Ausgabe Nummer 14 (2008)

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Silofreie Milchproduktion im Allgäu

Peter Romer ? Ein Schweizer Käser produziert im Allgäu silofreie Käsespezialitäten

«Es war bereits als Bub mein Traum, einmal eine Käserei zu besitzen, bei welcher die Landwirte am Gewinn mitbeteiligt sind», erklärt Peter Romer seinen Werdegang. Er wuchs im Kanton Bern auf und machte eine Käserlehre. Nach der Ausbildung ging er schon bald nach Deutschland, wo er bei einem grösseren Biomilchverarbeiter in Norddeutschland tätig war. 2003 suchte er per Inserat Landwirte, welche bereit waren, von Silomilch auf silofreie Produktion umzustellen. Er ist im Allgäu fündig geworden.

Unter Kapitalbeteiligung der acht Lieferanten gründete er die Bio-Käserei Wiggensbach. Jeder der acht Landwirte ist mit zehn Prozent und Peter Romer mit 20 Prozent am Unternehmen und dem Gewinn beteiligt.

95 Rappen Milchpreis
«Wir waren gezwungen, alles möglichst einfach zu halten. In der Schweiz sind die Käsereien als Mercedes ausgerüstet, wir fahren Volkswagen. Dafür werden die Anlagen im Gegensatz zur Schweiz in sechs Jahren abgeschrieben. Es ist unmöglich, die Marktverhältnisse von in zwanzig Jahren im Voraus zu sehen!», erklärt Peter Romer. «Wenn unsere Produkte im siebten Jahr nach der Investition noch nachgefragt werden, kann ich meinen Landwirten einen um sieben Cent höheren Milchpreis auszahlen. Das wird ab dem Sommer 2009 Realität. Wenn nicht, sind die Anlagen abbezahlt und wir könnten beispielsweise in die Glaceproduktion investieren. » Peter Romer hat in den vergangenen Jahren jeweils etwas über 50 Cents je Kilogramm Milch ausbezahlt. Das war so, als der konventionelle Preis bei 30 Cents war, und ist bei den aktuellen höheren Preisen immer noch so. Bei den belieferten Supermärkten wurden bewusst keine Preiserhöhungen durchgesetzt: «Der Handel ist brutal, wenn du ihn erpresst, wird die Retourkutsche umso stärker ausfallen. Wir setzten auf stabile Abnehmerbeziehungen », erklärt er seine Haltung.

Gewinnbeteiligung der Landwirte
Durch das Gewinnbeteiligungsmodell hat er es geschafft, die Landwirte in das gleiche Boot zu holen. Sie sehen, dass wir mit der Strategie Erfolg haben und sie sind ja auch am Gewinn beteiligt. Es leuchtet jedem ein, dass man bei einer höheren Eiweissausbeute mehr Käse verkaufen kann und somit auch mehr Einnahmen anfallen. So wurde zum Beispiel vereinbart, dass sowohl Braunvieh- wie Fleckviehbetriebe auf Kappa-Kasein-BB-Stiere setzen. Obwohl sie allesamt ehemalige Silobetriebe sind, können relativ strenge Qualitätsvorschriften eingehalten werden. Zu Beginn sei eine gewisse Unterstützung nötig gewesen. «Reine Formalitäten interessieren mich aber nicht. Das Resultat muss stimmen», erklärt Romer seine ergebnisorientierte Haltung. So werden fünf Gemelke zusammen abgeholt. Alle Landwirte überstünden die verlängerte Reduktasenprobe (1 Stunde) problemlos, und tägliches Abholen ohne nachweisbaren Qualitätsvorteil sei unwirtschaftlich!

Werbung mit Omega-3-Fettsäuren
Peter Romer kommuniziert die Vorteile silofreier Milch gegenüber seinen Kunden: «60 Gramm Käse aus silofreier Milch decken den Bedarf an Omega-3-Fettsäuren für den ganzen Tag!» Damit er so werben kann, ist mit den Lieferanten vereinbart maximal 300 kg Kraftfutter pro Kuh und Jahr zu verfüttern, da die Omega-3- Gehalte bei erhöhten Getreide- und Maisgaben abnehmen. Die Omega-3-Gehalte werden durch Analysen monatlich kontrolliert. Er gehe diesen Weg konsequent. Nur wenn man dem Kunden einen Mehrwert bieten könne, sei er auch bereit, mehr dafür zu bezahlen. Romers neuster Coup ist die Lancierung eines Käses aus Milch von Kühen mit Hörnern. Ein Allgäuer Arzt habe festgestellt, dass diese Milch für Milcheiweissallergiker verträglicher ist. Vorerst liefern drei kleinere Lieferanten Milch von gehörnten Kühen für die Käseherstellung. Auf die heftigen Zweifel der Thurgauer Besucher an dieser «Hornkuhmilch » entgegnet Romer: «Ob ich daran glaube ist sekundär. Ich weiss, dass der Absatz vorhanden ist und im Verkauf drei bis vier Euro je Kilogramm Käse an Mehrerlös realisiert werden können!» Höhere Preise seien in einem offenen Markt eben nur realisierbar, wenn man etwas produziere, dass nicht austauschbar sei.

LBBZ Arenenberg Fachstelle Nutztierhaltung Christof Baumgartner


Allgäuexkursion
Das BBZ Arenenberg führte am 11. März in Zusammenarbeit mit dem TMP eine Exkursion ins Allgäu durch. 65 Personen haben sich dabei über die Heuproduktion auf grösseren Betrieben und über die Vermarktung von deutschen silofreien Käsespezialitäten informiert.


Bergblumenkäse und Allgäuer Rosenblütenkäse:
Zwei der erfolgreichen Spezialitäten
der Käserei Wiggensbach. (zVg)
Bergblumenkäse und Allgäuer Rosenblütenkäse: Zwei der erfolgreichen Spezialitäten der Käserei Wiggensbach. (zVg)