Ausgabe Nummer 2 (2007)

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Schwerpunkt Familie und Freizeit: «Die Ferienmacher»

Anna und Konrad Müller führen in Hörhausen ein Bed & Breakfast


Als ihr Sohn mehr und mehr in den Betrieb hineinwuchs, konnten Anna und Konrad Müller erstmals unbeschwert grosse Reisen unternehmen. Seit sie ein Bed & Breakfast führen, sind sie wieder mehr angebunden. Die grossen Reisen vermissen sie nicht mehr, denn dank dem B&B kommen die Leute zu ihnen und Anna und Konrad erfahren auf diese Weise von der weiten Welt.

«Früher fuhren wir nie in die Ferien. Neben unserem Bauernhof, den Kindern, unserer schliesslich pflegebedürftigen Mutter ? die Eltern respektive Schwiegereltern lebten in unserem Haushalt ? und finanziellen Engpässen blieb für das Reisen kein Platz. Nur alle drei Jahre gingen wir für zwei bis drei Tage mit auf die Käsereireise », blicken Anna und Konrad zurück. «Wir vermissten das Reisen nicht. Zu unserer Zeit war Ferien machen bei den Bauern ohnehin nicht üblich. Zudem ist es ein grosser Unterschied, ob man angestellt ist oder selbstständig arbeitet: Für uns war das Bauern unser Lebensinhalt und unser Lebenswerk», erzählt Konrad Müller weiter.

Reisen nach Übersee
Mit über fünfzig unternahmen Anna und Konrad Müller ihre erste grosse Reise: Während eines Monats reisten sie in den mittleren und fernen Westen der USA und nach Kanada, wo ihr Sohn Lukas ein Praktikum gemacht hatte. Diese Reise war allerdings erst möglich, als Lukas bereits wieder zu Hause war und mit seinen beiden Schwestern zum Hof schaute.
Als sie zusammen mit ihrem Sohn eine Generationengemeinschaft gründeten, stand zwar nicht mehr Zeit zur Verfügung, aber sie fühlten sich doch freier. Es folgten mehrere grosse Reisen, unter anderem nach Kuba, Ozeanien und wieder nach Nordamerika. Sprachliche Probleme hatten sie keine, da sie sich über längere Zeit gewisse Kenntnisse angeeignet hatten. «Reisen oder einfach Ferien machen ist nicht unbedingt dasselbe. Ersteres kann unter Umständen anstrengend sein», fügt Konrad Müller an.
Auf ihren Reisen übernachteten Anna und Konrad Müller häufig in Bead & Breakfasts. Dabei reifte die Idee, selbst ein solches zu eröffnen. Denn im schön gelegenen Haus sind Zimmer frei geworden, nachdem ihre Kinder ausgezogen sind. Zudem schätzen sie den Kontakt mit Leuten aus dem In- und Ausland. Schon seit Jahren beherbergen sie immer wieder für einige Wochen Teilnehmer eines internationalen Austauschprogrammes, genannt IFYE. Einige dieser ehemaligen Gäste gingen sie auf ihren Reisen besuchen. Auf ihrer letzten Reise nach Neuseeland übernachteten sie bewusst in B&Bs und achteten besonders darauf, was es braucht, damit man sich als Gast wohlfühlt. Sie wollen ihren Gästen das bieten, was sie selbst schätzen gelernt hatten.Anna und Konrad Müller renovierten ihr Haus umfassend und haben nun für sieben Gäste Platz, wenn Kinder dabei sind auch für mehr. Neben der Übernachtung wird den Gästen ein reichhaltiges Frühstück, soweit möglich mit hausgemachten Produkten und solchen aus der Region, in der Wohnküche oder im Garten serviert. Da sie nun das B&B seit Mai 2004 führen, ist das Ehepaar wieder mehr angebunden. Die grossen Reisen reizen sie nicht mehr und kurze, wie letztes Jahr eine nach Dresden und nach Kopenhagen, sind immer noch möglich.Vor einem Jahr haben Anna und Konrad Müller den Hof ihrem Sohn übergeben. Sie arbeiten weiterhin mit und vertreten die Jungen, wenn sie in die Ferien fahren. Im Gegenzug betreuen Lukas und seine Frau Andrea das B&B wenn die Eltern weggehen und Gäste angemeldet sind. So sind spontane Ausflüge möglich. «Als Paar wieder einmal in einem Hotel zu übernachten hat für uns auch immer wieder seinen Reiz», berichtet Konrad Müller.

Gäste aus aller Welt
Auf zwei Karten an einer Wand in der Küche stecken viele Stecknadeln, welche die Herkunftsorte der Gäste markieren. Sie kommen vor allem aus Europa, einige stammen aus Nordamerika, Südafrika und dem nahen Orient. Etwa die Hälfte der Gäste sind Schweizer, vorwiegend aus der Westschweiz. Die Gäste stammen nicht nur aus aller Welt, sondern haben auch verschiedene Interessen. So erzählen Anna und Konrad von einem Künstlerpaar, das auf der Suche nach der Seele war und von einem pensionierten Professor, mit einem riesigem Wissen über Burgen, Schlösser und Stammbäume Adeliger.
«Wir machen fast nur gute Erfahrungen mit den Gästen, dass jemand nicht zahlen wollte, ist uns noch nie passiert. Ein B&B ist viel persönlicher als ein Hotel, mit den meisten Gästen plaudern wir ein wenig. Die Leute kommen jetzt zu uns.Wir sind nun auf diese Weise «Ferienmacher» und haben einstweilen nicht mehr das Bedürfnis, selbst weite Reisen zu unternehmen.»

Ursina Hulmann



Betriebsspiegel
Betriebsleiter: Lukas Müller-Heimberg
Bewohner und Arbeitskräfte: Lukas und Andrea mit drei Kindern,Anna und Konrad Müller sowie eine angehende Hauswirtschafterin (früher Haushaltlehrtochter).
Produktionsart: ÖLN.
Lage und Fläche: Etwa 560 Meter über Meer, zirka 29 Hektaren.
Betriebszweige: Ackerbau, Milchwirtschaft, Schnittblumen, Hofladen und etwas Lohnarbeit.
Wohnsituation: Zwei Wohnhäuser, welche 300 Meter voneinander getrennt stehen.


Da die Gäste oft nur eine Nacht bleiben,
ist Betten machen eine häufige Arbeit von
Anna und Konrad Müller. (uhu)
Da die Gäste oft nur eine Nacht bleiben, ist Betten machen eine häufige Arbeit von Anna und Konrad Müller. (uhu)