Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Juli 2018


Simon Mayer setzt auf die Zucht von Shrimps

Ausgabe Nummer 25 (2017)

Die Zucht von Shrimps ist anforderungsreich und birgt viele Überraschungen. Simon Mayer hat in Zuben trotzdem den Schritt in diesen Betriebszweig gewagt. Auch wenn noch nicht alles rund läuft, die Qualität stimmt.

Kaum hat Simon Mayer seine Shrimps-Anlage in Zuben betreten, wirkt er verändert, ernsthafter als vorher. Es wird spürbar, dass ihm seine Shrimps am Herzen liegen, sie nicht nur ein Verdienst sind, sondern Lebewesen, um die er sich kümmert. Er beobachtet die Baby-Shrimps in den zwei runden, kontrolliert die Grösseren in den vier rechteckigen Aufzuchtbecken. Die Tiere machen ihm Freude, gedeihen unterdessen in der Regel gut. «Vor allem wenn die Fühler länger sind als der Körper, ist das ein gutes Zeichen», erklärt er.

Feinstoffliche Ebene
Ganz so problemlos verläuft sein «Unternehmen Mayer Shrimps» allerdings nicht. «Am Anfang verendeten drei Besätze», sagt Mayer. «Wo der Grund lag, weiss ich bis heute nicht, denn vom Wasser über das Salz bis zum Futter stimmte alles.» Als Ablenkung von der grossen Enttäuschung reiste er nach Brasilien. Auf dem Rückflug wurde ihm plötzlich klar, wie hektisch und nervös das Leben normalerweise ist. «Ich erkannte, dass dadurch negative Schwingungen entstehen, die für so empfindliche Tiere wie die Shrimps ein Problem sein können.» Er machte sich deshalb ans Werk und liess nach und nach eine Wohlfühloase entstehen, in der zur Hauptsache Ruhe galt. Das hiess auch, dass er keine Besucher mehr in die Anlage liess. Seine Shrimps dankten es ihm mit ihrer Gesundheit. «Diese Erfahrung zeigte mir deutlich, dass die ganzheitliche Ebene extrem wichtig ist.»
Trotz der erfreulichen Wende musste er im vergangenen Jahr ein zweites Mal Verluste hinnehmen. Eine Woche lang wusste er weder ein noch aus, weil wieder Tiere verendet waren. Immerhin fand er diesmal heraus, dass die Wasseraufbereitung der Grund gewesen war. Und letztlich profitierte er von der Krise, weil er wieder vieles gelernt hatte.

Dankbar und erleichtert
Eine besondere Erfahrung machte Mayer bei der ersten Ernte. «Als ich die Shrimps töten musste, weinte ich während drei Stunden ununterbrochen, weil so viele Gefühle zusammenkamen», erzählt Mayer schmunzelnd. «Nach sechs Monaten intensiver Arbeit empfand ich grosse Dankbarkeit, Erleichterung und Freude. Die Angst fiel von mir ab. Mit verheulten Augen lieferte ich meine ersten Shrimps bei Globus ab. Noch heute necken mich meine Abnehmer damit. » Das stört ihn nicht, denn er hat sein Ziel erreicht. Er kann Tiere abliefern, die er mit Respekt und Freude grossgezogen hat. Er spricht von der Reinheit seiner Shrimps mit einem höheren Nährwert, obwohl er das nicht beweisen könne. Umso härter trifft ihn nach einem Jahr Erfolg der erneute Verlust zweier Besätze diesen Frühling. «Wahrscheinlich liegt es wieder an der Wasseraufbereitung. Eine meiner grössten Herausforderungen ist sowieso das Element Wasser, in dem die Shrimps leben und das für uns Menschen eigentlich fremd ist.»

Positiv denken
Der Aufbau seiner Shrimpsfarm hielt für Simon Mayer aber noch weitere Lektionen bereit. Er erzählt von Existenzängsten, die durch die Rückschläge ausgelöst worden waren. «Ich habe mich mit aller Kraft und allen Ressourcen in dieses Projekt begeben», sagt der 33-Jährige. «Ein Zurück gab und gibt es nicht. Deshalb musste ich lernen, meine Existenz nicht nur über das Geld zu definieren und nach vorne zu schauen.» Das heisst, dass er positiv denkt, ohne in Träumereien zu verfallen. Das ebnet ihm den Boden für Visionen und weitere Projekte.


Martin Brunner










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