Ausgabe Nummer 31 (2007)
Siesta für Schweine
Möglichkeiten der Abkühlung
Schweine schwitzen nicht, aber sie liegen gerne in den Schatten oder suhlen. Schattennetze und Duschen erleichtern ihnen das heisse Wetter.Schweine können nicht schwitzen, doch an warmen Sommertagen nehmen sie gerne ein Schlammbad und überziehen ihren Körper mit einer Schlammschicht, aus welcher noch lange nach dem Bad Wasser verdunstet. Damit entsteht genau derselbe Effekt wie beim Schwitzen.
Per Dusche oder Schlauch
Manchmal liegen Schweine voll in die Sonne und bekommen einen Sonnenbrand. Doch, wenn es wirklich heiss ist, suchen sie schattige Plätze auf. Ist der Auslauf mittels eines Schattennetzes bedeckt, halten sich die Tiere gerne dort auf, wenn noch ein kleines «Lüftli» geht. Zusätzlich hilft den Tieren eine Dusche, die Hitze abzugeben. Indem man Schweine mit Wasser besprüht oder einfach mit einem Schlauch abspritzt, erreicht man einen ähnlichen Kühleffekt wie beim Suhlen. Auch wenn das Wasser auf der reinen Haut schneller aufgebraucht ist als aus einer Schlammschicht, so hält die Wirkung doch erstaunlich lange an. Man kann das Duschen mittels eines Thermostaten und einer Zeituhr automatisieren. Versuche in einer Klimakammer zeigten, dass Duschen sehr wirkungsvoll ist und sich deutlich auf die Atmung und die Körpertemperatur auswirken kann. Ein dreimaliges Duschen an einem heissen Sommertag mit Temperaturen bis 32 °C reduzierte die Atemzüge pro Minute auf etwa einen Drittel (siehe Abbildung). Während bei denselben Umgebungstemperaturen die Körpertemperatur ohne Duschen um etwa ein halbes Grad Celsius anstieg, stieg sie mit Duschen nicht mehr an.
Luft kühlen
In geschlossenen Abferkelställen hat mancher aus hygienischen und gesundheitlichen Gründen Bedenken, die Tiere und die Bucht nass zu machen. Hier bietet es sich an, die Zuluft zu kühlen, indem man im Luftkanal Wasser zerstäubt. Dies ist aber nur bei relativ trockener Luft sinnvoll.Wird die Luft zu feucht, hindert das die Wärmeabgabe ebenfalls, obwohl die Luft etwas weniger warm ist. Eine Befeuchtung bietet sich zum Beispiel an, wenn die Luft 32 °C warm und 40 Prozent feucht ist, aber nicht bei 28 °C und 70 Prozent Feuchtigkeit.
Michael Götz, Dr. Ing.Agr., Eggersriet
Schweine sind hitzeempfindlich
Schweine, die sich nicht mit Wasser abkühlen können, kommen schnell an ihre Grenzen. Enge Platzverhältnisse erschweren die Wärmeabgabe zusätzlich. Es kann unerwartet schnell zu Abgängen kommen, Mastschweine fressen weniger und nehmen weniger zu. Säugende Sauen geben weniger Milch, abgesetzte Sauen werden später brünstig oder rauschen um. Auch die Samenqualität der Eber verschlechtert sich, was sich allerdings erst vier Monate später zeigt, wenn es weniger und kleinere Würfe gibt. Ausserdem beeinträchtigt Hitze das Immunsystem und macht die Tiere anfälliger für Krankheiten.

Ein Schattennetz über dem Auslauf schützt die Schweine vor direkter Sonnenbestrahlung und vor Sonnenbrand. (Bild: Jürgen Herrle)
