einen solchen Kurs rechnen lassen oder ob die Schmerzausschaltung nicht generell dem Tierarzt oder der Tierärztin überlassen werden soll.
Tierhaltende müssen sich bewusst sein, dass der Umgang und das Lagerhalten mit Schmerz- und Beruhigungsmitteln und deren Lagerung als Vorrat nicht problemlos sind und dass sich das Ganze in einem in der Wahrnehmung der Konsumenten sehr sensiblen Bereich abspielt. Fehlverhalten wird sich schlecht auszahlen. Es belastet nicht nur das Tier, sondern schadet dem Image der ganzen Branche.
