Ausgabe Nummer 7 (2006)

zurück zur Übersicht

Schweinebranche: Informationen aus erster Hand

Suisseporcs fordert eine schrittweise Senkung der Schwellenpreise

Schweinebranche: Informationen aus erster Hand

An der Schweinefachtagung 2006 informierten sich rund 200 Schweinehalter aus der Ostschweiz über Zucht, Mast und Marktaussichten.


Gegen 200 Schweinehalter haben
sich für die Schweinefachtagung
2006 angemeldet. (tos)
Gerade in der heutigen Zeit sei es wichtig, dass Schweinehalter sich über das Neuste in Zucht und Mast orientieren. Wichtig sei aber auch, dass man wisse, was in der Agrarpolitik und auf dem Markt gesche-he, erklärte Konrad Höhener, Landwirtschaftliches Zentrum St. Gallen, Rheinhof Salez, in seinem Grusswort an der Schweinefachtagung in Flawil.

Handelsliberalisierung anlog Käseabkommen

In seinem Eintrittsreferat skizzierte Nik-laus Neuenschwander, Leiter Sektion Fleisch und Eier, Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), die AP 2011, die bilateralen Verträge mit der EU und die Aussichten bei den WTO-Verhandlungen. Neuenschwander glaubt, dass im Kern die gesetzlichen Rahmenbedinungen für den Fleischmarkt unverändert bleiben. Er erwartet tiefere Schwellenpreise für Futtergetreide als Beitrag zur Senkung der Kosten in der Fleischproduktion. WTO II führe im Fleischsektor (Produktion, Schlachtung, Verarbeitung, Detailhandel) zu starkem Preisdruck. Neue Marktzutrittsforderungen stehen im Rahmen diskutierter Freihandelsabkommen an; gefragt seien daher Offensivinteressen der Fleischwirtschaft. Nach Neuenschwanders Ansicht soll die Handelsliberalisierung von Fleischerzeugnissen und Wurstwaren mit der EU analog dem Käseabkommen aktiv angegangen werden.

Keine Visionen für die Schweizer Schweineproduktion

Nach Meinung von Peter Hinder, Leiter Geschäftsbereich Frischfleisch und Mitglied der Geschäftsleitung der Micarna SA, sind Schlagworte wie «Deregulierung» und «Liberalisierung» wieder top-aktuell. Die Verunsicherung in der Fleischbranche sei entsprechend gross. Zurzeit sei die dreijährige Überführung der Fleischimporte vom System «Inland-nutzen» zum System «Versteigerung» erst im zweiten Übergangsjahr. Aktuell werden aber gleichzeitig Freihandelsgespräche mit der EU für landwirtschaftliche Güter geführt. Hinder bedauert, dass das politische Umfeld keine Visionen für die Schweizer Schweineproduktion aufzeige. Zu unterschiedlich seien die diskutierten Stossrichtungen. Innerhalb von nur wenigen Jahren sei von einer allzu moderaten Deregulierung bis hin zum Freihandel alles möglich. Dabei gehe es nicht nur um die Landwirtschaftspolitik, sondern um die gesamte Wertschöpfungskette im Nahrungsmittelbereich.

Kernforderung der Suisseporcs

In seinem Vortrag unterstrich Beat Wandeler, Suisseporcs, die starke Interessenvertretung seines Verbandes. So fordere Suisseporcs die Senkung der Produktionskosten mit einer schrittweisen Senkung der Schwellenpreise, der Zulassung von Parallelimporten und Anerkennung der EU-Normen. Wandeler forderte auch eine Erhöhung der Preistransparenz. Die Höchstbestandesverordnung sei ebenso aufzuheben wie die Beitragslimiten und – abstufungen. Zudem dürfe es bei der ÖLN keine Verschärfung geben, bekräftigte Wandeler. Weitere wichtige Themen an der Schweinefachtagung 2006 waren der Schweizerische Gesundheitsdienst, neue Erkenntnisse in der Fleischqualität und zukünftige Betriebsstrukturen. Xaver Sidler, Universität Zürich, orientierte über Clostridien, Kokzidiose, PIA, Circovirose-Vorbeugung und bekämpfung.

Mario Tosato