Ausgabe Nummer 4 (2008)
Schweizer Molkeschwein
Schweinefleisch besser vermarkten
«Schweizer Molkeschwein» soll für Schweinefleisch werben. Was steckt hinter dem neuen Namen?«Die Käsereischweinehaltung wurde stets ?stiefmütterlich? behandelt und hatte trotz der hohen Fleischqualität stets Mühe, sich in der Schweinehaltung einen Namen zu verschaffen», legte Christian Oberli, selbst Käser und Präsident der Interessengemeinschaft IG Molkeschwein, die Ausgangslage dar. Deswegen haben sich Käser und Fleischvermarkter an einen Tisch gesetzt und die IG-Molkeschwein gegründet (siehe im Internet: www.molkeschwein.ch).
«Ich behaupte, dass es das beste Schweinefleisch der Welt ist», lobte Kurt Wick, Inhaber der Wick AG, Thurgauer Fleischspezialitäten, an einer Pressekonferenz in Steinebrunn TG das Fleisch von Molkeschweinen, das täglich mit Schotte, auch Molke genannt, gefüttert wird. Eigentlich sei das Produkt nichts Neues, aber die Vermarktung habe gefehlt. «Wenn die besten Uhren und der beste Käse aus der Schweiz kommen, warum dann nicht auch das beste Fleisch?», machte sich Kurt Wick für die Vermarktung stark.
Was zeichnet das Fleisch aus?
«Molke hat einen guten Ruf. Sie steht für Fitness, Gesundheit und Beauty. Der Speck der mit Molke gefütterten Schweine ist kernig und fest und die Polyensäurewerte sind tief. Des Weiteren führt die bei Molke übliche rationierte Fütterung zu mageren Bäuchen und fleischreicheren Schlachtkörpern, und nicht zuletzt stehen mit Molke gefütterte Schweine bei Fleischfachleuten in einem guten Ruf», führte Linus Silvestri Vorzüge des Molkeschweines an. Die Hochschule für Landwirtschaft SHL ist daran, den Einfluss der Molke auf die Fett- und Fleischqualität genauer abzuklären. Doch nicht nur die Molke, sondern auch die Rasse, haben einen Einfluss auf die Fleischqualität. Molkenschweine sollen deshalb einen Rassenanteil von mindestens 75 Prozent Edelschwein haben. Dies bürgt für viel intramuskuläres Fett, ein hohes Safthaltevermögen und einen hohen Magerfleischanteil.
Jährliche Kontrollen
Die Basis für die Produktion von Molkeschweinen sind die Anforderungen des Qualitätsmanagements QM Schweizer Fleisch auf der Grundlage des Schweizer Tierschutzgesetzes. Hinzu kommen, dass Betriebe mit Molkeschweinen jährlich kontrolliert werden müssen. Die Herkunft der Molke muss ausgewiesen sein, der Abgeber muss zertifiziert sein, und es muss eine Mindestmenge an Molke an die Tiere verfüttert werden. Die Produktion von Molkenschweinen dürfte vor allem für Käsereibetriebe mit eigener Schweinemast, aber auch für landwirtschaftliche Schweinehalter mit Käsereimolke von Interesse sein. Betriebe mit Molkeschweinen erhalten 5 Rappen mehr pro Kilogramm Schlachtgewicht, das heisst, je Mastschwein etwa Fr. 4.50 mehr als nicht zertifizierte Betriebe.
Tierschutzgesetz als Grundlage
Wie es in einem Schweinestall aussieht, der Molkeschweine aufzieht und mästet, zeigte Jürg Wüthrich, Vizepräsident IG Molkeschwein, in einem Rundgang durch seine Ställe. Er hält 150 Sauen und 880 Mastschweine. Die Ferkel kommen in geräumigen, mit viel Langstroh eingestreuten Abferkelbuchten zur Welt, werden dann auf Flatdecks mit Teilspaltenboden abgesetzt und kommen schliesslich in Mastbuchten mit Vollspaltenboden. Sowohl die Zucht- als auch die Masttiere werden mit Schotte aus der eigenen Käserei gefüttert. Die Mastschweine erhalten im Durchschnitt 10 Liter Molke pro Tag, welche mit Futtermehl ergänzt werden. Zur Beschäftigung haben die Tiere in jeder Bucht einen Presswürfel aus Strohhäcksel zur Verfügung, den sie von unten abnagen können. Während die meisten Fleischlabels mit besonders tierfreundlicher Haltung werben, stehen beim Molkeschwein andere Kriterien im Vordergrund.
Aus der Region und ökologisch
Neben der Fleischqualität bildet die Herkunft ein wichtiges Qualitätskriterium. Das Fleisch ist mit den Labeln «Suisse Garantie » und «Culinarium-Genuss aus der Region» ausgezeichnet. Das heisst, dass das im Laden angebotene Fleisch nicht nur irgendwo aus der Schweiz, sondern aus der Region kommt und dort auch verarbeitet wird. Dies fördert das regionale Gewerbe, und dies ist auch im Sinne des Tierschutzes, da die Tiere keine langen Transportwege zurücklegen müssen. Das Fleisch von Schweinen, die in der Ostschweiz aufgezogen und in Basel geschlachtet werden, darf in der Ostschweiz nicht als «Molkeschweinefleisch» verkauft werden, erklärte Andreas Allenspach, Geschäftsführer von Culinarium. Was kann man mit der Schotte tun, wenn man sie nicht den Schweinen verfüttert? Indem man die Schweinegülle wieder auf die Wiesen ausbringt, kommen die Nährstoffe wieder zurück in die Milchwirtschaft. Für Jürg Wüthrich ist dieser geschlossene Kreislauf ein wichtiger ökologischer Aspekt des Molkeschweines.
Michael Götz, Dr. Ing.Agr., Eggersriet SG

