Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Sichere Holzernte im Bauern- und Privatwald

Ausgabe Nummer 50 (2017)

Viele private Holzer sind regelmässig bei der Holzernte oder dem Sammeln von Brennholz aktiv. Damit Holzen nicht zum Albtraum wird, braucht es eine gute Vorbereitung und Planung. Die Waldarbeit ist die gefährlichste Arbeit aller Branchen. Dies trifft umso mehr für diejenigen zu, die diese Arbeiten nur sporadisch erledigen.

Deshalb müssen die Sicherheitsregeln unbedingt eingehalten werden. Die meisten tödlichen Unfälle ereignen sich beim Fällen. Die hauptsächlichen Unfallursachen sind:
– Fallende Äste
– Ungenügende Sicherheitsdistanzen
– Ausschlagende Bodenstücke
– Aufreissen von Laubholz

Ausbildung und Fähigkeit
Sicheres Arbeiten lohnt sich immer. Wer im Wald arbeitet, braucht die nötige Erfahrung sowie die erforderliche Aus- und Weiterbildung. Vor jeder Arbeit muss man sich folgende Fragen stellen:
– Bin ich fähig, diese Arbeit sicher auszuführen, habe ich die nötige
   Ausrüstung?
– Kann ich die nötigen Fachkenntnisse erwerben?
– Muss ich die Arbeit einem Unternehmer übergeben, der die Arbeit
   professionell und sicher ausführt?
Wer an seinen Fähigkeiten zweifelt, soll den zweiten oder dritten Weg wählen. Ein solcher Auftrag kann auch an Forstunternehmer oder erfahrene und richtig ausgerüstete Landwirte erteilt werden. Das Eingehen von Risiken lohnt sich nicht. Zudem sind Forstunternehmer in der Lage, das Holz zu übernehmen. Wer Waldarbeiten durchführt, braucht minimale Kenntnisse über Gefahren und sichere Arbeitsweise. Diese Kenntnisse erwirbt man sich in einem Kurs und in Zusammenarbeit mit kompetenten Mitarbeitenden. Die Informationskampagne «Sicherheit im Privatwald» wird gemeinsam von BAFU, Suva, WVS und BUL getragen und vom BAFU unterstützt.
Interessierte finden das Kursangebot unter www. holzerkurse.ch und können sich dort auch online anmelden.

Forstarbeiten im Auftrag
Seit 1. Januar 2017 gilt schweizweit, dass wer Forstarbeiten für Dritte ausführt, mindestens zehn Tage Ausbildung nachweisen muss.
Dabei geht es um die Umsetzung des revidierten Waldgesetzes. Dies betrifft Arbeiten im Auftrag und gegen Entgelt. «Entgelt ist als Gegensatz von ‹unentgeltlich› zu verstehen. Es ist darunter also eine Gegenleistung in irgendeiner Form gemeint, sei dies Geld, Holz oder andere materielle Werte».
Werden die Arbeiten in einem Auftragsverhältnis durchgeführt, so ist das Absolvieren von insgesamt mindestens 10 Kurstagen gemäss Artikel 21a des Waldgesetzes (Stand 1. Januar 2017) obligatorisch. Dabei können die Kantone festlegen, ob sie für Teile des Kurses oder den ganzen Kurs Gleichwertigkeitsanerkennungen, zum Beispiel eine bestandene Kompetenzprüfung oder die Anerkennung nachgewiesener Praxiserfahrung, sei es für Teile des Kurses oder auch den gesamten Kurs, zulassen. Die Gesamtdauer von mindestens 10 Kurstagen kann auch Abschnitte von zum Beispiel zwei Mal fünf Tage betragen.
Eine Übergangsregelung (WaG Artikel 56 Absatz 3) gewährt den Auftragnehmerinnen und Auftragnehmern eine Frist von 5 Jahren (ab 1. Januar 2017), bis der Kursnachweis erbracht werden muss.

Sicherheitsmassnahmen beim Fällen und persönliche Schutzausrüstung
Das Fällen ist die gefährlichste Arbeit im Wald. Mehr als 50 % der tödlichen Unfälle ereignen sich beim Fällen.
Folgende Punkte müssen beim Fällen eines Baumes beachtet werden.
– Beurteilung des Baumes, der Umgebung, Totholz, Baumart und
   Arbeitsorganisation
– Fällrichtung, korrekte Fallkerbe
– Hilfsmittel zum Fällen, Seilwinde, Fällkeile, Anschlagmittel
– Warnung und Schutz Dritter, Warnsignale, Absperrungen
– Rückweiche
Das Tragen der persönlichen Schutzausrüstung im Forst ist nicht abhängig von der Witterung. Ob es sehr kalt, nass oder heiss ist, die persönliche Schutzausrüstung muss immer getragen werden.

Zur persönlichen Schutzausrüstung gehören:
– Forsthelm mit Gehör- und Gesichtsschutz, eventuell Nackenschutz
– Auffällige Forstbluse oder T-Shirt
– Schnittschutzhose
– Forstschuhe oder -stiefel
– Handschuhe
– Mit Vorteil funktionelle Unterwäsche

Unsicheres Arbeiten lohnt sich nie, denn niemand kann sich einen Unfall leisten. Die Internetadresse www.holzerkurse.ch vermittelt verschiedene Informationen und zeigt das Angebot an Holzerkursen zum sicheren Arbeiten im Bauern- und Privatwald. Die Broschüre der BUL «Holzernte und Brennholzverarbeitung » informiert umfassend über Sicherheit bei der Holzerei, «Sicherheit ist kein Zufall» enthält das Produktesortiment der BUL. Zudem sind mehrere Flyer zum Thema erhältlich.

Mehr Informationen und geeignete Ausrüstungen finden Sie unter www.bul.ch oder fragen Sie die BUL, Postfach, 5040 Schöftland, Tel. 062 739 50 40 oder E-Mail: bul@bul.ch.


Ruedi Burgherr
BUL Schöftland













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