Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


Schweizer Kleewürfel anstatt ausländisches Soja

Ausgabe Nummer 5 (2018)

Anlässlich der ersten Generalversammlung des Vereins Swiss Green Protein stellte Bruno Ottiger vom BBZ Arenenberg Einsatzmöglichkeiten, Fütterungsbeispiele und Zusatznutzen von Kleewürfel vor.

Leider war die Beteiligung der ersten Generalversammlung des neugegründeten Vereins Swiss Green Protein bei der Agroscope in Tänikon gering. Dies hatte nichts mit dem Thema zu tun, viel eher war es der Freitagnachmittag vor den Skiferien, der viele Landwirte davon abhielt, die Versammlung und speziell das Referat von Bruno Ottiger zu besuchen. Nichts destotrotz äussersten sich die anwesenden Betreiber von Trocknungsanlagen sehr positiv zu einem neuen Betriebszweig, mit dem sie sich möglicherweise in den kommenden Jahren immer öfters beschäftigen werden. Für Bruno Ottiger, Berater am BBZ Arenenberg, ist der eiweisshaltige Weissklee eine sehr gute Alternative zum ausländischen Soja. Für ihn ist getrockneter Weissklee die Muschel der Futtermittel. Weisskleewürfel aus hochwertigen Kleebeständen verfügen über einen Proteingehalt von mindestens 20 %. Davon sind ungefähr 20 bis 30 % pansenstabil, was die Weisskleepellets zu einem hochwertigen Eiweissfuttermittel macht. Zusammen mit dem hohen Anteil an Betakarotin und den wertvollen Omega-3-Fettsäuren offenbart der Weissklee gleich drei Perlen, die sich Landwirte nicht entgehen lassen sollten, so Ottiger.

Einheimisches Futterprotein
Da der Sojaimport in den vergangenen Jahren enorm zugenommen hat suchen Produzenten, das BBZ Arenenberg, Bio Ostschweiz sowie Verarbeiter nach Alternativen. Versuche zeigen, dass sich der Anbau von einheimischen graslandbasierten Eiweissfuttermitteln lohnt. Hauptkomponente des neuen Eiweissfutters «made in Thurgau» ist Weissklee. Das geerntete Futter wird in einer Grastrocknungsanlage getrocknet und zu Pellets oder Würfel gepresst. Andy Vogel-Kappeler war einer der ersten, der Weissklee angebaut hat. Aus Überzeugung und weil ihm die Pionierarbeit gefällt. Zusammen mit Gleichgesinnten gründete er im vergangenen Jahr den Verein Swiss Green Protein und amtet als deren Präsident. Mit an Bord sind auch Daniel Fröhlich, Bioberater am BBZ Arenenberg, als Vertreter der Trocknungsanlagen Philipp Meier aus Märstetten sowie Köbi Büsser und Heinz Brauchli als Pelletkäufer, respektive Produzent. Der Verein ist zurzeit auf den Biolandbau fokussiert. Entsprechend hat man sich auch für ein Vereinslogo entschieden, das klar mit der Bioknospe gekoppelt ist. Wenn Grastrockungsanlagen Bio Weissklee verarbeiten wollen, können sie bis zu fünf Bioproduzenten ohne Zertifizierung bedienen. Bei mehr als fünf Lieferanten ist eine Biozertifizierung notwendig. Deshalb ist die Zusammenarbeit mit den Grastrocknungsanlagen sehr wichtig, erklärte Andy Vogel-Kappeler.

Fehlende Kapazitäten
Gemäss Bruno Ottiger befinde sich der Preis für Sojabohnen in einem Aufwärtstrend und es könne angenommen werden, dass der Sojapreis weiter zunimmt. Nicht nur aus ökologischen Gründen sei es deshalb wichtig, GVO-freies Grundfutter in der Region zu produzieren. Mit Grafiken zeigte Ottiger, wie sich die Milchharnstoffwerte bei Braunviehkühen im Jahresverlauf verändern. Er rät deshalb, den Kühen im Winter und im Frühjahr Proteine aus Weisskleewürfeln zu füttern. Eine nachhaltige Fütterung erreiche man, wenn immer das qualitativ wertvollste Gras getrocknet werde und so könne man die proteinreiche Nahrung dann geben, wenn die Tiere sie benötigen.
Die anwesenden Betreiber von Grastrocknungsanlagen gaben den Initianten zu bedenken, dass möglicherweise die Kapazitäten fehlen, den angewelkten Weissklee zu trocknen. Speziell im Herbst, wenn die Maisernten die Trocknungsanlagen besetzen. Andy Vogel-Kappeler ist sich der Problematik bewusst und hofft auf Innovationen in diesem Bereich.


Ruth Bossert










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