Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Sonnenblumen-Sortenversuch 2014 mit verhaltenem Ertrag

Ausgabe Nummer 45 (2014)

Die Branchenorganisation Swiss Granum hat für Sonnenblumen mit den Ölmühlen eine jährliche Vertragsmenge von 18 000 Tonnen ausgehandelt, wovon maximal 12 000 Tonnen ölsäurereiche Sorten sind. Diese Kontingente, welche Agrosolution, Zollikofen, verteilt, werden aber mit rund 3900 Hektaren Anbaufläche nur zu Dreiviertel ausgeschöpft. Im Thurgau bauen rund 100 Produzenten 230 Hektaren Sonnenblumen an.

Bei der Versuchsbesichtigung vom 13. Juni 2014 und der anschliessenden Vorernteversammlung der Getreide Mittelthurgau AG in Märstetten wurde darüber berichtet. Den Landwirten wurden die Vorzüge und auch Herausforderungen dieser Kultur in der Fruchtfolge aufgezeigt. Hier ist nun das Versuchsergebnis dieses Standortes, integriert in die vier Forum-Ackerbau- Standorte. Hanspeter Büchi, Boltshausen, danken wir für seine tatkräftige Unterstützung bei diesem Versuch.

Versuchsfrage:
Vergleich verschiedener Sonnenblumensorten

Standorte:
Möhlin AG (Liebegg), Humlikon ZH (Strickhof), Märstetten TG (Arenenberg), Stetten SH (Charlottenfels)

Anbaudaten:
Sorten ESL: Sanluca, LG 5380, LG 5450 HO, SY Valeo HO.
Prüfsorten «normal»: LG 5377, NK Delfi, ES Columbella, MAS 83 R.
Prüfsorten HO: PR64HE01, ES Atletic, ES Baltic.
Saat: 56 000 bis 65 000 Körner pro Hektare, zwischen 31. März und 16. April 2014, randomisierte Sortenstreifen.
Verfahren: ortsübliche Bewirtschaftung.
Ernte: zwischen 15. und 27. Sepgtember 2014.

Verhaltene Erträge
Der Durchschnittsertrag lag 2014 mit rund 29 dt/ha unter dem Mittel vergangener Jahre. So lieferten die altbekannten Sorten von der empfohlenen Sortenliste (ESL) Sanluca, LG 5380 und LG 5450 HO mit 26,5 dt/ha rund 16 Prozent weniger Ertrag als in der letzten Sonnenblumenversuchsreihe von 2008 bis 2010 mit 31,5 dt/ha. Auch der Grundlagenbericht des BLW rechnet in der Periode 2011 bis 2013 mit 35,9 dt/ha Ertrag. Die Spannweite bei den Standorten und Sorten waren aber beträchtlich. So belief sich das Versuchsmittel in Humlikon auf 36,2 dt/ha (Sortenmittel von 28,7 bis 44,1 dt/ha), während es in Stetten nur 21,3 dt/ha betrug (Sortenspanne von 11 dt/ha bis 34,6 dt/ha).
Die Prüfsorte NK Delfi erreichte mit 37,6 dt/ha den höchsten gereinigten Ertrag bei 6 Prozent Feuchtigkeit. Sie rangierte an drei von vier Standorten an der Spitze, war aber mit 12,9 Prozent Feuchtigkeit auch am nassesten, was auf eine spätreife Sorte schliessen lässt. Da die Frühreife ein wichtiges Kriterium bei der Sortenauswahl ist, muss sie sich in den kommenden Versuchsjahren diesbezüglich noch bewähren. Alle «normalen» Prüfsorten übertrafen die bisherigen Normalsorten der ESL. Die HO-Sorten wiesen gegenüber den Normalsorten ein tieferes Ertragsniveau aus. Dies wird aber bekanntlich mit einem besseren Produzentenpreis am Markt ausgeglichen (Fr. 90.–/dt gegenüber Fr. 80.–/dt durchschnittliche Produzentenpreise swiss granum 2014). Die Prüfsorte MAS konnte wegen verspäteter Saatgutlieferung nur an zwei Standorten gesät werden, ihr Ertrag lag dort im Mittelfeld. Die tieferen Erträge von Sanluca und ES Baltic können zum Teil auch darauf zurückgeführt werden, dass wegen ihrer Frühreife bis zum Erntetermin schon etliche Körner zu Boden gefallen waren.

Erntefeuchtigkeit wiederspiegelt die Frühreife
Der Vegetationsbeginn war 2014 früh. So konnte am 31. März schon der erste Sonnenblumenversuch gesät werden. Bis auf den Standort Märstetten (16. April 2014) waren die Versuche mindestens eine Woche früher im Boden als üblich. Das liess auf ein gutes Sonnenblumenjahr hoffen. Das wechselhafte und feuchte Wetter in den folgenden Monaten verursachte aber mehr Krankheiten. Geerntet wurde dann zur ähnlichen Zeit wie andere Jahre.
Die gemittelte Erntefeuchtigkeit betrug 10,6 Prozent, mit Standortmittelwerten von 9 Prozent (Stetten, Ernte unter ausgezeichneten Bedingungen am 27. September 2014) bis 11,6 Prozent in Humlikon (Ernte 17. September 2014). Am trockensten war oft die Sorte Sanluca (am Standort Stetten 7,6 Prozent), am feuchtesten die Sorte NK Delfi am Standort Humlikon mit 16,5 Prozent. Die weitgehende Parallelität zwischen Ertrag und Erntefeuchtigkeit zeigt, dass es schwierig ist, einen Ertragsfortschritt ohne Risiko der Spätreife zu erreichen.

Beobachtungen besonderer Art
An zwei Standorten wurde die Pflanzenlänge gemessen. Die kürzeste Sorte war Sanluca, die längste ES Atletic (+ 50cm). Diese Sorte fiel am Standort Stetten mit einer reichen Verzweigung auf.
Während die Krankheiten Phoma und Phomopsis bei allen Sorten etwa in ähnlichem Umfang auftraten, gab es bei Sklerotinia doch bedeutende Unterschiede. Zum einen waren die Sorten Sanluca und ES Baltic bedeutend stärker von Sklerotinia betroffen. Dies möglicherweise, weil die Krankheit wegen der Frühreife und der für diese Sorten eher zu späten Ernte länger Zeit hatte, sich auszubilden. Zum anderen gab es gewaltige Standortunterschiede.
Diese und weitere Informationen werden an der Forum Ackerbautagung vom 19. November 2014 an der Rütti, Zollikofen mitgeteilt. Siehe «Agenda» und «Thurgauer Bauer», Nr. 41 vom 10. Oktober 2014. Sie sind dazu herzlich eingeladen.


BBZ Arenenberg,
Acker- und Futterbau,
Paul Wirth













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