Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Juli 2018


Schwieriges Jahr für die Schweizer Käseexporte

Ausgabe Nummer 5 (2016)

Die Schweizer Käsebranche zieht eine durchzogene Bilanz für das Exportjahr 2015. Der geringe Exportzuwachs von + 0,3 % wurde durch die Exportsteigerung ausserhalb der EU erzielt. 2015 wurden weltweit 68 459 Tonnen Schweizer Käse exportiert. Dies entspricht im Vergleich zur Vorjahresperiode einer Zunahme von + 204 Tonnen. Die Aufhebung des Euro- Mindestkurses verstärkte die Konkurrenzsituation in unserem Hauptabsatzmarkt, der Europäischen Union. 2015 wurden mengenmässig 1,5 % weniger in die EU exportiert. Weltweit verloren die drei grossen Exportlokomotiven Schweizer Emmentaler AOP (–1331 t, – 9,5 %), Le Gruyère AOP (–420 t, –3,4 %) und Appenzeller® (–166 t, –3,2 %). Der Blick auf die Handelsbilanz zeigt eine wertmässige Abnahme der Exporte von –3,8 %.

Die heute von Switzerland Cheese Marketing AG (SCM) und TSM Treuhand GmbH (TSM) Bern veröffentlichten Zahlen für das Exportjahr 2015 weisen mit 68 459 Tonnen (t) (+204 t) exportiertem Käse, Schmelzkäse und Fertigfondue eine weltweite Steigerung von +0,3 % aus. Dennoch haben sich die Befürchtungen der Schweizer Käsewirtschaft bewahrheitet. Insbesondere die bekannten Schweizer Sortenkäse, die «Zugpferde» des Käseexports, litten 2015 stark. So mussten Emmentaler AOP, Le Gruyère AOP und Appenzeller® Verluste hinnehmen. Dies ist auf die Aufhebung des Euro- Mindestkurses und die damit verbundenen Preiserhöhungen dieser drei Sortenkäse zurückzuführen. Insgesamt nahmen die Exporte in die EU mengenmässig um 1,5 % ab. Mit der Aufhebung der Milchkontingentierung und der Weiterführung des Russlandembargos hat sich die Konkurrenzsituation in der EU zusätzlich verschärft. In diesem stark umkämpften Hauptmarkt sind koordinierte Absatzförderungsmassnahmen für Schweizer Käse am Verkaufspunkt wichtiger denn je.

Spürbare Wertminderung im Export
2015 betrug der Erlös für die Schweizer Käsebranche (Milchbauern, Käser, Affineure, Handel) insgesamt 613,7 Millionen Schweizer Franken. Dies entspricht einer Abnahme von –3,8 % im Vergleich zur Vorjahresperiode. Die durchschnittlichen Exportpreise sind demzufolge um –4,2 % gesunken. Dank einer wirkungsvollen Marktbearbeitung der Branchenakteure, mit verstärktem Fokus auf den Verkaufspunkt, geniesst der Schweizer Käse weiterhin das Vertrauen der Konsumenten. Diese zeigen sich nach wie vor bereit, den im Vergleich teureren Schweizer Käse zu kaufen. Der wichtigste Handelspartner für Schweizer Käse bleibt Europa. Rund 80 % der Schweizer Käseexporte (55 647 t) gehen in unsere Nachbarländer. Hauptabnehmer bleiben Deutschland (30 892 t, – 0,1 %), Italien (10 332 t, +2,8 %) und Frankreich (4563 t, –15,0 %). Die Exporte nach Übersee nahmen um +1043 t (+8,9 %) auf total 12 702 t zu. Die Exporte nach Russland legten mengenmässig um 15,3 % zu, verloren wertmässig aber um 15,2 %. Im Vergleich zum Gesamtexport entspricht der Export nach Russland mengenmässig nur etwa 2 %.

Sehr schlechtes Weihnachtsgeschäft
Die Exportentwicklung 2015 war besonders im ersten Halbjahr 2015 von starken Schwankungen geprägt. Waren die Halbjahreszahlen mit +2009 t oder +6,7 % noch positiv, zeigten die Exportzahlen im zweiten Halbjahr ein negatives Bild. Besonders die Dezemberzahlen, welche das wichtige Weihnachtsgeschäft beinhalten, waren sehr schlecht (–6,0 % respektive –426 t) im Vergleich zur Vorjahresperiode. Von den 68 349 t exportierten Schweizer Käsen sind 18,5 % Emmentaler AOP (12 663 t), 17,4 % Le Gruyère AOP (11 956 t) und 7,3 % Appenzeller® (5022 t). Meist exportierter Schweizer Käse bleibt der Emmentaler AOP, wenngleich die Exportmenge im Vergleich zur Vorjahresperiode um –1331 t (–9,5 %) zurückging. Die zwei anderen marktführenden Produkte, Le Gruyère AOP (–420 t, –3,4 %) und Appenzeller® (–166 t, –3,2 %), weisen 2015 ebenfalls einen Rückgang auf. Trotz der angespannten Situation gab es aber einige Sorten, die ihre Position festigen konnten. So erwirtschafteten der Tête de Moine AOP (+8 t, +0,6 %), der Vacherin Fribourgeois AOP +9 t (+3,3 %) und insbesondere der Tilsiter (+104 t, +41,9 %) einen Exportzuwachs. Zulegen konnten der «Switzerland Swiss» mit +179 t (+3,9 %) sowie die Kategorien «andere Halbhartkäse » +1512 t, (+16,5 %) und «andere Hartkäse» +616 t (+17,2 %). Positive Bilanz ziehen ebenfalls der Schweizer Raclette +39 t (+2,5 %) und Vacherin Mont-d’Or AOP +2 t (+5,5 %) sowie die Gattung «andere Käse» +431 t (+13,8 %). Mengenverluste zu beklagen, haben folgende Sorten und Kategorien: «andere Weichkäse» –220 t, (–28,6 %), Sbrinz AOP –28 t (–15,4 %), Schmelzkäse –135 t (–10,6 %) und Fertigfondue –307 t (–6,8 %) sowie die Kategorie «Frischkäse und Quark» –87 t (–1,5 %).

Importe legten mengenmässig um +2,9 % zu
Mit der Aufwertung des Schweizer Frankens ist der Importdruck zusätzlich angestiegen, da der starke Schweizer Franken die Käseimporte stark verbilligt hat. Im 2015 wurde wertmässig –12,0 % weniger importiert, aber mengenmässig stiegen die Importe um +2,9 % oder +1587 t auf 55 432 t. Rund 85 % der Importe stammen aus Italien (19 806 t, –1,9 %), Frankreich (14 053 t, +5,1 %) und Deutschland (12 768 t, –3,0 %). Besonders beliebt bleiben Frischkäse +649 t (+3,2 %), Weichkäse +463 t (+4,1 %), Halbhartkäse +573 t (+6,4 %) und Hartkäse +920 t (+23,6 %). Schmelzkäse blieb stabil mit +29 t (+0,7 %). Verloren hat hingegen Extrahartkäse –1047 t (–18,8 %). Ein wichtiger Teil des Imports fliesst in die preissensible Nahrungsmittelindustrie, in die Grossgastronomie und in das Gastgewerbe.


Switzerland Cheese Marketing AG und
TSM Treuhand GmbH







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