Ausgabe Nummer 11 (2004)

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Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Nmin-Kampagne Getreide 2004 im Kanton Thurgau
 
 
Die Stickstoffdüngung spielt eine wichtige Rolle, wenn es im Getreidebau darum geht, gute Erträge von hoher Qualität zu produzieren. Eine gute N-Effizienz hilft Kosten zu sparen und eine unnötige Belastung der Umwelt zu minimieren. Aufgrund der Untersuchung des mineralischen Stickstoffgehaltes (Nmin) von 147 Parzellen im Thurgau können Schlussfolgerungen für die diesjährige Getreidedüngung gezogen werden.
 
Durchschnittliche Mengen an pflanzenverfügbarem Stickstoff (kg Nmin pro Hektare bei Vegetationsbeginn) in den Wintergetreidekulturen seit Beginn der Nmin-Untersuchungen im Kanton Thurgau.
 

Mit der Nmin-Analyse wird der pflanzenverfügbare Stickstoff im Boden bestimmt. Bis in eine Bodentiefe von 60 cm wurden im Durchschnitt des gesamten Kantonsgebietes pro Hektare 27 kg Nmin-Stickstoff gemessen. Das ist im Mittel gleich viel wie im Vorjahr. Im Horizont 0 bis 30 cm waren es im Durchschnitt 14 kg Nmin, im Horizont 30 bis 60 cm 13 kg Nmin. Die geringsten Gehalte weisen wiederum sandig-kiesige Böden auf.

Wo ist der Rest-N vom Herbst?
Die ausserordentlichen Witterungsbedingungen im vergangenen Jahr liessen vermuten, dass im Herbst infolge der Wärme und der Niederschläge Anfang Oktober noch bedeutende Mengen von Stickstoff aus der organischen Substanz des Bodens mineralisiert wurden. Dies gab zu Hoffnungen Anlass, im Frühjahr mit eher höheren Nmin-Gehalten im Boden zu starten. Der Durchschnittswert liegt nun aber leicht tiefer als der Mittelwert der letzten 10 Jahre.
Die Niederschlagsmessungen an 20 über den Thurgau verteilten Standorten zeigen, dass in der Periode Oktober 2003 bis Januar 2004, 345 bis 520 mm Niederschläge fielen. Dies sind 130 bis 165% der langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990 an diesen Orten. Die Mengen im November (70 bis 105%) und Dezember (45 bis 75%) waren eher unterdurchschnittlich, jene im Oktober (160 bis 270%) und im Januar (200 bis 260%) überdurchschnittlich. In der Folge dürfte auch Nitrat unterhalb der beprobten Schicht von 0 bis 60 cm verlagert worden sein. Aber auch der Verzicht auf das Ausbringen von Gülle vor der Weizensaat im Herbst zeigt seine Wirkung. Aufgrund der Angaben in den Nmin-Begleitformularen wird dies nicht mehr praktiziert. Weiter ist der Umbruch einer Kunst- oder Naturwiese vor dem Anbau von Winterweizen sehr selten geworden (Bodenschutz-Index). Vermutlich waren aber auch die Rest-Stickstoffgehalte im Herbst bei Vegetationsende nicht wie vermutet wesentlich höher als in den letzten Jahren.

Unterschiede von Parzelle zu Parzelle
Die Unterschiede (Tiefstwert 9 und Höchstwert 93) zwischen den Parzellen zeigen, dass der Stickstoffgehalt des Bodens stark variieren kann. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Spannweite zwischen Höchst- und Tiefstwert um 40 kg grösser. Die mittlere Abweichung vom Mittelwert (Streuung) ist dieses Jahr um rund 40% höher als im Vorjahr.
Einfluss der Vorkultur kaum sichtbar
Der Einfluss der Vorkulturen ist kaum erkennbar (siehe Tabelle, in Klammern die Werte des Vorjahres). Parzellen mit Silomais als Vorfrucht, der nach Kunstwiese angebaut worden war, weisen mit 32 kg Nmin je ha einen leicht höheren Durchschnitt auf. Bodeneigenschaften und Bewirtschaftungsmassnahmen (Hofdüngereinsatz) führen zu grösseren Unterschieden als die Vorfrucht allein. Bei gleicher Vorkultur sind Unterschiede von 20 bis 30 kg von Parzelle zu Parzelle nicht selten.



Welches ist 2004 die optimale N-Gabe?
Auf jenen Parzellen mit Nmin-Bestimmung kennt der Betriebsleiter das vorhandene N-Angebot des Bodens. Dieses kann gezielt genutzt und auf den Sollwert ergänzt werden. So erhält die Kultur parzellenspezifisch die für sie optimale N-Gabe. Unterversorgungen wird so vorgebeugt bei minimalem Verlustrisiko an die Umwelt.
Im folgenden Säulendiagramm ist aufgezeichnet, wie oft welche N-Gabe aufgrund der Nmin-Analyse parzellenspezifisch zu Winterweizen als optimal empfohlen wurde.

Aufteilung der 1. N-Gabe sehr oft nötig
Für rund die Hälfte der Parzellen sind Mengen bis 60 kg N optimal, um eine gute Entwicklung der Bestände bis Ende Bestockung sicherzustellen. Für die andere Hälfte der Parzellen sind 65 kg N oder mehr erforderlich. In diesen Fällen ist eine Aufteilung der ersten Gabe nötig, um das Verlustrisiko tief zu halten. Für die zeitgerechte Anschlussdüngung können in diesen Fällen Düngefenster hilfreich sein. Auf leichten kiesigen Böden ist bereits ab 40 kg N pro ha aufzuteilen. Durch das Aufteilen ergibt sich anstelle einer Verabreichung der N-Düngung in 3 Gaben (Vegetationsbeginn, Beginn Schossen/1-Knoten, Fahnenblatt) eine Aufteilung in insgesamt 4 Gaben. Oder aber man bleibt bei 3 Gaben und schlägt den Rest der ersten aufgeteilten Gabe zur zweiten, wodurch sich die Schossergabe erhöht. Diese wird dann – je nach Bestandesentwicklung – allenfalls etwas vorgezogen (DC 30). Dadurch wird verhindert, dass das bis Ende Bestockung angelegte Ertragspotenzial unerwünscht reduziert wird.
Auch in dünnen Beständen (bis zirka 250 Pflanzen pro m2 hinunter) kann mit der Umsetzung der Nmin-Empfehlung das Ertragspotenzial des Bestandes ausgeschöpft werden.



Die Nmin-Proben aus 147 Parzellen im Kanton Thurgau lassen Schlüsse für die optimale Stickstoffdüngung im Getreide zu. (LBBZ Arenenberg)


Der Mittelwert – eine brauchbare Grösse?
Würden alle Parzellen nach dem Durchschnitt von 62 kg N/ha gedüngt, erhielten 20% der Weizenkulturen 10 oder mehr kg N/ha unnötig zu viel. Und auf 22% der Parzellen würden 10 oder mehr kg N/ha zu wenig gedüngt. Dies zeigt, dass der Kantonsdurchschnitt bei rund 40% der Parzellen nicht die optimale Gabe wäre.

Allgemeine Empfehlungen für die erste Stickstoffgabe bei Vegetationsbeginn
Ohne Nmin-Probe ist es nicht ganz einfach, die optimale N-Gabe schlagspezifisch mit guter Treffsicherheit festzulegen. Die Anlage eines Düngefensters und Beobachtungen sind in diesem Fall sicher hilfreich. Ein Düngerfenster hilft, die N-Mobilisierung am Standort besser beurteilten zu können. Dazu werden auf einer Are 20 bis 40 kg N weniger gedüngt. Wird ein Unterschied in der Entwicklung zum Bestand sichtbar (Aufhellung, nicht mit Schwefel-mangel verwechseln), bedeutet dies, dass das N-Angebot knapp wird. Die Verabreichung einer weiteren N-Angabe ist angezeigt. Aber auch die Erfahrung des Betriebsleiters ist sehr wichtig. Diese könnte im nächsten Anbaujahr mit Hilfe von betriebseigenen Nmin-Proben verfeinert und erweitert werden.
Die nachfolgenden Empfehlungen gelten für durchschnittliche Boden- und Witterungsverhältnisse. Im konkreten Einzelfall kann die optimale Düngeempfehlung deutlich von den unten stehenden Werten abweichen (vgl. oben), je nach vorhandener Menge an mineralischem N im Boden und Standortverhältnissen.

Einzelgaben beschränken
Die kommende Witterung des Frühjahres kann nicht vorausgesagt werden. Deshalb sollten nach wie vor bei leichten und kiesigen Böden pro Einzelgabe nicht mehr als 40 kg N/ha ausgebracht werden. Dadurch kann das Risiko einer Stickstoffauswaschung stark reduziert werden!


LBBZ Arenenberg, Fachstelle Pflanzenbau und Düngung, Gregor Affolter

 
 
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