Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Smart Farming auf Augenhöhe

Ausgabe Nummer 40 (2017)

Kürzlich wurde der Kickoff der Swiss Future Farm in Tänikon (TG) von drei recht unterschiedlichen Partnern und ihren Gästen gefeiert. Im Projekt, das die landwirtschaftliche Digitalisierung praxisnah erforschen und erproben soll, haben sich die öffentliche Hand, ein Schweizer Unternehmen sowie ein Weltkonzern gefunden.

So strahlend wie der Himmel über dem Tänikoner Versuchsbetrieb, so gut gelaunt zeigten sich am 21. September 2017 auch die gastgebenden Vertreter des Kantons Thurgau, der GVS Agrar AG sowie der Agco Corporation. Ueli Bleiker, Chef des Landwirtschaftsamts Thurgau, Martin Huber, Direktor des BBZ Arenenberg, GVS-Geschäftsleiter Ugo Tosoni sowie Rob Smith, Senior Vice President und General Manager Europa/Mittlerer Osten Agco sowie ihre Teams, hatten die Tagung mit grossem Engagement vorbereitet. Schliesslich konnten sie ihren Gästen den Startschuss zu einem Projekt präsentieren, das europaweit einzigartig sei. Smart, Precision oder Digital Farming, also digital vernetzte Landwirtschaft, soll auf dem Versuchsbetrieb in Tänikon in der Praxis erprobt, weiterentwickelt und vorgeführt werden. Bauern können so direkt auf einem echten Landwirtschaftsbetrieb erfahren, welche Möglichkeiten es gibt, ihren Betrieb punkto digitaler Vernetzung individuell vorwärtszubringen. Belegt werden soll in Tänikon auch der Nutzen, der generiert werden kann, wenn die öffentlichen Hand und private Unternehmen zusammenspannen.

Weltweit führend punkto Hightech
Die Agco Corporation, zu der unter anderem die Marken Fendt, Massey Ferguson und Valtra gehören, ist nach eigenen Angaben weltweit führender Entwickler, Hersteller und Vertreiber von Hightech-Lösungen in der Agrarbranche. 2016 belief sich der Jahresumsatz des Konzerns auf 7,4 Mia. US-Dollar. Mit dem Projekt «Fuse» will Agco die digitale Landwirtschaft künftig für alle landwirtschaftlichen Bereiche rund ums ganze Jahr optimieren und vereinfachen. Der Hauptsitz der Tochterfirma Agco EME liegt seit zehn Jahren in der Ostschweiz.

Marktleader in der Schweiz
Die GVS Agrar AG als Tochterfirma des Landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbands Schaffhausen (GVS) arbeitet mit Agco zusammen. Sie ist schweizweit für den gesamten Service, den Vertrieb sowie Import aller Agco-Marken zuständig. Das Schaffhauser Unternehmen ist Marktleader im Import und bei der Herstellung von Landmaschinen in der Schweiz. Es bringt national ein Netzwerk von 140 privaten und eigenen Stützpunkten ein.

Forschungsstandort nicht verlieren
Nachdem der Bund 2014 bekanntgegeben hatte, den Landwirtschaftsbetrieb in Tänikon nicht länger weiterführen zu wollen, setzten sich der Kanton Thurgau und das kantonale Berufsbildungszentrum BBZ Arenenberg dafür ein, den praxisnahen Forschungsansatz in der Ostschweiz nicht zu verlieren. Im August 2016 wurde dem Kanton die Pacht des Betriebs zugesprochen. Bewirtschaftet wird dieser durch das BBZ Arenenberg, etwa im gleichen System wie der BBZ Obstbauversuchsbetrieb Güttigen. Gemeinsam mit GVS Agrar und Agco steuert der Thurgau nun den Versuchbetrieb der digital vernetzten Zukunft zu – dies für alle Interessierten der Branche. Bei der Swiss Future Farm handle es sich nicht um eine «Verkaufsveranstaltung» der involvierten Privatfirmen, stellten die Organisatoren klar. Gesucht werden vielmehr Lösungen für digitale Schnittstellen, die möglichst vielen Anwendern markenunabhängig Nutzen bringen.

Die Partner fanden rasch zusammen
Das Tempo, in dem das Projekt aufgezogen wurde, ist beachtlich. Auf Anfang 2017 konnte das BBZ Arenenberg die Pacht des Versuchsbetriebs mit 81 Hektaren Nutzfläche, 65 Milchkühen sowie 55 Mutterschweinen übernehmen. Bereits im August 2017 war das Konzept des Projekts aufgegleist und von allen beteiligten Parteien abgesegnet. Schon sind neben der Betriebsbewirtschaftung Arbeiten als Grundlage für Forschung und Entwicklung im Gang: Frühere Felddaten und die Ohrmarken wurden eingelesen, die Betriebsbereiche vernetzt. Nun wird die digitalisierte Datenerfassung auf dem Feld und im Stall sichergestellt und erste Smart Farming-Projekte werden ausgearbeitet. Für die Bundesanstalt Agroscope, die weiter in Tänikon tätig ist, werden Daten als Forschungsgrundlage bereitgestellt.

«Digital Natives» als Führungscrew
Die Führung der Swiss Future Farm wurde in junge Hände gelegt. Florian Abt vom BBZ Arenenberg ist Verantwortlicher für Datenmanagement und Wissentransfer in Schulen und in der Beratung. Marco Landis hat bei GVS Agrar die Verantwortung für die Sparte Landwirte und Technik inne. Agraringenieur Nils Zehner bringt seitens der Agco unter anderem sein Know-how bezüglich Precision Farming ein. Bis anhin von Führungskräften der drei Partner «gecoacht », werden die drei nun in Tänikon den landwirtschaftlichen Weg in die digitale Zukunft ebnen.

GPS ist echte Entlastung
Am Kickoff-Tag informierten sich auch Landwirte aus verschiedenen Gremien zur Swiss Future Farm. «Es ist eine gute Sache», erklärte ein Praktiker aus den Besucherreihen zum Projekt. «Die Digitalisierung wird in der Landwirtschaft ohnehin auf uns zukommen, ob wir wollen oder nicht. Es ist sinnvoll, auf einem solchen Betrieb Erfahrungen zu sammeln und diese an die Landwirtschaft, die Landtechnikbranche sowie die Beratung weiterzugeben. Sie alle können davon profitieren.» Der Bauer aus dem Nachbarkanton hat mit der Digitalisierung auf dem Feld bereits Erfahrung: Der eine Traktor des Betriebs wird mit GPS gesteuert. «GPS würden wir nicht mehr missen wollen», hält er fest, «das ist keine Spielerei, sondern vor allem für den Fahrer eine echte Entlastung. » Möglichkeiten werden erlebbar Der Präsident eines Ostschweizer Bauernverbands ist ebenfalls überzeugt vom Ansatz in Tänikon: «Ich habe vom Kickoff-Anlass und auch vom Projekt an sich einen sehr positiven Eindruck bekommen. Das starke Engagement der drei Partner, die sich gefunden haben, ist spürbar. Für die Bauern ist es wertvoll, wenn Möglichkeiten der Digitalisierung eins zu eins aufgezeigt werden können. Man wird hier präsentieren, in welche Richtung die Entwicklung auf den Betrieben gehen kann, auch wenn diese nicht alles übernehmen werden.»


Sanna Bührer Winiger







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