Ausgabe Nummer 44 (2009)
Situation und Bekämpfung der Maikäferengerlinge
Kontrollen an den Frassbäumen der Maikäfer, in erster Linie Eichen und Buchen, haben in den letzten zwei Flugjahren ein eher diffuses Bild der Populationsdichte vermittelt. Örtlich kann von einer Zunahme gesprochen werden. Dies zeigt sich auch in den Schadensmeldungen. Die Engerlingsdichte sollte jetzt in den betroffenen Parzellen durch Grabungen ermittelt werden, damit im Frühjahr klar ist, ob gezielte Massnahmen notwendig sind.
Tendenzielle Zunahme der Maikäfer und Engerlinge
Sowohl im Gebiet des Urnerflugs im oberen Thurgau, Flugjahr 2009, als auch im Berner Fluggebiet (Eschenz, Mammern, Herdern, Lanzenneunforn, Hörhausen, Pfyn), Flugjahr 2008, stellte der Pflanzenschutzdienst fest, dass sich die Intensität des Maikäferfrasses an den Bäumen mit Aus-nahme einiger exponierter Lagen eher abgeschwächt hat. Allerdings wurden an verschiedenen Stellen besonders die Eichen abgeholzt, so dass sich lokal Verschiebungen im Frassverhalten (z.B. weg vom Waldrand ins Innere) ergeben konnten. Örtlich war jedoch auch eine intensivere Frasstätigkeit am Waldrand festzustellen. Aussagen betroffener Landwirte decken sich mit unseren Beobachtungen und lassen den Schluss zu, dass die Maikäferpopulation an verschiedenen Orten lokal eher wieder zunimmt. Bis jetzt sind die Engerlingsschäden noch oft sehr lokal und örtlich begrenzt.
Befallssituation durch Grabungen ermitteln
Im Gebiet des Urnerflugs konnten lokal bereits diesen Spätsommer und Herbst Engerlingsschäden in Wiesen beobachtet werden. Gefährdet sind besonders südexponierte Standorte und Stellen mit leichten, sandigen Böden. Allfällige Schäden werden sich im 2010, dem Hauptschadenjahr, noch stärker zeigen. Da auch in Obstanlagen bereits wenige Engerlinge ausreichen, um bleibende Schäden zu verursachen, lohnt es sich, die Besatzsituation in jedem Fall genau abzuklären. Um die Anzahl Engerlinge pro m² zu ermitteln, sind Grabungen nötig. Pro ha sind in der Diagonalen mindestens 4 Löcher, 50 x 50 cm und 40 cm tief, vorzunehmen. Die Tiefe von 40 cm ist nötig, da sich die Engerlinge in die Tiefe gegraben haben. Das Resultat pro Loch mal 4 ergibt die Anzahl Engerlinge pro Quadratmeter. In Obstanlagen werden die Grabungen in den Fahrgassen gemacht. Sie sind besonders dort zu empfehlen, wo Hagelnetze fehlen und im Frühjahr nicht mit Bodennetzen abgedeckt wurde und wo ein starker Flug beobachtet wurde oder optisch bereits Schäden erkennbar sind.
Aktion 2010: Einsatz von Beauveria-Pilz auf gefährdeten Parzellen
Der Einsatz des Beauveria-Pilzes durch Säen mit geimpften Gerstenkörnern ist ein teures Verfah-ren und macht nur bei einer durchschnittlichen Dichte ab 8-10 Engerlingen pro m² in Spezialkultu-ren respektive ab 20 Engerlingen pro m² in Wiesen Sinn. Je höher die Engerlingsdichte, desto besser und schneller kann sich der Pilz aufbauen. Die Behandlungen werden im April 2010 mit der beim Kanton vorhandenen Spezialsämaschine durchgeführt. Die geimpften Gerstenkörner werden aus dem Pflanzenschutzfonds finanziert. Für die Behandlung wird ein Unkostenbeitrag von pauschal Fr. 100.-- pro ha verlangt. Es können nur einigermassen befahrbare Flächen behandelt werden. Jeder Landwirt ist selber verantwortlich, dass Problemparzellen behandelt werden. Da das Impfmaterial nicht einfach von heute auf Morgen zur Verfügung steht, ist ein koordiniertes Vorgehen erforderlich. Landwirte, welche Flächen mit dieser Methode behandeln möchten, füllen bitte den angehängten Talon aus, welcher spätestens am 30. November beim Pflanzenschutzdienst eintreffen sollte.
Schäden in Obstanlagen bei Neupflanzung vermeiden
Leider stehen zur direkten Bekämpfung keine flüssigen Mittel mehr zur Verfügung. In gefährdeten Parzellen sollte deshalb beim Vorhandensein von Engerlingen vor dem Pflanzen Marshal 10G gemäss Gebrauchsanleitung eingesetzt werden.
Die Erstellung von Hagelnetzen im Engerlingsgebiet wird weiterhin als Vorbeugemassnahme mit einem Beitrag von Fr. 20.- pro Are aus dem Pflanzenschutzfonds unterstützt. Bei der Neuerstellung einer Anlage empfehlen wir, die Bäume und das Vorhaupt einzunetzen. Dies hat Vorteile bei der Applikation (weniger Wind) und bei der Anwendung der Verwirrungstechnik. In Versuchen re-sultierte auch ein geringerer Feuerbrandbefall. Bei einer Volleinnetzung sollte man sich bereits jetzt über den Einsatz von Bienenvölkern oder Hummeln Gedanken machen.
Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
BBZ Arenenberg, Pflanzenschutzdienst
Urs Müller / Hermann Brenner
