Ausgabe Nummer 43 (2010)
Silomilch oder silofrei? Ws ist wirtschaftlicher
Jeder strategischer Entscheid zieht oft viele verschiedene Folgen nach sich, wie Einkommen, Arbeitsbelastung oder Marktposition. Die fi nanziellen Folgen, zum Beispiel vom Bau eines Laufstalles oder der Umstellung von silofreie Milchproduktion auf Silomilch, können meist relativ einfach abgeschätzt werden. Bei der Analyse der gut 60 Vollkostenrechnungen aus dem Kanton Thurgau der letzten drei Jahre kamen interessante Ergebnisse zu Tage: Silomilch oder silofreie Milchproduktion – wer macht das Rennen?
Die Frage «Welche Strategie ist für meinen Betrieb am erfolgversprechendsten?» ist zur Zeit hoch aktuell. Im Rahmen der auslaufenden Übergangsfrist der Tierschutzgesetzgebung per 31. August 2013 werden wir häufig um eine Beratung angefragt. Vor allem bei Betrieben mit einem im Jahr 2013 nicht mehr konformen Anbindestall stehen Diskussionen um einen Um- oder Neubau eines Laufstalles oder auch der Wechsel von silofreier Milchproduktion auf die Silofütterung im Vordergrund.
Silobetriebe sind grösser und effizienter
Der Durchschnitt der ausgewerteten Thurgauer Betriebe produzieren mit 245 500 kg verkaufte Milch deutlich mehr als der Thurgauer Durchschnitt von 185 000 kg oder gar der schweizerische mit 113 000 kg (siehe Tabelle). Dies ist bei der Betrachtung der Zahlen unbedingt mit einzubeziehen. Durch die Grösse verteilen sich die fremden und eigenen Strukturkosten auf mehr Milch, was die Kosten pro kg Milch reduziert – die Direktkosten sind davon nicht betroffen.
Silierkosten sind nicht zu unterschätzen
Die Silobetriebe weisen deutlich höhere Kosten für Futterbau, Futterzukauf und Lohnunternehmer und leicht tiefere Kraftfutterkosten auf. Bei den silofreien Betrieben schlagen die Kosten für Gebäude und Maschinen stärker zu Buche, die jedoch durch die tieferen Kraftfutter- und Futterbaukosten kompensiert werden können.
Tierarzt- und KB-Kosten senken
Auffallend ist, dass Silobetriebe mit Laufstall deutlich tiefere Kosten für Tierarzt und KB aufweisen, und dies ist statistisch signifi kant. Anbindeställe können mit diesen tiefen Kosten nicht mithalten. Die einfachere Silagefütterung und Laufstallhaltung könnte hier ihren Einfl uss bemerkbar machen. Die Tierarztkosten scheinen eine «Zeigerpfl anze» zu sein. Mehr dazu im nächsten Artikel.
Break-even bei gut 80 Rappen
Für den Vergleich der verschiedenen Systeme ist der Break-even ausschlaggebend. Dieser Wert berechnet sich aus den Vollkosten, abzüglich den Einnahmen aus Tierverkauf und Direktzahlungen. Die verbleibenden Kosten (= Break-even) sind die Produktionskosten, die noch durch die Einnahmen aus dem Milchverkauf gedeckt werden müssen. Sind diese höher als der Break-even, wird ein Stundenlohn erreicht, der höher liegt als die eingesetzten 28 Fr./Stunde wie beim eigenen Lohnanspruch. Im Gegensatz zum Arbeitsverdienst bleibt der Break-even vom Milchpreis unbeeinfl usst. Betriebe, die wenig Tiere zukaufen und viele verkaufen (= positive Tierbilanz), können dadurch ihren Break-even stark senken. So können diese Betriebe auch bei einem tieferen Milchpreis ihren Arbeitsverdienst wieder verbessern.
Mehrarbeit im Anbindestall wird nicht entlöhnt
Betriebe mit Anbindestall und Silomilch sind zwar etwas produktiver als ihre silofreien Kollegen und haben einen vergleichsweise tiefen eigenen Lohnanspruch. Sie können jedoch die deutlich höheren Kosten, verursacht durch das Silieren (Futterbau/Lohnunternehmer, Gebäude-, Maschinenkosten) nicht kompensieren. So belaufen sich die fremden Strukturkosten durch die Investition in Siloanlagen auf durchschnittlich über 58 Rappen! Gleich hohe Vollkosten wie silofreie Betriebe, ein tieferer Milchpreis führt zu einem sehr tiefen Arbeitsverdienst von nicht einmal 3 Fr./AKh – und dies für alle Betriebe in dieser Gruppe, ohne Ausnahme.
Eine konsequente Umsetzung der gewählten Strategie ist viel entscheidender als die Wahl der Produktionsrichtung. Ob Silo oder silofrei ist aus Sicht der Produktionskosten nicht von Belang, solange sie zur Betriebsausrichtung passt. Werden auf einem silofreien Betrieb ohne Vergrösserung auf Silo umgestellt und Siloanlagen erstellt, verteuert dies die Milchproduktion wesentlich. Gute vorausschauende Planung mit Überschlagsrechnungen ist das A und O. Möchten Sie detailliertere Angaben zu Ihrer Milchproduktion haben? Die Berechnung der eigenen Produktionskosten lohnt sich in jedem Fall.
BBZ Arenenberg, Jenifer van der Maas

