Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Januar 2018


Silagequalität ist entscheidend

Ausgabe Nummer 45 (2016)

Im April und Juni haben im Kanton Thurgau zwei Fälle von Botulismus für Schlagzeilen gesorgt: Auf einem Betrieb starben 68 Milchkühe und auf einem anderen Betrieb 250 Milchschafe. Dies sind die bisher gravierendsten in der Schweiz registrierten Fälle. Da es keine Behandlung für Botulinum-Vergiftungen gibt, liegt das Gewicht auf Vorbeugen und Vermindern der Botulismus-Gefahr. Seit diesen beiden Fällen wurde viel unternommen. Hier ein Rückblick, ergänzt mit allgemeinen Hinweisen zu möglichen Ursachen und vorbeugenden Massnahmen.

Wachstumsbedingungen von Clostridium botulinum?
In beiden Betrieben wurde als Ursache Tierkadaver in der Silage des ersten Schnittes 2015 vermutet, da auf einem der beiden Betriebe tatsächlich Überreste eines toten Tieres gefunden wurde. In einem Betrieb wurde das Grundfutter in einem Fahrsilo, im anderen in Siloballen konserviert. Die Tierkadaver müssen bereits beim Einsilieren in das Futter gelangt sein.
Unter Ausschluss von Sauerstoff haben Bakterien der Art Clostridium botulinum das Botulinum-Toxin, ein sehr starkes Gift, produziert. In beiden Fällen jedoch konnte weder das Bakterium noch dessen Toxin in der Silage nachgewiesen werden. Oft ist beim Auftreten der Symptome bei den Tieren die infizierte Silage bereits verfüttert. Falls die «gehäckselten» Tierkadaver verstreut im Futter liegen, ist die Suche nach dem Toxin im Futter wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
Die Sporen von Clostridium botulinum können nur in einem eiweisshaltigen Substrat unter anaeroben Bedingungen, bei hoher Feuchtigkeit und einem pHWert höher als 4,5 auskeimen und sich entwickeln (www.vetpharm.uzh.ch). Laboranalysen der Grassilage in den beiden betroffenen Betrieben im Kanton Thurgau haben ergeben, dass vereinzelte Proben einen erhöhten pH-Wert aufwiesen (pH-Wert von über 4,5), nur leicht angewelkt waren (TS-Gehalt um 30 % TS) und erhöhte Buttersäuregehalte zeigten. Dies könnte ein Hinweis sein, dass sich in einzelnen Futterpartien Clostridium botulinum vermehren konnte, obwohl der entsprechende Labornachweis nicht erbracht werden konnte. In beiden Betrieben wird allerdings grosser Wert auf eine gute Silagequalität gelegt. Dies zeigt, dass es (fast) jeden treffen könnte!
Übrigens wurde vereinzelt von Botulismus-Fällen in Betrieben ohne Silage berichtet, dies bei Dürrfutterund Grünfütterung. Ausserdem kann Botulismus auch wegen verunreinigtem Kraftfutter oder Wasser auftreten. Insgesamt stellt aber wohl Silage die grösste Gefahrenquelle dar.

Woran erkennen Sie gute Silage?

1. Geruch: Die Silage sollte aromatisch und leicht säuerlich riechen.
    Die Silage sollte keinen Buttersäuregeruch aufweisen. Ebenfalls
    weist eine muffige Geruchsnote auf fehlerhafte Silage hin.

2. Aussehen: Die Silage sollte normal bräunlich gefärbt sein, nicht
    gelblich oder dunkelbraun bis schwarz. Sie darf keinen Schimmel
    aufweisen und die Struktur sollte wie das Ausgangsmaterial
    aussehen, weder schmierig noch schleimig.

3. pH-Wert: Die Silage muss während des Gärprozesses ausreichend
    durchsäuert sein. Die pHWert- Absenkung hängt jedoch vom
    TS-Gehalt und der Intensität der Milchsäuregärung ab. Eine gute
    Silage sollte bei TS-Gehalten von unter 30 % einen pH-Wert um
    4,0, zwischen 30 und 45 % TS einen pH-Wert unter 4,5 und bei
    über 45 % TS einen pH-Wert unter 5,0 aufweisen.

Auf was muss beim Silieren geachtet werden?

1. Wildtiere schonen: Um die Wildtiere zum Verlassen der Flächen 
    zu veranlassen, sollte vor dem Mähen eine Flächenkontrolle
    gemacht werden (Kontakt mit dem Wildhüter aufnehmen) und
    am Vorabend durch Aufstellen von Flatterbändern oder
    Knistertüten das Wild gestört werden. Neuerdings werden auch   
    Drohnen mit Wärmebildkameras zum Aufspüren der Tiere
    eingesetzt. Die Flächen sollten von innen nach aussen gemäht
    werden, damit die sich auf der Fläche befindenden Tiere noch
    fliehen können. Aber auch mit diesen Massnahmen kann nicht
    garantiert werden, dass keine toten Tiere in die Silage gelangen!

2. Achtsamkeit bei der Futtergewinnung: Durch die immer grösser
    werdenden Arbeitsbreiten stellt dies immer höhere Anforderungen
    an die Konzentration und Beobachtung beim Mähen, Zetten und
    Schwaden, Tiere oder Unregelmässigkeiten zu sichten (Spuren,
    kreisende Vögel). Mähen am Vorabend gibt Füchsen oder Vögeln
    die Möglichkeit, Tiere zu holen.

3. Richtige Schnitthöhe wählen: Um das Risiko von Dreck und
    Tierkadavern in der Silage zu vermindern, sollten die Wiesen nicht
    zu tief gemäht werden. Schnitthöhen von über 7 cm sind
    anzustreben.

4. Wirksame Siliermittel einsetzen: Durch den Einsatz von
    wirksamen Siliermitteln bei nicht optimalem Ausgangsmaterial
    (zum Beispiel ungünstigem Wetter und deshalb geringem
    Anwelkgrad) kann die Entwicklung der Clostridien verhindert und
    die pH-Absenkung gefördert werden.

Tiere impfen?
Um das Risiko von Botulismus zu reduzieren, können Nutztiere geimpft werden. Die Impfung muss jedoch jährlich wiederholt werden. Eine Impfdosis kostet pro Tier zwischen 5 bis 6 Franken. Doch auch die Impfung schützt nur vor bestimmten Toxin-Typen und bietet daher keine hundertprozentige Sicherheit.

Massnahmen für den eigenen Betrieb treffen
Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob in den beiden Thurgauer Betrieben das Auftreten von Botulismus mit (noch) mehr Bemühungen um eine bessere Silagequalität hätte verhindert werden können. Sicher ist nur, dass ein gutes Silagemanagement und eine gute Silagequalität mit tiefen pHWerten sowie eine Impfung helfen, das Risiko von Botulismus zu minimieren. Auf jeden Fall sollte sich jeder Betrieb Gedanken zur Thematik machen, und je nach persönlicher Gewichtung der finanziellen, züchterischen und emotionalen Konsequenzen bei einem Befall die entsprechenden Massnahmen ergreifen!

Ueli Wyss, Agroscope, Posieux
Daniel Nyfeler, BBZ Arenenberg
Jenifer van der Maas, BBZ Arenenberg













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