Ausgabe Nummer 36 (2006)

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Schwerpunkt Fütterung: Grund- und Kraftfutter synchronisieren

Die richtige Futterzusammenstellung für Milchkühe im Sommer und Winter


Die Zusammenstellung der Grundfutterration und die Auswahl der Kraftfutter hat einen wesentlichen Einfluss auf die Milchleistung, die Milchinhaltsstoffe und die Tiergesundheit. Meistens ist nur das Hauptgrundfutter durch die betrieblichen Verhältnisse gegeben, sodass dieser Spielraum nebst der Abstimmung der Gehalte auch entsprechend der Abbaubarkeiten genutzt werden sollte.

Das Schlagwort «Synchrone Rationen» bedeutet, dass die pansenverfügbare Energie und das pansenverfügbare Eiweiss zeitgleich anfällt. Dies ist ein wichtiger Faktor für ein optimales Bakterienwachstum und eine guten Futterverwertung. Bei ungewöhnlichen Harnstoff- und Eiweisswerten bei eigentlich ausgeglichenen Rationen liegt die Ursache oft bei einer mangelnden Synchronität der Ration.

Unterschiedliche Abbaubarkeit
Bei den hierzulande geläufigen Grundfutterrationen gibt es wesentliche Unterschiede in Bezug auf die Abbaugeschwindigkeit von Energie und Eiweiss. Augenfällig ist der Unterschied zwischen Dürrfutter und Grassilagerationen. Während die Grassilage durch den Abbau des Reineiweisses zu freien Aminosäuren während dem Siliervorgang einen deutlichen Überschuss an pansenverfügbarem Eiweiss besitzt, liegt beim Heu eher ein Manko an langsamer Energie und schnellem Eiweiss vor. Für die Wahl des passenden Ergänzungsfutters würde dies bedeuten, dass bei der Grassilage schnelle Energie in Form von schnell abbaubarem Getreide ergänzt werden müsste und bei der Heuration schnelle Energie in Form des Eiweissträgers Rapsschrot sowie langsame Energie von Maiskörnern zugeführt werden sollte (Grafik ). Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass zunehmendes Alter des Futters und ein erhöhter TS-Gehalt die Abbaubaugeschwindigkeit senkt. Durch den Siliervorgang wird die Proteinabbaubarkeit gesteigert, währenddem durch den Trocknungsvorgang die Abbaugeschwindigkeiten von Energie und Eiweiss sinken. PME- und PMN-Werte geben Anhaltspunkte über die Pansenabbaubarkeit und die Abbaugeschwindigkeit. Ist der PMN-Gehalt deutlich höher als der PME-Gehalt muss von einem Überschuss an schnellem Eiweiss ausgegangen werden.

Friktion Grassilage / Maissilage?
Grassilage und Maissilage passen eigentlich nicht aufeinander und können nur mit der Zugabe von Kraftfutter über die Grundration synchronisiert werden. Auf Betrieben mit Mais- / Grassilagefütterung, wo die Grundfutterration nicht mit mittels einer AMR oder TMR mit Kraftfuttern aufgewertet wird, wäre die Basisration unbedingt mit langsamem Eiweiss in Form von Biertreber und schneller Energie in Form von silierten Zuckerrübenschnitzeln zu ergänzen. Ganz so unpassend zueinander sind aber Grassilage und Maissilage nicht. Es ist bei der Synchronisation nicht nur wichtig, dass die Nährstoffe zur gleichen Zeit anfallen, sondern dass jeweils die frühen und die späten Fraktionen in nennenswerten Mengen vorhanden sind. Dies ist Voraussetzung für höhere Milchleistungen. In der Praxis kann diesem Aspekt bei der Wahl des Reifegrades der Maissilage Rechnung getragen werden. Liegt eher junge Grassilage im Silo, sollte der Erntezeitpunkt der Maissilage eher nach hinten verlegt werden. Bei älterer Grassilage eher nach vorne.

Grünmais unbedingt vor dem Weidegang vorlegen
Auch das Grünfutter bietet bezüglich Synchronität einige Herausforderungen. Frühlingsfutter weist eher einen Überschuss an schneller Energie, Herbstfutter an schnellem Eiweiss auf. Beim Weidegang im Herbst tritt eine massive Anflutung von Stickstoff im Pansen auf. Wird der Mais erst nach dem Weidegang vorgelegt, ist dieser Stickstoff bereits im Organismus der Kuh und wird in Form von erhöhten Harnstoffwerten sichtbar. Der Mais ist daher unbedingt vor dem Weidegang vorzulegen. Die «langsame» Maisenergie kann so während dem Verzehr des Weidegrases von den Bakterien zusammen mit dem schnellen Eiweiss laufend konsumiert werden. Der selbe Grundsatz gilt auch beim Einsatz von proteinreichem Zwischenfutter, wo Mais oder Heu ebenfalls im voraus verabreicht werden sollten. Nicht nur die Harnstoffwerte stimmen dann besser, es kann auch die Gefahr von Völle reduziert werden.

Christof Baumgartner, LBBZ Arenenberg, Fachstelle Nutztierhaltung

weitere Informationen zum Thema: www.lbbz.tg.ch


Nächstoffabbau im Pansen bei verschiedenen Futterarten (Quelle: Topagrar)
Nächstoffabbau im Pansen bei verschiedenen Futterarten (Quelle: Topagrar)