Ausgabe Nummer 23 (2005)

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Schweizer Frühkartoffeln neu entdecken

Neues Phasen-Vermarktungssystem erfolgreich eingeführt

Schweizer Frühkartoffeln neu entdecken

40 Produzenten aus der Region Thurgau – Schaffhausen hoffen, trotz wetterbedingter Ernteverspätung, bis Ende August 2400 Tonnen Frühkartoffeln auf den Markt zu bringen.

Mit modernsten Maschinen werden die Frühkartoffeln täglich frisch gegraben. (tos)

«Wer kennt sie noch, die feinen neuen Schweizer Frühkartoffeln frisch vom Feld? Wir möchten ihnen diese alte Spezialität, die am Markt zunehmend verdrängt wird, wieder in Erinnerung rufen», erklärte Peter Konrad, Leiter Gemüse- und Beerenbau am Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum (LBBZ) Arenenberg, an der Pressekonferenz auf dem Hof im Bodenacker von Hansjörg und Madeleine Grob, Schlattingen. Grob zählt zu den bedeutendsten Frühkartoffelproduzenten der Ostschweiz. Er pflanzt auf rund 12 Hektaren Frühkartoffeln an. Ein grosser Teil der Fläche wird unter Folien verfrüht. Für die Ausgrabung der Frühkartoffeln mietet Grob in jedem Jahr eine neue Erntemaschine. Die Frühkartoffeln müssen schonend verarbeitet werden, sind sie doch nach Grobs Aussagen schlagempfindlich und durch Sonnenbrand gefährdet. Als höchste Qualität gelten Frühkartoffeln mit einem Durchmesser von 30 bis 50 Millimetern.

Thurgau – Schaffhausen, eine der wichtigsten Anbauregionen

Wie Konrad erklärt, sind die Frühkartoffeln für viele Bauernfamilien eine wichtige Verdienstmöglichkeit, die eine spezielle Herausforderung im Anbau und in der Vermarktung darstellen. Die Region Thurgau – Schaffhausen sei in der Schweiz eine der wichtigsten Anbauregionen für Frühkartoffeln mit einem Produktionsmarktanteil von rund 20 Prozent. Als Frühkartoffeln gelten neuerntige Kartoffeln, die ab Mitte Mai bis Ende August auf den Markt gelangen. Diese Kartoffeln wurden im Februar und März gepflanzt und haben nicht im Boden überwintert. Nach Konrads Angaben können zurzeit wöchentlich zwischen 150 und 200 Tonnen feldfrische Frühkartoffeln, bester Qualität, den Konsumenten angeboten werden.

Neues Phasen-Vermarktungssystem eingeführt

Vor einigen Jahren sei der Start zur Frühkartoffelernte noch ein halbes Wettrennen gewesen, erinnert sich Daniel Erb, Vorstandsmitglied der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten (VSKP). In den letzten Jahren habe sich hier einiges verändert. Nach den WTO-Vereinbarungen musste die Schweiz den ausländischen Agrarproduzenten einen Marktanteil von mindestens 5 Prozent der Marktmenge 1995/1996 gewährleisten, was einem Importkontingent von 22500 Tonnen entspreche, wovon 6500 Tonnen Speisekartoffeln sind. Der Konsument habe sich schnell daran gewöhnt, ab Januar und Februar neue Kartoffeln aus Zypern, Israel und Marokko einzukaufen. «Unser Anliegen ist es, den Konsumenten die einheimischen, frisch geernteten, feinen Frühkartoffeln wieder in Erinnerung zu rufen», betonte Erb. In den letzten Jahren wurde zusammen mit den Grossverteilern ein neues Phasen-Vermarktungssystem eingeführt. Von Mai bis Mitte Juni werden inländische schalenlose, anschliessend bis Ende Juli inländische mehrheitlich schalenfeste und ab August schalenfeste Frühkartoffeln auf den Markt gebracht. Nach Ansicht von Erb hat sich dieses System bewährt, bringt aber den Produzenten einen Mehraufwand und eine Verzögerung der Frühkartoffelernte. Dafür bringe das neue System den Konsumenten und dem Handel eine bessere Qualität.

Mario Tosato