Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Seit 20 Jahre Bio-Milchproduktion

Ausgabe Nummer 23 (2015)

Jakob und Anita Ulrich bewirtschaften in Guntalingen im Zürcher Stammertal einen für heutige Verhältnisse kleinen Biobetrieb mit Milchwirtschaft und Ackerbau.

Auf 17,8 Hektaren werden 2,2 Hektaren Kartoffeln und 2,5 Hektaren Weizen und das Futter für 20 Milchkühe angebaut. Die Futterfläche setzt sich zusammen aus 11 Hektaren Kunstwiese, 2,2 Hektaren Silomais, 1,3 Hektaren extensive Wiese und 0,8 Hektaren intensiver Naturwiese.
Es gibt gute Gründe, warum in dieser Schwerpunktnummer ein Landwirt aus der zürcherischen Nachbarschaft porträtiert wird. Jakob Ulrich ist dem Schreibenden gut bekannt, weil er seit Jahren aktiv an Weiterbildungsveranstaltungen auch über die Kantonsgrenzen hinweg teilnimmt. Im April 2015 war im «Thurgauer Bauer» ein Bericht über die Jahresversammlung des Viehzuchtvereins Unterthurgau und Umgebung zu lesen. Zu diesem Verein gehören seit letztem Jahr die vier verbliebenen Fleckviehzüchter des Stammertales. Im erwähnten Bericht, in dem die besten Kühe des Vereins erwähnt wurden, tauchte der Name Jakob Ulrich gleich mehrmals auf. Da war es naheliegend, zum Thema nachhaltige Biomilchproduktion mit Jakob Ulrich ein Gespräch zu führen.

Der Betrieb steht 2015 im zwanzigsten Biojahr. Was war damals die Motivation zur Umstellung und was bewegt dich heute, bei dieser Wirtschaftsweise zu bleiben?
Jakob Ulrich: Ich war damals 40 und suchte eine neue Herausforderung. Es war die Zeit der Genschutz- Initiative, die intensive Landwirtschaft stand verschiedentlich am Pranger. Da wollten wir auf unserem Betrieb eine naturnähere Produktionsart versuchen. Auf wirtschaftlicher Seite war mir klar, dass wir mit unserer Betriebsgrösse bei konventioneller Bewirtschaftung Richtung Nebenerwerb steuerten, das wollte ich nicht.
Heute muss ich sagen, dass ich die damals gesteckten Ziele erreicht habe und in der ganzen Zeit ein stolzer und zufriedener Landwirt geblieben bin. Die übernehmende Generation muss bezüglich der Betriebszweige grundlegende Entscheide fällen, aber an der biologischen Bewirtschaftung besteht auch in Zukunft aktuell kein Zweifel. Das bestätigt meine Frau und mich, damals die Weichen richtig gestellt zu haben.

Nun zur Milchproduktion: In deiner kleinen Kuhherde von 20 Tieren gibt es drei ausserordentliche Lebensleistungen, zwei 70 000er und eine 100 000er. Sind das grosse Ausnahmen? Wie sieht es im Durchschnitt aus?
Jakob Ulrich: Diese drei Kühe sind natürlich herausragend. Zwei von ihnen haben in ihren 9 und 13 Laktationen Jahresleistungen von durchschnittlich 8000 kg erreicht. Der Stalldurchschnitt liegt bei 6700 kg und meine Kühe erreichen durchschnittlich sechs bis sieben Laktationen.
Dank dieser langen Nutzungsdauer muss ich pro Jahr bloss drei bis vier Tiere remontieren und kann die Hälfte des Bestandes mit Maststieren besamen. Die Jungviehaufzucht ist schon seit Jahren auf einen Bergbetrieb in Graubünden ausgelagert. Die Tiere zur Mast gehen als Tränker weg.

Mit sechs bis sieben Laktationen in deiner Herde bist du deutlich über dem Durchschnitt, bei der Laktationsleistung klar tiefer als das Mittel in eurem Viehzuchtverein. Wohin gehen deine züchterischen Ziele?
Jakob Ulrich: Ich kann mich recht gut mit den Zuchtzielen von Swiss Fleckvieh identifizieren und setze schon seit einiger Zeit nur noch deren Stiere zur Weiterzucht ein, also keine Red Holstein mehr. Bei einem Zuchtziel von 8000 kg Milch in der dritten Laktation, sechs Laktationen und guten Fitnesseigenschaften fühle ich mich wohl, diese Kühe kann ich auf meinem Betrieb unter den Anforderungen des Biolandbaus auch füttern.

Wie sieht die Fütterung in deinem Betrieb aus?
Jakob Ulrich: Basis ist die ganzjährige Silofütterung (Gras und Mais). Auch Heu gibt es immer. Während der Vegetationszeit wird 10 Stunden pro Tag geweidet. Die Silageration im Sommer besteht vornehmlich aus Mais und wenig Herbstgras. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Schicht Gras oben im Fahrsilo die Haltbarkeit der Silage im Sommer verbessert, was mir beim geringen Vorschub sehr zu Hilfe kommt. Im Winter bekommen die frisch laktierenden Kühe mit hohen Leistungen ein Eiweisskonzentrat auf der Basis von Soja, im Sommer gibt es für alle nur etwas Kleie zum Grundfutter. Insgesamt füttere ich etwa 4,5 Tonnen Kraftfutter pro Jahr und bin damit weit unter dem Grenzwert der Bio Suisse von 10 Prozent Trockensubstanz der Gesamtmenge. Gemäss Harnstoffwerten müsste ich im Winter mehr Eiweiss füttern. Ich möchte aber in Zukunft anders korrigieren, indem ich den Grasanteil in der Silageration auf Kosten des Mais etwas erhöhe.

Erfüllst du die Anforderungen der graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion (GMF)?
Jakob Ulrich: Zur Zeit erfülle ich diese Anforderungen wegen dem Maisanteil nicht. Mit der oben erwähnten Änderung der Fütterungsstrategie könnte ich hineinrutschen. Aber GMF ist nicht die Motivation für diese Umstellung.

Was wird auf eurem Betrieb gemacht, wenn ein Tier krank ist? Werden Antibiotika eingesetzt?
Jakob Ulrich: Mastitis tritt auf unserem Betrieb glücklicherweise selten auf. Wenn eine Entzündung da ist, behandle ich sie mit gutem Erfolg homöopatisch. Trockensteller brauche ich keine. Die letzte Woche vor dem galt stellen bekommen meine Kühe nur noch altes Heu und werden nicht mehr auf die Weide gelassen. In den letzten zwanzig Jahren gab es nie eine Beanstandung bezüglich Milchqualität und ich hatte einen einzigen Galtviertel zu beklagen. Bei wirklich kranken Kühen rufe ich den Tierarzt. Er würde bei Bedarf auch Antibiotika einsetzen. Den letzten Besuch des Tierarztes hatte ich wegen einer festliegenden Kuh.

Verschiedene Bereiche der Milchproduktion, auch im Biobetrieb, stehen in der Kritik, allen voran die Fütterung (Soja, Mais) und der Antibiotikaeinsatz. Bio Suisse will mit der Kampagne «Pro Vieh» die Produzenten sensibilisieren und Lösungsansätze aufzeigen (vergleiche Kasten). Es stehen aber auch neue Vorschriften im Raum. Wie beurteilst Du die Kampagne?
Jakob Ulrich: Ich bin grundsätzlich mit dem Ziel «feed no food», also Wiederkäuer mit Wiesenfutter zu ernähren, einverstanden. Aber es stört mich, wie gewisse Exponenten den auf unseren Feldern gewachsenen Mais als Futtermittel schlecht reden. Mit keiner andern Kultur erziele ich einen nur annähernd so hohen Futterertrag pro Fläche wie mit dem Mais. Ohne ihn müsste ich mehr Ackerland für die Grasproduktion einsetzen auf Kosten der Kartoffel- oder Getreideproduktion für die menschliche Ernährung. «Feed no food» müsste einhergehen mit einem geringeren Konsum an tierischen Produkten. Wenn die geringere Produktion bei uns einfach mit Importen kompensiert würde, kann nirgends zusätzliche Nahrung für jene Menschen produziert werden, die zu wenig zum Essen haben.

Auf eurem Betrieb wird in den nächsten Jahren der Generationswechsel anstehen. Welchen Zukunftswunsch hast du für deinen eigenen Betrieb?
Jakob Ulrich: Ich wünsche mir, dass der Hof als eigenständiger Betrieb überlebt und die nächste Generation einen bedeutenden Teil ihres Einkommens darauf erwirtschaften kann und Erfüllung bei der bäuerlichen Arbeit findet.

Mögen diese Wünsche in Erfüllung gehen.
Alles Gute!


BBZ Arenenberg,
Jakob Rohrer










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