Gemeinsam gehts besser, auch bei der Waldarbeit
Ausgabe Nummer 47 (2003)
Schlusswort
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Zusammenarbeit in der Forstwirtschaft |
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| Zusammenarbeit ist bekanntlich unter den Landwirten eine alte Tradition. Abgesehen von den Genossenschaften in früher Zeit entstanden schon vor dem Zweiten Weltkrieg Maschinengemeinschaften, bei der einige Betriebe gemeinsam eine Dreschmaschine, einen Mistzetter, eine Mostpresse u. a. m. erwarben, einsetzten und amortisierten. Heute gibt es zahlreiche landwirtschaftliche Betriebs-gemeinschaften und andere Zusammenarbeitsformen landauf und -ab. Vor allem Notsituationen veranlassen die Menschen zur Zusammenarbeit. In wirtschaftlicher Bedrängnis sind in letzter Zeit nicht nur die Landwirtschaftsbetriebe, sondern auch jene der Waldwirtschaft. Dies gab den Anstoss zur Frage: Wie steht es mit der überbetrieblichen Zusammenarbeit in der Waldbewirtschaftung im Kanton Thurgau? Dazu gibt es auch heute zahlreiche gute Beispiele. Vier davon wollen wir vorstellen. Forstamt Kanton Thurgau |
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Zusammenarbeit in der Forstwirtschaft: Beispiel 1 |
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| Anstoss zur Gründung Die Wälder um Kreuzlingen werden von zwei eng miteinander verflochtenen Körperschaften bewirtschaftet und betreut: Forstrevierkörperschaft Kreuzlingen Forstbetriebsgemeinschaft PRO FORST Kreuzlingen. Gegen aussen tritt vor allem sie in Erscheinung, und zwar als leistungsfähige, öffentliche Forstunternehmung. Der 1999 erfolgte Übertritt des langjährigen Revierförsters Oskar Beck in den Ruhestand gab den Anlass zur Reorganisation und zur Zusammenlegung von Forstrevieren im Gebiet um Kreuzlingen. Er hatte das Staatswaldrevier Kreuzlingen-Münsterlingen im Pflichtenheft. Zehn Jahre vorher bestanden auf dem Gebiet der heutigen Körperschaft drei Forstreviere, wovon zwei einen Betrieb mit Personal führten. Zustand Die PRO FORST kann dank gutem Personal, angemessener Mechanisierung und zielgerichteter Organisation sämtliche Waldpflegearbeiten durchführen, Drittaufträge annehmen sowie Holz der verschiedenen Sortimente auf den Markt bringen. Eine unentbehrliche Infrastruktur ist der neue Forsthof im Bärenhölzli. Intensiv wird mit Thurgauer Forstunternehmungen zusammengearbeitet. Die Drittaufträge bestehen zu einem schönen Teil aus Parkholzhauerei in der nahen Agglomeration. Beim Holzverkauf kommt die ganze Variationsbreite vor, wie sie in den Wäldern auf dem Seerücken üblich ist: Von den wertvollen Stämmen, die auf der regionalen Gant zum Verkauf gelangen, bis hin zum Schnitzelholz für Holzenergieanlagen. Als Sondersortiment könnte man das zum Schnitzen von Skulpturen vorgesehene Holz bezeichnen: grosse, astige Eichendolden und andere grobschlächtige Holzstämme, die sonst kaum verwertet werden könnten. Auch unter den Forstleuten im Betrieb gibt es wahre Künstler. Oft melden aber auch Kunstschaffende mit Klang und Namen Inte-resse an ausgefallenen Baumstämmen an. |
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| Seit 2003 gehört auch das Waldhaus Bärenhölzli als wichtiges Standbein zu den Aufgaben, ein Informationsraum für Schulen und andere Interessenten. Getragen wird der Betrieb im Sinne eines politischen Leistungsauftrages durch die politische Gemeinde Kreuzlingen und den Kanton. Weitere Informationen dazu: www.waldhaus-baerenhoelzli.ch Die klare Arbeitsaufteilung der beiden Revierförster und der effiziente Personaleinsatz machen sich bezahlt. Revierförster Daniel Geiger steht dem Betrieb vor und führt das Personal. Revierförster Paul Rienth betreut den Privatwald und leitet das Waldhaus. Die Lehrlinge werden von Forstwart Andri Hemmi betreut. Ausblick | |||||
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| Ausblick | |||||
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| Zusammenarbeit in der Forstwirtschaft: Beispiel 3 | |||||
| Die Waldkorporation Josafatstal eine Betriebszusammenlegung | |||||
| Anstoss zur Gründung Wie die Bürgergemeinden gehören auch die Waldkorporationen zu den uralten Eigentumsformen in unserem Kanton. Über viele Jahrhunderte zurückreichende Waldkorporationen gibt es besonders im Oberthurgau. Die Waldkorporation Josafatstal hingegen entstand erst im Jahre 1984, anlässlich der Waldzusammenlegung im Gebiet von Eschlikon, Münchwilen und Wängi. Damals kamen 37 private Waldeigentümer überein, ihre gesamte Waldfläche von 29 ha zu einer eigentumsmässigen Einheit zusammenzufügen. Es handelte sich vor allem um Erbengemeinschaften. Um die gleiche Zeit entstand auch in Bichelsee eine solche Körperschaft, die Privatwaldkorporation Burgstock. Bei der Gründung einer Privatwaldkorporation werden die ursprünglichen Eigentumsparzellen geschätzt und bewertet. Der daraus resultierende Gesamtwert wird hierauf aufgeteilt in Teilrechte von z. B. 4000 Franken. Diese Teilrechte werden den Teilhabern aufgrund der Schatzungswerte ihrer «eingeworfenen» Waldparzellen als eine Art Wertschriften ausgegeben. Differenzbeträge werden bar ausgeglichen. Die Anzahl der Teilrechte wird im Grundbuch eingetragen. Jedes Teilrecht ist einzeln veräusserlich und vererbbar. |
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Präsident Hermann Ammann erinnert sich an seine eigene damalige Situation. Der Landwirtschaftsbetrieb seines Vaters war zu klein, um weitergeführt zu werden. Die dazugehörigen Waldparzellen wollte er anfänglich behalten. Doch dann überlegte er sich: «Wenn ich die Arbeit selbst mache, ist es gefährlich, teuer und zeitaufwändig. Ich muss mir eine Ausrüstung kaufen oder ausleihen. Einen grossen Teil meiner Freizeit muss ich in die Pflege und Bewirtschaftung meines Waldes stecken!» Als er von der Entstehung der Waldkorporation Josafatstal hörte, reifte der Entschluss, mitzumachen. Zustand e. Auch der mit minderwertigem Holz bestockte Südhang konnte nach und nach verjüngt werden. Wo vorher weitgehend überalterte Bestände stockten, breitet sich ein üppiger und gepflegter Jungwald aus. Andererseits hat nun nicht mehr jeder seine eigenen Bäume, seinen eigenen Boden. Selbstverständlich können auch bei dieser Waldeigentumsform bei tiefen Holzpreisen keine Wunder erwartet werden. Doch ist Hermann Ammann auch heute noch begeistert davon; die übrigen Teilhaber sind das auch. Das zeigt sich am grossen Aufmarsch an der Jahresversammlung, besonders aber am jährlich stattfindenden Waldumgang mit dem Revierförster, mit anschliessendem gemeinsamem Imbiss. Zum Teil kommen die Teilhaber von weit her. Das grosse Interesse zeigt sich auch daran, dass die Waldfläche im Laufe der Zeit vergrössert werden konnte, weil sich auch andere Waldeigentümer von der Idee anstecken liessen. Die Holzhauerei- und Waldpflegearbeiten werden von zwei Teilhabern sowie zwei weiteren Arbeitskräften durchgeführt. Alle erhalten denselben, verhältnismässig tief angesetzten Stundenlohn. Die Ämter Präsident, Kassier und Aktuar werden weitgehend ehrenamtlich ausgeführt. Tiefe Holzpreise veranlassten den Korporationsvorstand seit jeher, nicht jährlich im Wald einzugreifen. Er ist sich aber bewusst, dass die Waldpflege auch unter solchen Umständen nicht unterbleiben darf. «Das sind wir den Eigentümern der benachbarten Parzellen, vor allem aber unseren Nachkommen schuldig», meint der Präsident mit Überzeugung. |
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| Zusammenarbeit in der Forstwirtschaft: Beispiel 4 | |||||
| Gemeinsame Waldbewirtschaftung im | |||||
| Anstoss zum Beginn der Nachbarhilfe Zustand Die Landwirtschaftslehrmeister der Umgebung überliessen ihm gerne ihre Lehrlinge für halbtägige Instruktionen der Waldarbeiten. Er brachte ihnen die hohe Bedeutung der Jungwaldpflege für spätere Generationen nahe und zeigte ihnen praktisch, wie vorgehen. Auch führte er ihnen die wichtigsten Unfallverhütungsmassnahmen bei der Waldarbeit vor. Oftmals nahmen 20 Teilnehmer an diesen halbtägigen Anlässen teil. Mancher von ihnen erinnert ihn bei einer spontanen Begegnung heute noch an diese eindrücklichen Lektionen im Wald. Alfred Gerster war Mitglied der Waldbaukommission des Thurgauer Bauernverbandes, als es dieselbe noch gab. Auch dort wurden damals Jungwaldpflegekurse durchgeführt. Leider lässt es seine Gesundheit nicht mehr zu, sein Werk im Wald in allen Teilen weiterzuführen. Ausblick Dadurch konnte viel Holz verkauft werden, solange die Preise noch befriedigend waren. Ein Erfolg zeigt sich auch darin, dass sich die Sturm- und Käferschäden im Winderholz in Grenzen hielten. Die öffentliche Hand muss nun nicht um Beiträge angegangen werden, weil man zu rechter Zeit die nötigen Schritte unternahm. Alfred Gerster ist überzeugt davon, dass die Jungwaldpflege auch für die Zukunft der von ihm gepflegten Wälder unerlässlich ist. Aus eigener Erfahrung weiss er, dass nur so ein Waldbestand heranwächst, der stabil ist, Freude bereitet und eines Tages auch wieder Ertrag bringen wird. |
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