Ausgabe Nummer 4 (2007)

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Senken frische Biorüebli die Gesundheitskosten?

Viele Krankheiten hängen mit unserer Ernährung zusammen

Einen Franken mehr ausgeben für gesunde Lebensmittel und dafür zwei Franken bei den Gesundheitskosten sparen. Geht diese Rechnung auf? Gesundheitsberater Marco Utz ging am letzten Montag in seinem Vortrag an der Volkshochschule Weinfelden dieser Frage nach.

2005 ging jeder Schweizer durchschnittlich sieben Mal zum Arzt. Ärzte sprachen insgesamt etwa 76 Millionen Diagnosen aus. 40 Millionen Diagnosen hatten eine medikamentöse Behandlung zur Folge, 36 Millionen waren Bagatellfälle. Dadurch entstanden Kosten von 55 Milliarden Franken. Marco Utz, Gesundheitsberater und Mitglied des nationalen Vorstandes vitaswiss, der ehemaligen Schweizerischen Vereinigung für Volksgesundheit, sieht viele Ursachen dieser Krankheiten in unserer Ernährung: «Übergewicht, zu hoher Salzkonsum, Stress und Frustessen können zu Herz-Kreislauf-Krankheiten führen. Atemprobleme und Krankheiten des Bewegungsapparates können durch Übergewicht entstehen, Stoffwechselund Verdauungskrankheiten, Infektionen, Allergien, Diabetes, Magenübersäuerungen, Verstopfung, Gelenks-, Haut- und Knochenleiden, Zahnschäden sowie ein hoher Cholesterinspiegel hängen stark mit der Ernährung zusammen.»

Gesunde Ernährung
Wann fängt die gesunde Ernährung an, wenn nicht heute? Das Einkaufen ist der erste Schritt dazu. Saisongerechte, frische, nachhaltig produzierte Produkte sind wichtig für eine ausgewogene Kost. Utz legt viel Wert auf regionale Produkte: «Unsere Umgebung bietet alles, was unser Körper braucht.» Viel Früchte, Salat und schonend zubereitetes Gemüse sowie wenig Zucker, Würzmittel, Fertigprodukte und tierische Eiweisse zeichnen eine ausgewogene Ernährung aus. Utz sagt bewusst «wenig» und nicht «keine»: «Wenn etwas verboten ist, entsteht eine Abwehrhaltung, die oft zu unkontrollierten Fressorgien führt.» Für Utz ist es sehr wichtig, dass eingefleischte Essensgewohnheiten nicht unterschätzt werden und dass langsam auf eine gesunde Ernährung umgestellt wird. «Selbstwertgefühl und Zufriedenheit sind für eine ausgeglichene Ernährung wichtig. Gefühle wie Ärger, Wut, Angst, Ohnmacht, Gleichgültigkeit oder Rastlosigkeit können unsere Ernährung negativ beeinflussen. Und ganz wichtig ist, dass das Essen viel Freude bereitet und man sich Zeit dazu nimmt. Ein rasch gelöffeltes Joghurt ist etwas ganz anderes als ein Znacht in gemütlicher Runde. Genussmittel sollten genossen und nicht mit schlechtem Gewissen in sich hineingestopft werden». Utz regt dazu an, sich Gedanken zu machen, wie die Genussmittel wieder abgebaut werden können. Möglichkeiten sind hier unter anderem Bewegung oder Entschlackung.
Kritisch äussert sich Utz zum Gebrauch von Vitamin-C-Tabletten. «In Deutschland und Frankreich werden andere Dosen von Vitamin C empfohlen als in der Schweiz. Vitaminpräparate ersetzen die natürlichen Produkte nicht, da ihnen die vitalen Kräfte fehlen. Ernährungsphysiologisch machen Vitamintabletten wenig Sinn. Hinter ihrer Förderung steckt viel Marketing.»

Nahrungsmittel oder Lebensmittel?
Utz weist auf den Unterschied Nahrungsmittel und Lebensmittel hin: «Nahrungsmittel nähren und machen satt. Ihre Kalorien können nach der klassischen Ernährungslehre gezählt werden.Wie der Name sagt, leben Lebensmittel und geben Kraft. Ein Dinkelkorn kann auch nach vielen Jahren wieder keimen. Sogar nach Jahrtausenden, wie in Grabkammern gefundene Dinkelkörner zeigten.» Er verdeutlicht den Unterschied von Nahrungsund Lebensmittel am Beispiel von Früchten. Rohe und getrocknete Früchte sind Lebensmittel und laut Ernährungslehre sehr empfehlenswert. Erhitztes Obst und frisch gepresster Saft sind empfehlenswert, während Nahrungsmittel wie eingemachte Konserven, Dosenfrüchte oder Sirup weniger empfehlenswert sind. Nicht empfehlenswert sind isolierte Präparate, wie Süssstoffe, Fruchtzucker oder Süssgetränke.
Die Lebensmittelqualität zeichnet sich durch viele Facetten aus. Die Farben, Formen, Gerüche und die Konsistenz sollen uns anregen, uns am Essen zu freuen. Den Kulturwert von Lebensmitteln gewichten Erzeuger und Konsumenten unterschiedlich. Für den Erzeuger stehen Ertrag, Ernteeigenschaften und Marktwert an oberster Stelle. Für den Händler sind Transportfähigkeit, Beschaffenheit und Absetzbarkeit wichtig, während für den Verbraucher Preis, Kocheigenschaften und Bequemlichkeit im Zentrum stehen. Die Anbaumethoden und die Ernährungsphysiologie sind weitere Punkte, die die Lebensmittelqualität auszeichnen. Durch internationale Verträge, Richtlinien und Gesetze regelt die Politik die Lebensmittelqualität. Zudem wird unsere Nahrung stark durch soziale und psychologische Elemente gesteuert. Wieso gilt Kaviar als besondere Delikatesse? Einigen Nahrungsmitteln werden Eigenschaften unterstellt, so soll zum Beispiel Broccoli gut gegen Krebs sein.
Utz ist überzeugt, dass eine gesunde Ernährung die Gesundheitskosten senken würde. Nichtsdestotrotz gab er den Zuhörern mit auf den Weg, das Grundlegende, die Freude am Essen nicht zu verlieren.

Ursina Hulmann


Frisches und saisongerechtes Gemüse aus
der Region ist wesentlicher Bestandteil
einer gesunden Ernährung.(uhu)
Frisches und saisongerechtes Gemüse aus der Region ist wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung.(uhu)