Ausgabe Nummer 11 (2004)

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Ein Dauerthema

Bestandesverbesserung von Dauerwiesen
 
 
Die Bestandeszusammensetzung einer Dauerwiese (Naturwiese) wird einerseits von den natürlichen Faktoren des Klimas und des Bodens beeinflusst, viel stärker aber wirkt sich die vom Landwirt bestimmte Bewirtschaftung aus. Eine sorgfältige Bewirtschaftung ist die wirkungsvollste Massnahme zur Erhaltung wertvoller und leistungsfähiger Pflanzenbestände.
 
 
Sommer 2003: Italienisch-Raigras-Wiese ohne Versamung.
(Landwirtschaftsschule Hohenrain LU)
Sommer 2003: Italienisch-Raigras-Wiese mit Versamung 2002.
(Landwirtschaftsschule Hohenrain LU)
 

1. Die Standortfaktoren Klima, Boden, Nutzung, Düngung, Pflege bestimmen den Pflanzenbestand
Das Risiko einer Verunkrautung ist allerdings an für die Raigräser ungünstigen Standorten grösser (raue, schattige, trockene oder feuchte Lagen). Im Thurgau haben wir allerdings weitherum die besten Klima- und Bodenbedingungen für Englisch- und Italienisch-Raigras, unsere besten Futtergräser, auf die wir unser Augenmerk richten müssen.

2. Mögliche Ursachen für die Verschlechterungen der Pflanzenbestände
– zu starke Düngung, verbrennen oder zudecken mit Hofdüngern: lückige Bestände
– zu späte erste Nutzung intensiver Wiesen: mehr Doldenblütler, Scharfer Hahnenfuss
– Übernutzung stark gedüngter Weiden: mehr Gemeines Rispengras, Ausläufer-Straussgras, Breitwegerich
– Unternutzung stark gedüngter Weiden: mehr Rohrschwingel, Wolliges Honiggras, Brennnesseln
– allzu frühe und zu häufige Nutzung: weniger Horstgräser wie Italienisch-Raigras und Knaulgras, mehr Lückenfüller wie Gemeines Rispengras, Löwenzahn, Weissklee
– fehlende Frühlingsweide: mehr Kräuter, weniger rasenbildende Gräser wie Englisch-Raigras, Wiesenrispengras
– Maschineneinsatz oder Weide bei zu nassem Boden: Verdichtung, mehr Gemeines Rispengras, Ausläufer-Straussgras, Kriechender Hahnenfuss
– zu tiefes Mähen und zu tief eingestellte Bearbeitungsmaschinen: weniger Gräser, mehr Lückenfüller
– Schneeschimmel unter Schneedecke: weniger Italienisch-Raigras, mehr Lückenfüller
– Trockenheitsschäden: weniger Raigräser, mehr Lückenfüller
– Mäuse-, Engerlings- und Erdschnakenschäden: mehr Lückenfüller
– Versamenlassen von Unkräutern: mehr Blacken, Scharfer Hahnenfuss
Eine sorgfältige Bewirtschaftung der Naturwiesen ist also offensichtlich die wirkungsvollste Dauermassnahme zur Erhaltung wertvoller und leistungsfähiger Pflanzenbestände.

3. Lückenfüller bei überintensiver Bewirtschaftung
Gemeines Rispengras, Kriechender Hahnenfuss, Ausläufer-Straussgras, Hirtentäschchen, Quecke, Vogelmiere, Jähriges Rispengras, Borstenhirse, Blacke, Weissklee, Löwenzahn

Lücken können
offen sein
besetzt sein mit Lückenfüllern (Löwenzahn, Blacken, Hahnenfussarten, Vogelmiere, Hirtentäschchen, Breitwegerich; Borstenhirse usw.)
– verfilzt sein mit Gemeinem Rispengras, Ausläufer-Straussgras

4. Unkrautprobleme lösen heisst, das richtige Gras fördern
a) Versamenlassen von Mähwiesen (Italienisch-Raigras-Wiesen)
Das Italienisch-Raigras als zwei- bis dreijähriges Horstgras wäre auf regelmässige Versamung angewiesen, was bei 5 bis 6 Nutzungen pro Jahr nicht möglich ist. Zur natürlichen Versamung wird alle 2 bis 3 Jahre der zweite oder dritte Aufwuchs erst nach 5 bis 6 Wochen geschnitten und Bodenheu bereitet. Zur Verbesserung des Auflaufens der Samen kann gestriegelt und gewalzt werden.
b) Mähweide-Nutzung (Englisch-Raigras- und Wiesenrispengras-Mähweiden
Durch fachgerechte Weidenutzung werden die rasenbildenden Untergräser Englisch-Raigras und Wiesenrispengras gefördert durch die Bildung von kurzen Kriechtrieben und durch starke Bestockung. Mähweiden haben die besten Pflanzenbestände. In fachgerecht geführten Kurzrasenweiden können diese Gräser auch in den wandernden Geilstellen Samen bilden. Zur Verhinderung der Verfilzung von reinen Weiden sollten pro Jahr ein bis zwei Schnittnutzungen gemacht werden.
c) Übersaaten in sich verschlechternde Bestände
Wenn die guten Hauptgräser stark zurückgegangen sind, soll ihr Anteil durch Übersaaten wieder gesteigert werden. Dabei müssen folgende Punkte beachtet werden:
– Zeitpunkt: bei offenen Lücken sofort übersäen (ab Vegetationsbeginn) bei besetzten Lücken nach der ersten Nutzung bis September.
– Bestand tief mähen
– Boden mit Striegel aufkratzen, Saatgut oberflächlich ausbringen, einstriegeln und walzen (z. B. Krummenacher-Sägerät)
– oder mit Direktsämaschine oder Spezialsämaschine säen
– am besten Saatgut beim Weiden zwei, drei Tage eintreten lassen
– besser mehr als einmal eine Teilmenge übersäen, um die Auflaufchancen zu verbessern, der Erfolg ist oft erst nach ein, zwei Jahren sichtbar.

Was machen bei verfilzten Lücken?
– Filz von Gemeinem Rispengras nach dem Schnitt mit 0,8 l/ha Roundup behandeln und gleichzeitig übersäen mit Direktsämaschine.
– oder: bei heisser Periode unmittelbar nach dem Schnitt Gemeines Rispengras oder Ausläufer-Straussgras mit Hackstriegel oder Netzegge herausreissen und vertrocknen lassen, dann wie oben beschrieben übersäen.
– schlimme Bestände neu ansäen (siehe unten).

Spezielle Übersaatmischungen säen:
– U-240 (Italienisch-Raigras, Weissklee, Wiesenrispengras): in typische Italienisch-Raigras-Mähwiesen
– U-440 (Englisch-Raigras, Wiesenrispengras, Weissklee): Hauptmischung für Mähweiden
– U-431 (Engl.-Raigras, Wiesenrispengras, Knaulgras, Rotschwingel, Weissklee): für trockenere Wiesen und Weiden
– U-444 (Engl.-Raigras, Wiesenrispengras, Wiesenfuchsschwanz, Weissklee): für nasse oder schattige Wiesen
– Saatmenge: 200 Gramm pro Are, eventuell in zwei bis drei Übersaaten.
Weitere Bewirtschaftung:
– nächste 2 Nutzungen nach 3 Wochen durchführen, damit die jungen Pflanzen nicht unterdrückt werden, am besten eingrasen, eventuell weiden
– keine Stickstoffdüngung vor und zur Übersaat.

d) Neuansaaten bei Sackgassbeständen
Wenn weniger als 20 bis 30 % gute Futtergräser vorhanden sind und der Bestand verfilzt ist, bleibt nur die Neuansaat übrig:
– Pflugfurche und Neusaat im Frühling oder Totalherbizideinsatz (Roundup) im Herbst und Neusaat im Frühling
– Saat einer Gras-Weissklee-Mischung für längere Dauer:
– SM 440 für Mäh- oder Mähweidenutzung in futterwüchsigen Gebieten
– SM 430 für Mäh- oder Mähweidenutzung in trockeneren Gebieten
– SM 444 für Mäh- oder Mähweidenutzung auf feuchten, raueren Standorten
– SM 480 für Dauerweiden
– SM 450 Salvia für extenive Mähnutzung (ökol. Ausgleichsflächen)

e) Selektive Bekämpfung einzelner Unkräuter
Selbstverständlich genügt oft auch die Bekämpfung einzelner Unkräuter einzelstockweise oder mit einer Flächenbehandlung mit einem selektiven Herbizid. Dies betrifft vor allem Blacken und allenfalls Hahnenfuss. Bei den Blacken erfolgt die Einzelstockbekämpfung am besten mit Ally Tabs (Wirkstoff Metsulfuronmethyl) oder mit dem Blackenstecher während der ganzen Vegetationszeit und eine Flächenbehandlung mit dem Wirkstoff Asulam im Frühling oder im September. Zur Bekämpfung der Hahnenfussarten ist immer noch der selektive Wuchsstoff MCPB aktuell, am besten eingesetzt im zweiten Aufwuchs.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle Pflanzenbau und Düngung, Bernhard Kraft

 
 
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