Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. April 2019


Sender im Ohr liefert Viehlzahl von Daten

Ausgabe Nummer 5 (2019)

Einsatz digitaler Technologie in der Milchviehhaltung

Der Einsatz der digitalen Technologie macht auch vor dem Kuhstall nicht Halt und eröffnet bezüglich Überwachung der einzelnen Kuh und der ganzen Herde neue Perspektiven. Die vom Sender im Kuhohr übermittelten Daten werden laufend von Server überwacht und ausgewertet.

Die Digitalisierung macht auch in der Landwirtschaft riesige Schritte und eröffnet fast täglich neue Perspektiven. In der Milchviehhaltung macht diese Technologie eine weitere Nutzung möglich, indem mit «Smart- Cow» die Kuh rund um die Uhr überwacht werden kann. Ein knapp eigrosser Sender als quasi intelligente Ohrmarke sorgt dafür, dass eine Unzahl an Daten von der Kuh ständig erfasst und aufgezeichnet werden kann. «Wer sich für dieses System entscheidet, erhält noch schneller die für das Kuhwohl wertvollen Informationen», führte Ignaz Hutter vor den Delegierten des Zürcher Braunviehzuchtverbandes aus. Dieses System erkennt die sichere Brunst oder kann dank den Wiederkäuaktivitäten die Gesundheit überwachen. Zugleich ermöglicht diese Technologie eine laufende Ortung der Kuh und beispielsweise ihr Verhalten im Stall. Entsprechend kann die Präsenz im Stall reduziert werden. «Es ist im Stall immer weniger Zeit für das Beobachten vorhanden, sodass mit dieser Technologie mehr Freiheit für den Bauern und Sicherheit für die Kuh geschaffen wird», zeigte sich Hutter überzeugt. Für die Erfassung der Daten sorgt der entsprechende Sender im Ohr, welcher das Tier rund um die Uhr begleitet. Die vielseitigen Aktivitäten erfolgen grösstenteils über Körpersignale und Bewegungen im Ohr. Das dafür benötigte System lässt sich in jedem Stallsystem einfach installieren und das dafür benötigte Internet ist nur im Stallbüro notwendig. Die laufend gelieferten Daten werden dabei auf dem Server gesammelt.

Wiederkäuen sagt viel aus
Das Verhalten der Kuh bezüglich des erfassten Wiederkäuens lässt viele Aussagen über ihren Gesundheitszustand zu. Setzt sie diese aktive Tätigkeit über längere Zeit aus oder käut sie nur unregelmässig, so sorgt dies für einen Alarm. «Daraus wird ein frühzeitiges Erkennen von Krankheiten und Verdauungsstörungen möglich», führte Hutter aus. Diese Früherkennung kann für eine Vermeidung von Produktionsausfällen respektive Leistungsabfällen sorgen. Hutter verwies auch auf eine mögliche Reduktion von Behandlungskosten und Tierverlusten. «Dank dem eingebauten ‹Heat-Detector› ist eine leichte Brunsterkennung möglich. Dies erlaubt eine punktgenaue Besamung, was wiederum höchste Besamungserfolge bringt. Sie bringt kurze Zwischenkalbezeiten, ermöglicht eine höhere Milchleistung und sorgt für tiefere Besamungskosten», so Hutters Botschaft. Einen weiteren Pluspunkt sah er in der Kuhortung dadurch, dass sich Tiere schnell und einfach finden lassen. Diese Daten liefern auch sehr exakte Erkenntnisse darüber, wie sich die Kuh im Stall bewegt, welche Orte sie dabei meidet oder welche Liegeboxen oder Fressplätze sie bevorzugt. «Somit können diese Verhaltensweisen auch zu einem Erkennen von Optimierungspotenzial bei den Stalleinrichtungen dienen», zeigte sich Hutter überzeugt. Dieses System ist bereits sehr breit in die Praxis eingeführt. Herausgehoben wird dabei das frühzeitige Erkennen von Gesundheitsproblemen oder von stillbrünstigen Kühen.


Roland Müller







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