Ausgabe Nummer 25 (2005)
Sinnlicher Garten
Familienleben
Sinnlicher Garten
Kennen Sie Ihre fünf Sinne? H...n, S...n, R.....n, S......n, T....n?
Wer einen Garten besitzt oder baut, sollte auch unsere fünf Sinne mit einbeziehen. Hier haben wir unvergleichliche Voraussetzungen, Orte zu schaffen, wo Menschen ihre Sinne spüren, üben und weiterentwickeln können.
![]() |
Nicht das Auge sieht, sondern der Mensch sieht. Nicht das Ohr hört, der Mensch hört (Hugo Kükelhaus 19001984). (LBBZ) |
Nehmen wir an, wir gehen für den Einkauf in die Stadt und laufen geraden, hindernisfreien und ebenen Strassen entlang, betrachten fast immer gleiche, helle Schaufenster und lassen uns von leiser Hintergrundmusik berieseln. Schon nach einer guten Stunde sind wir ermattet, lustlos und gereizt. Was uns erschöpft, sind gleichförmig erzwungene Reize, die auf uns einwirken. Im Gegensatz dazu ist man erfrischt, wenn man eine Stunde in einem Park oder Garten verweilt. Was uns erfrischt ist das immerwährende neu zu Entdeckende in einem Garten. Ein Garten ist nie gleich, er verändert sich in den Jahreszeiten, aber auch im Rhythmus von Tag und Nacht.
Erst der Gang auf zwei Beinen macht die Hände und Arme zum Tasten und Greifen frei. Ohne dass wir es merken, haben wir eine hohe Fähigkeit entwickelt, nur durch das Erfühlen und Tasten Dinge zu erkennen. Warum also nicht mit verbundenen Augen den Garten erkunden und die wundersame Welt der Pflanzen mit dem Tastsinn neu zu entdecken? Ähnlich wie das Tasten und Fühlen wurde beim aufrecht gehenden Menschen die Orientierung mittels Geruch durch das Sehen ersetzt. Die Nähe zum riechenden, aber auch zum schmeckenden Gegenstand tritt nur im gelegentlichen Wechsel mit einer Erfahrung durch den Blick, der schon von weitem Wichtiges zu erkennen vermag, wieder in den Kreis unserer Orientierungs- und Bestimmungsfähigkeit ein. Doch das nur «Gesehene» ist meist nur die halbe Information! Geschmack und Geruch lassen uns sehr viel genauer erkennen, was wir gerade erfahren. Düfte und Gerüche vergessen wir auch nur selten, Gesehenes aber sehr schnell. Wer also einmal den Duft eines Salbei oder den Geschmack von Erdbeeren erfahren hat, wird ihn ohne diese Pflanze zu sehen, jederzeit wieder erkennen. Der Garten ist ein idealer Raum, unseren Sinnen neu zu begegnen, sie neu zu erkunden und zu entdecken.

