Ausgabe Nummer 10 (2010)
Schwerpunkt: Liegeboxen
Alternative Einstreumaterialien in Liegeboxen
Stroh als Einstreu ist zu einem wesentlichen Kostenfaktor in der Milchviehhaltung geworden. Günstige Einstreusysteme sind gesucht. Als Alternative zu Stroh-Mist-Matratzen können Sand, Kompost, Feststoffe aus der Separierung von Gülle sowie Kalk-Stroh- Matratzen als Einstreu für Liegeboxen in Milchviehlaufställen verwendet werden. Ziel von Untersuchungen der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART war die Bewertung dieser Einstreumaterialien und die Ableitung von Empfehlungen zur Gestaltung und zum Betrieb von Liegeboxen mit alternativen Einstreumaterialien.
Tiergerechtheit
Bei den Untersuchungen zu Veränderungen an den Sprunggelenken (Tarsi) wurde nur eine geringe Anzahl an Schäden festgestellt. 52 Prozent der Tiere bei Liegeboxen mit Sand, je 59 Prozent der Tiere bei Liegeboxen mit Kompost beziehungsweise mit Feststoffen aus der Separierung von Gülle und 78 Prozent der Tiere bei Liegeboxen mit Kalk-Stroh-Matratzen zeigten keinerlei sichtbare Schäden an den Sprunggelenken. Die Werte waren etwas schlechter als diejenigen von Stroh-Mist- Matratzen (86 Prozent), jedoch deutlich besser als Komfortmatten (15 Prozent), loses Stroh (32 Prozent) und Gummimatten (10 Prozent). Am häufi gsten traten haarlose Stellen sowie Krusten und offene Wunden, kleiner als 2 cm, auf. Grössere Verletzungen kamen nur bei sehr wenigen Einzeltieren vor. Unterschiede zwischen den Betrieben deuten darauf hin, dass neben dem Einstreumaterial auch Faktoren wie Einstreuhöhe und Liegeboxenpfl ege sowie Liegeboxenabmessungen und Steuerungseinrichtungen ausschlaggebend für die Tiergerechtheit sind.
Hygiene
Die bakteriologische Qualität der Liegefl äche und der Milch bei Liegeboxen mit Kompost und Feststoffen aus der Separierung von Gülle als Einstreu ist – verglichen mit früheren Untersuchungen und anderen Liegefl ächen wie Stroh-Mist-Matratzen und Komfortmatten – aus hygienischer Sicht nicht kritischer zu beurteilen. Die Keimgehalte waren insgesamt niedrig. Die niedrigen Keimgehalte sind vor allem auf die trockene, saubere Oberfl äche der Liege- und Lauffl ächen zurückzuführen. Dies ist einer der wichtigsten Faktoren hinsichtlich der bakteriellen Qualität der Liegefl äche und letztlich auch der Milch. Da keine Betriebe mit silofreier Milchproduktion untersucht werden konnten, ist eine Aussage zur Eignung von Kompost und Feststoffen aus der Separierung von Gülle für Käsereibetriebe nicht möglich. Die Einstreuart sollte mit der Käserei besprochen werden.
Wichtig für die Hygiene der Liegefl äche ist bei allen Materialien eine einwandfreie Qualität. Das gilt für Kompost, für die Feststoffe, aber auch für Stroh und für Kalk.
Arbeitszeitbedarf
Der tägliche Arbeitszeitbedarf für die Liegeboxenpfl ege aus Sand liegt mit 0,5 AKmin pro Tier und Tag bei 60 Kühen unter dem Arbeitszeitbedarf von Stroh-Mist- Matratzen mit 0,9 AKmin und Komfortmatten mit 0,7 AKmin. Der Arbeitszeitbedarf von Kompost, Feststoffen aus der Separierung von Gülle und Kalk-Stroh- Matratzen mit 0,9 AKmin pro Tier und Tag entspricht in etwa jenem von Stroh- Mist-Matratzen. Über alle Verfahren hinweg sinkt der Arbeitszeitbedarf pro Kuh und Tag mit zunehmender Bestandesgrösse aufgrund der relativen Abnahme der Rüstzeiten am Gesamtarbeitszeitbedarf.
Jahreskosten
Ein betriebswirtschaftlicher Vergleich bei 40 und 80 Kühen zwischen verschiedenen Liegefl ächen zeigt, dass sich die Jahreskosten vor allem bei den Kosten für Separator beziehungsweise Matten und den Kosten für Einstreu (Sand, Kompost, Stroh, Kalk) unterscheiden. Bei 60 Kühen fallen die höchsten Jahreskosten für Hochboxen mit Komfortmatten mit 129 Franken und für Tiefboxen mit Sand mit 121 Franken pro Grossviehplatz (GVP) an, gerechnet ohne Arbeitskosten. Die Kosten für Tiefboxen mit Kompost liegen mit 63 Franken pro GVP bei der Hälfte im Vergleich zu den Komfortmatten und sind deutlich tiefer als bei Tiefboxen mit Stroh-Mist-Matratze mit 95 Franken und mit Kalk-Stroh-Matratze mit 102 Franken pro GVP. Sand weist hohe Materialkosten auf. Der Vorteil von Kompost ist der tiefe Materialpreis. Der Nachteil von Feststoffen sind die hohen Investitionen für den Separator (Pressschnecke). Diese Investition lohnt sich im Vergleich zur Stroh-Mist- Matratze nur für grössere Betriebe oder bei überbetrieblicher Nutzung. Je nach Kalk-Stroh-Wassergemisch wird im Vergleich zur Stroh-Mist-Matratze mehr oder weniger Stroh eingespart und mehr oder weniger Kalk benötigt. In der Schlussabrechnung liegen die Kosten für die Kalk- Stroh-Matratze im Bereich der Stroh- Mist-Matratze.
Michael Zähner, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART
