Ausgabe Nummer 5 (2006)

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Service-Pool – Chance zur Integration aller Marktakteure

Agrarzyklus der Volkshochschule Weinfelden TG: Landwirtschaft 2010 – Visionäre haben das Wort

Service-Pool – Chance zur Integration aller Marktakteure

Könnte ein Service-Pool als ein Instrument für den Ausweg aus der Krise im Ernährungssektor dienen? Diese Vision löste angeregte Diskussionen aus.


Hans Bieri, Geschäftsführer der
SVIL, (links aussen) lieferte am
3. Abend des Agrarzyklus Impulse
und Anregungen für einen
bäuerlichen Service-Pool, der auch
in Weinfelden auf grösstes
Interesse stiess und Fragen zur
Realisierung auslöste.

Der dritte Teil des Agrarzyklus, moderiert von Martin Huber, Betriebsberater am LBBZ Arenenberg, widmete sich der Thematik «Lebensmittelmarkt – Discount oder à la carte?». Der Referent, Hans Bieri, Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung Industrie und Landwirtschaft, kritisierte, dass heute nur noch in reinen Preisvergleichen argumentiert wird. Aus seiner Sicht hat die Krise im Ernährungssektor unter anderem damit begonnen, dass die «agro suisse», die in den 50er- und 60er-Jahren via Radio an die Konsumenten gelangte und über Produkte und Saisonalität informierte, durch die Grossverteiler abgeschafft wurde. Heute sei viel an Wissen über die Zusammenhänge verloren gegangen, das Konsumverhalten werde über den Preis gesteuert. Bieri zeigte auf, wie stark die exzessive Ausbreitung von Convenience und die Denaturierung von Lebensmitteln eine Folge des erhöhten Wettbewerbsdruckes ist und die Rohstoffpreise immer tiefer sinken. Bieri rief den anwesenden Landwirten in Erinnerung, dass, wer ein Produkt in Händen hält, am Markt bestimmt. Sie müssten jetzt den Spiess umdrehen und sich zu einer Verhandlungsmacht, im Sinne eines Service-Pools, zusammenschliessen. Direktzahlungen seien nur Nothilfe, solange die bäuerlichen Einkommen nicht stimmen.

Verhandlungsmacht

Ziel müsste es sein, dass die Bauern als ein Vertragspartner auftreten und Gegendruck zum Oligopol der Abnehmer ausüben. Die Vision eines Service-Pools hat Bieri schon verschiedentlich präsentiert und festgestellt, dass ein pragmatisches Interesse besteht, sich auf Produzentenseite auch beim Absatz zu organisieren. Dass die Bauern mit dem Service-Pool auch erstmals das Marketing in ihrem und im Interesse der Konsumenten einsetzen könnten, diese Idee fand bei den anwesenden Thurgauer Bauern grosse Resonanz. In der Diskussion folgte der Einwand, dass es heute eines der grössten Probleme ist, das Marktangebot täglich oder wöchentlich in Erfahrung zu bringen. Gesucht sei eine Schnittstelle der Zahlen zwischen Disposition und Bedarfsfluss. Bieri räumte ein, dass hier viel «Knochenarbeit» nötig ist. Vor allem müsste für die Transparenz des Marktes auch eine Software geschaffen werden. Diese Übersicht zu bekommen sei die Voraussetzung für ein Marketing im Interesse der Bauern und der Konsumenten. Bieri ist für die Realisierung des Service-Pools zuversichtlich: «Ich denke, wir können bald auf freiwilliger Basis beginnen, wenn wir das organisatorische Problem der völligen Transparenz über das eigene Angebot gelöst haben.»

Isabelle Schwander