Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
5. Oktober 2018


Sortenempfehlung

Ausgabe Nummer 37 (2014)

Eine durchdachte, an den Standort und den Betrieb angepasste Sortenwahl zahlt sich aus. Einerseits soll der Fortschritt bezüglich Ertrag, Qualität, Krankheitsresistenzen, usw. genutzt werden. Andererseits muss eine Sorte zur Anbauintensität und Standort passen. Letzteres kann nur aufgrund von Erfahrungen des Betriebsleiters beurteilt werden. Die anderen Informationen können aus Sortenversuchen und Sortenlisten entnommen werden. Für die Weizenaussaat 2014 können folgende Empfehlungen gemacht werden:

Klasse Top
Runal bringt mittlere, sichere Erträge und gute HLG, eignet sich vor 
   allem für den Extenso-/IPSAnbau an Standorten mit geringem
   Auswuchsrisiko.
Titils hat sich mit sicheren Erträgen und guten HLG über Jahre
   bewährt und ist zudem kaum gefährdet für Auswuchs. Wie Runal v.a.
   für Extensoanbau geeignet.
Siala ist ertragsstark, standfest, frühreif und liefert gute HLG. Bei IP-
   Suisse in der Klasse I eingeteilt.
Fiorina (begrannt), ein Sommerweizen mit guter Winterhärte und
   sehr gutem Ertrag und Qualität. Trotz geringem Auswinterungsrisiko
   sind Spätsaaten zu bevorzugen. Da die Sorte als Winterweizen nicht
   klassiert ist, ist eine Absprache mit dem Abnehmer zwingend
   notwendig. 2014 Durchbruch von neuen Gelbrost-Stämmen.
CH Claro viele Ähnlichkeiten mit Siala, etwas mehr Ertrag, auch im
   Extenso. Das HLG ist mässig. Wenig anfällig auf Braunrost und
   Ährenfusarien, eher anfällig auf Septoria-Blattdürre.
   2014 Durchbruch von neuen Gelbrost-Stämmen. Protein deutlich
   tiefer als Molinera, Lorenzo oder Runal.
CH Nara übertrifft einerseits Runal knapp im Extenso- Ertrag,
   andererseits Siala in der Backqualität. Dank gutem HLG und guten
   Krankheitsresistenzen (insbesondere Mehltau) sehr gut für Extenso
   geeignet. Sehr gute Standfestigkeit. Bestockungsschwach, deshalb
   etwas dichter säen von Vorteil.
CH Camedo liegt im Ertrag zwischen Runal und Claro bei ähnlichem
   Hektolitergewicht. Dank guten Krankheitsresistenzen ist die Sorte für
   den Extenso gut geeignet. Die Backqualität ist gut, bei
   Proteingehalten im Bereich von Claro.
Molinera (begrannt) erreicht im Ertrag in etwa Runal.
   Die Extensosorte ist vor allem wegen ihrer ausgezeichneten  
   Backqualität gesucht, bei mittleren Krankheitsresistenzen.
   Wegen einer Schwäche beim HLG im Extenso nicht für
   alle Standorte geeignet.
Lorenzo übertrifft Molinera und Runal im Ertrag und weist gute
   Krankheitsresistenzen auf. Auch Lorenzo gilt als Hochqualitätssorte
   und wird für den Bioanbau vermehrt.

Klasse I
Zinal ist ertragsstark, erreicht gute HLG und ist für beide
   Anbauintensitäten geeignet. Bei IP-Suisse in der Klasse
   II eingeteilt.
CH Combin (begrannt) ist die ertragsstärkste Sorte in der
   Klasse I bei guter Resistenz bei Braunrost, etwas schlechter bei
   Septoria-Blattflecken. Wegen einer Schwäche beim HLG im
   Extenso nicht für alle Standorte geeignet.
Forel ist für Extenso und ÖLN geeignet. Er hat gegenüber Zinal
   Vorteile in HLG, Standfestigkeit, geringer Auswuchsgefahr,
   Resistenzen für Mehltau und Spelzenbräune. 2014 leichter
   Resistenzdurchbruch bei Gelbrost.
Arina bringt im Vergleich nur mittlere Erträge, allerdings mit
   sehr hohem HLG, gefragter Qualität und guter Fusariumresistenz.
   Ein Anbau empfiehlt sich bei intensivem Anbau und einer Nachfrage
   durch die Abnehmer.
Suretta bringt sehr gute Feuchtglutenwerte und ist bei den
   Abnehmern gefragt. Ertraglich erreichte die Sorte 2013 und 2014
   nicht mehr das Niveau von Zinal.
Simano (begrannt) ist frühreif und liegt im Ertrag bei den besten
   1.-Klass-Sorten. Standfestigkeit und Mehltauresistenz sind gut,
   bei allerdings schwächerem HLG.
Chaumont ist frühreif und wie Simano ertraglich bei den besten
   1.-Klass-Sorten einzustufen. Standfestigkeit und Resistenzen
   gegen Rost und Mehltau sind gut, gegen Septoria-Blattflecken ist die
   Anfälligkeit durchschnittlich, gegen Spelzenbräune erhöht.

Klasse II
Levis ist bewährt, erzielt hohe Erträge, gutes HLG, jedoch
   mittelanfällig für Ährenfusarien.
Ludwig hat ein konkurrenzfähiges Ertragspotenzial, welches auf
   guten Standorten mit einer höheren Anbauintensität auch
   ausgeschöpft werden kann. Die Standfestigkeit ist trotz der
   langen Halme gut (nicht IP-Suisse).
Rainer ist sehr ertragreich, recht langhalmig und weist aber
   trotzdem eine gute Standfestigkeit auf (nicht IP-Suisse).
Estivus und Magno sind neu auf der Sortenliste. Beide haben
   ein hohes Ertragspotenzial und eine gute Standfestigkeit. Die
   Krankheitsresistenzen sind mittelgut. Magno ist schwächer beim
   HLG und der Backqualität. Klasse Biscuit Neben Manhattan besticht
   Cambrena durch einen hohen Ertrag. Er sollte nur in Absprache mit
   dem Abnehmer angebaut werden.

Klasse III
Impression kann als einzige Sorte in der Klasse III empfohlen
   werden.

Futterweizen
Mulan hat ein höheres Ertragspotenzial und HLG als Tapidor, bei sehr
   guter Standfestigkeit und mittelmässiger Fusarienresistenz. Die Sorte
   eignet sich deshalb auch für Extensoanbau.
Bockris weist einen ähnlich hohen Ertrag wie Mulan auf bei guten
   Krankheitsresistenzen (insbesondere gegen Fusarien).
Papageno ist sehr ertragsstark bei mittleren Krankheitsresistenzen.
   Die Sorte ist etwas spätreifer als die anderen Futterweizensorten. 

Der Anbau von Futterweizen lohnt sich nur auf ertragsstarken 
Standorten bei intensiver Führung. Bei weniger ertragsstarken   Standorten kann auch die Klasse-III-Sorte Impression angebaut      werden, da sie ähnliche Erträge bei besserer Qualität bringt.

Um das Ziel einer marktgerechten Versorgung gewährleisten zu können, empfiehlt das Forum Ackerbau für die Sortenwahl mit dem jeweiligen Abnehmer Kontakt aufzunehmen.


Forum Ackerbau
Kaspar Grünig

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