Ausgabe Nummer 48 (2003)

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Neues «Hobby» Störbrennerei

Thurgauer Zukunftslandwirtschaft: Teil 9

 

Untermörenau statt Kanada

 
Die Frage, ob alles immer so «picobello» sein muss, haben sich Elisabeth und Karl Hess in der Untermörenau (Gemeinde Wuppenau) immer wieder gestellt. Besonders stark hat sich diese Frage aufgedrängt, als sie vor einigen Jahren intensive Gemüsekulturen anbauten. «Wir sind nachdenklich geworden und haben uns hinterfragt, ob der stete Einsatz von synthetischen Hilfsmitteln in der Landwirtschaft wirklich notwendig ist.» Was viele Berufskollegen aus durchaus guten Gründen mit «Ja» beantworten, haben Elisabeth und Karl Hess für sich dagegen mit «Nein» beantwortet. Überzeugt davon, das Richtige zu tun, haben sie ihren Landwirtschaftsbetrieb vor drei Jahren auf biologische Landwirtschaft umgestellt, seit einem Jahr besitzt der Hof nun die Vollknospe.
Die Familie Hess hat den Schritt nicht bereut. Die Überzeugung, mit dem Biolandbau etwas für eine natur- und konsumentennahe Landwirtschaft zu tun, ist geblieben und seither sogar noch gewachsen. «Da wir ausschliesslich mit der Natur arbeiten, lernen wir auch immer etwas dabei. Man fängt an, sich mit den wirklich wichtigen Dingen zu beschäftigen», findet Karl Hess. Es sei für sie entscheidend, sich mit dem Wesen der biologischen Landwirtschaft auseinander zu setzen, unterstreichen beide. Allein aus wirtschaftlichen Gründen «bio» zu machen, führe langfristig nicht ans Ziel, sind sie überzeugt.

Mut zu Neuem
Karl Hess. Jahrelang ist er zudem als Servicemann für Melkmaschinen einem Nebenerwerb nachgegangen.

Elisabeth und Karl Hess haben sich vor drei Jahren für Biolandbau entschieden.
Sie haben den Schritt nicht bereut. hil

Schwerpunkt Milchwirtschaft …

Betriebsspiegel
davon: Mais: 140 a,
Dinkel: 70 a
Gerste: 60 a
Futterweizen: 60 a
Blumen: 7 a
Gemüse: 5 a

Tierhaltung
Rinder: 8
Aufzuchtkälber: 6
Pferde: 2
Esel: 2
Ziege: 1
Bienenvölker: 6


… und Direktvermarktung
Als zentrales Ereignis, neudeutsch «Event» genannt, organisiert die Familie Hess zum fünften Mal ein grosses Raclettefest samt Hofmarkt. Der Anlass, an dem jeweils mehrere Hundert Gäste bewirtet werden, ist für das Betriebsleiterpaar die beste Gelegenheit, mit der Kundschaft ins Gespräch zu kommen. Dabei würden sie feststellen, dass vielerorts das Wissen um Zusammenhänge und Abläufe in der Landwirtschaft rundweg fehle. «Statt auf der Strasse zu demonstrieren, bieten wir auf unserem Hof etwas Besonderes an», sagt Elisabeth Hess. Auf Marktständen bieten Biokolleginnen und
-kollegen ihre eigenen Produkte an und verteilten Informationen über den biologischen Landbau. Gerne würde sie am Raclettefest vom Süssmost über die Kartoffeln bis zum Käse eine «Biolinie» anbieten. Beim Käse war dies bisher noch nicht möglich, doch das Ehepaar Hess hofft, dies in einem der Folgejahre tun zu können. «Allerdings wissen wir heute nicht, ob wir dann den Namen &Mac220;Raclette&Mac221; noch verwenden dürfen …», schmunzelt Karl Hess.
Zwei grosse Werbeschilder weisen beim Weiler Mörenau auf den Anlass von morgen Samstag hin. Das Raclettefest auf dem Bauernhof dauert von 11 bis 22 Uhr. Mehr als 20 Helferinnen aus Verwandt- und Bekanntschaft kümmern sich um die meist städtischen Gäste. Auch die vier Kinder im Alter von sieben bis 18 Jahren sind am Fest engagiert. «Die Besucher können sich frei bewegen, dürfen in den Stall zu den Tieren und haben so Gelegenheit, Landwirtschaft aus nächster Nähe zu erfahren», unterstreicht Elisabeth.

Betriebsporträts


Veronika (vorne) und Isabelle Hess mit Esel Fjuri und Bernhardiner Sämi: Die Kinder führen mit den Tieren an Feiern und Anlässen auf dem Hof Zirkuskunststücke auf.

Neues «Hobby» Störbrennerei
«Die Vielfältigkeit des Hofes und die neuen Betriebszweige wie Kompostierung und Brennerei machen es notwendig, dass alle alles können», macht Elisabeth Hess klar. Dies gelte sowohl in Feld und Stall als auch im Haushalt. Daher ist es auch möglich, dass sie sich im Jahr vier Tage Ferien gönnen kann. Kein Bedürfnis nach Ferien hat dagegen Karl Hess. Früher erholte er sich beim Reiten. «Heute», so sagt er «geniesse ich es, am Morgen früh aufzustehen, sonst fühle ich mich krank.» hil

Mehr Infos auf www.biohofmarkt.ch

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