Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Spannende Themen an der Basiskonferenz

Ausgabe Nummer 47 (2017)

An der Basiskonferenz des VTL nahmen rund 50 Personen teil. Sie erhielten spannende Informationen betreffend Direktzahlungen, Pflanzenschutz, Reorganisation vom MBR zum Maschinenring oder Ertragswertschätzung.

Andreas Guhl, Präsident der Basiskonferenz des VTL, freute sich, so viele Kollegen begrüssen zu dürfen. Nach einer kurzen Einführung übergab er das Wort Christoph Högger, Leiter der Abteilung Direktzahlungen und Kontrollwesen des kantonalen Landwirtschaftsamtes. Dieser informierte, dass dieses Jahr mit 97,5 Millionen Franken rund zwei Millionen mehr Direktzahlungen ausbezahlt werden als letztes Jahr. Er erklärte weiter, dass erstmals Geld in Hangbeiträge in Talgebieten fliesst und eine Zunahme von biologischem Landbau sowie Landschaftsqualitätsprojekten und Biodiversitätsbeiträge festgestellt wurde. «Doch die erfreuliche Entwicklung bei den LQBeiträgen hat auch eine Kehrseite. Wenn es so weitergeht, müssten die LQ-Beiträge voraussichtlich ab 2019 auf den maximalen Plafonds von 6,6 Mio. Franken beschränkt werden», so Högger. «Danach werden die LQ-Beiträge auf die Höhe des Plafonds limitiert, was zu Kürzungen führen kann». Ebenfalls einen Dämpfer gibt es bei den Biodiversitätsbeiträgen. Der Bund senkt auf 2018 schweizweit die QIBeiträge und erhöht die QII-Beiträge, was ein Teilnehmer prompt als «Übungen von Schriftgelehrten» bezeichnete.
Ausserdem kam er noch auf das Flächenerfassungsprogramm LAGIS zu sprechen. Er wies darauf hin, dass kurze Lern-Videos geplant sind. Diese sollen die Handhabung erklären und die Benutzung einfacher machen. Im Übrigen wird im Thurgauer Bauer bezüglich weiterer Details sowie Programm informiert.

Standort Freiwies abgelehnt
Christian Eggenberger, BBZ Arenenberg, orientierte über die geplanten Bauvorhaben und berichtete, dass man mit der Gärtnerei planmässig vorankommt und die Eröffnung im Sommer 2018 vorgesehen ist. Hinsichtlich geplantem Milchviehstall hatte er weniger gute Neuigkeiten: Der Standort Freiwies (vor dem Betriebsgebäude) wurde vom Amt für Raumentwicklung abgelehnt. «Wir stehen wieder bei null und versuchen nun, das Projekt am bestehenden Standort zu realisieren», so Eggenberger. Er hofft, dass dieses bis April nächsten Jahres steht.
Auch stellte er das Projekt Swiss Future Farm vor, welches dieses Jahr in Tänikon gestartet hat. Ziel ist es, Smart Farming-Technologien für die Landwirtschaft greifbar und verständlich zu machen.

Nach Alternativen suchen
Ein immer wieder in der Öffentlichkeit emotional diskutiertes Thema ist der Pflanzenschutz. Urs Dietiker, Präsident der VTL-Kommission Pflanzenbau, erwähnte den Aktionsplan des Bundes und thematisierte dabei Rückstände und Anwendefehler. «Wir müssen auch künftig gewisse Mittel einsetzen können, die Natur trotzdem schonen und weiterhin erstklassige Produkte auf den Markt bringen», fasste er zusammen. So sei es nur logisch, dass man nach Alternativen sucht, bewilligte Produkte sparsam und nur wenn nötig einsetzt. Er schloss mit dem Hinweis, dass ein Pflanzenschutztag geplant ist, anlässlich welchem diese Punkte beleuchtet und die Produzenten entsprechend sensibilisiert werden.

Aus MBR wurde MR
Der Maschinen- und Betriebshelferring heisst neu «Maschinenring», und der Auftritt wurde schweizund deutschlandweit einheitlich angepasst. MR-Geschäftsführer Fabian Brühwiler erklärte, dass man damit «Synergien nutzen, Kosten senken und Arbeitsbedingungen verbessern kann»; ab 2018 gelangt man mit Regionalveranstaltungen noch näher an die Mitglieder und wird aufgrund deren Bedürfnisse weitere Geschäftsbereiche aufbauen. Weiter äusserte er sich zum Betriebshelferdienst, welcher zusammen mit dem Verband Thurgauer Landwirtschaft und der Genossenschaft Thurgauer Milchproduzenten reorganisiert wurde. «Das Angebot ist nun trag- und finanzierbar und wird immer besser genutzt », so Brühwiler.

Zahl der LANDIs sinkt
Gespannt wartete man auch auf die Ausführungen von Daniel Bischof, Leiter Region Ostschweiz und Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung der fenaco- Genossenschaft. Er informierte über die aktuellen Aktivitäten der vier Geschäftsfelder Agrar,Lebensmittelindustrie, Detailhandel und Energie. «Ziel der fenaco ist es, dass die sicheren, wertvollen, hochwertigen Schweizer Lebensmittel zu den Kunden gelangen – von Obst, Gemüse und Kartoffeln bis zu Fleisch und Getränken». Damit trage die fenaco-Genossenschaft zu einer produzierenden Schweizer Landwirtschaft bei und unterstütze, in verbindlicher Partnerschaft mit den LANDI, die Schweizer Bäuerinnen und Bauern bei der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Unternehmen. Weiter zeigte Bischof auf, dass die LANDI in der Ostschweiz mit 78 Genossenschaften im Vergleich zu den fenaco-Regionen Zentralschweiz, Mittelland und Westschweiz am zahlreichsten vertreten ist. Es sei allerdings zu erwarten, dass die Zahl der LANDI aufgrund weiterer Zusammenschlüsse mittelfristig sinke. Weiter wies Bischof darauf hin, dass das Api-Center, ein Kompetenzzentrum für professionelle Imker, aufgrund der regen Nachfrage zusätzliche Standorte in der ganzen Schweiz eröffnet hat. Interessant waren auch die Ausführungen zur Mosterei RAMSEIER Aachtal AG in Oberaach, welche die grösste Mosterei in der Schweiz ist. «Dort werden 35 Prozent des Schweizer Mostobsts verarbeitet», erklärte Bischof.

Hansjörg Uhlmann tritt zurück
Andreas Guhl, Präsident der Basiskonferenz, führte anschliessend Verabschiedungen und Neuwahlen, welche wie üblich kurz und bündig über die Bühne gingen, durch. Nach 11 Jahren trat Hansjörg Uhlmann als Präsident der Kommission Landtechnik und Vorstand aus der Kommission Weiterbildung zurück. Als neuer Präsident Landtechnik wurden Rolf Kuhn aus Mettendorf und als weiteres Mitglied Stefan Frei aus Homburg gewählt. In die Kommission Weiterbildung wird ebenfalls Rolf Kuhn Einsitz nehmen. Mit Rahel Osterwalder aus Aadorf und Patrick Bär aus Amriswil wurden auch zwei neue Mitglieder in die Kommission Junglandwirte gewählt.

Schoggigesetz und Manifest
VTL-Geschäftsführer Jürg Fatzer informierte zum Schoggigesetz, welches vom Ständerat gutgeheissen wurde. Als nächstes wird es in der Kammer des Nationalrates behandelt. Das neue Gesetz sieht vor, dass für die Milch und Getreideproduzenten eine Art Rohstoffverbilligung für den Export über den Produzenten ausgerichtet wird. Diese Zulage soll dann in einen Fonds fliessen, der durch die jeweilige Branche verwaltet wird.
Markus Hausammann sprach daraufhin die Ernährungsinitiative an. Die detaillierten Forderungen zur Umsetzung lägen nun seitens SBV vor. Hauptpunkte seien unter anderem: stabile Rahmenbedingungen, Grenzschutz nicht weiter abbauen, vergleichbare Einkommen und Professionalität sichern, Selbstver- VTL Angeregte Diskussion unter den Teilnehmern der Basiskonferenz. (dt) 15 sorgungsgrad von mindestens 50 Prozent gewährleisten, inländische Futtermittelversorgung stärken, Transparenz auf den Märkten sowie Produktionsrisiken absichern. Es sei geplant, an der nächsten Delegiertenversammlung des SBV ein Manifest zu verabschieden.

Gottfried Thomi wird pensioniert
Um Buchführungs- und Treuhandangelegenheiten ging es bei Gottfried Thomi von Agro Treuhand Thurgau AG. Er teilte mit, dass die neue Rechnungslegung abgeschlossen ist. Hat man bisher noch mit einer Unternehmer-Familien-Buchhaltung gearbeitet, wird nun eine reine Geschäftsbuchhaltung geführt. Der gemischte Geldfluss von Geschäftsfällen und Privatem kann beibehalten werden. In der Bilanz dürfen jedoch nur noch Geschäftsvermögen und Geschäftsschulden aufgeführt sein. Im Weiteren erinnerte er daran, dass bei Besitz von Bauland vor einer Veränderung (Verkauf, Überführung, Entlassung aus dem BGBB usw.) bezüglich Steuerfolgen immer erst eine Steuerplanung vorgenommen werden sollte. Dabei spielt die Betriebsnotwendigkeit und ob es sich um eine gemischte Parzelle handelt eine wichtige Rolle. Er empfiehlt, in solchen Fällen treuhänderische Beratung in Anspruch zu nehmen. Es war für Gottfried Thomi der letzte Besuch an der Basiskonferenz, im Mai 2018 darf er die wohlverdiente Pension antreten. Mit Martin Angehrn aus Andelfingen, heutiger Leiter der Treuhandabteilung beim SBV, Ing. Agr. FH und einem Zusatzstudium zum Steuerspezialist, wurde ein gut ausgewiesener Fachmann als Nachfolger gefunden.

Revidierte Schätzungsanleitung
Walter Schild, Leiter Abteilung Boden- und Pachtrecht beim Landwirtschaftsamt, nahm sich dem Thema Ertragswertschätzung an. Vor 13 Jahren wurde die Schätzungsanleitung letztmals überarbeitet; mit der AP 14-17 wurde nun eine revidierte Version, die voraussichtlich am 1. April 2018 in Kraft tritt, erstellt. «Betriebsübergaben per 1. Januar 2019 werden dann nach der neuen Anleitung gehandhabt», so Schild. Bereits im März nächsten Jahres sollte man soweit sein, dass die neue Anleitung benutzt werden kann. Weiter erwähnte er, dass die Ertragswerte seit 2004 durchschnittlich um 11 bis 25 Prozent gestiegen sind.

Biodiversität stärken
Zum Schluss vermittelte VTL-Vorstandmitglied Peter Schweizer noch einen Einblick in den Aktionsplan Biodiversitätsstrategie Schweiz. Dabei geht es um den Artenreichtum von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen, die genetische Vielfalt innerhalb der verschiedenen Arten sowie die Lebensräume. Er zeigte auf, dass alleine in den letzten 27 Jahren ein Verlust von 75 Prozent der Insekten-Biomasse festgestellt wurde. Ein Ziel, welches letztes Jahr vom Bundesamt für Umwelt und Bundesamt für Landwirtschaft herausgegeben wurde ist, die Biodiversität zu stärken und deren Rückgang zu stoppen. Besonders die Land- und Forstwirtschaft habe darauf grossen Einfluss. Aber eben nicht nur: vor allem der Konsument müsse das Einsehen haben. «Man kann nicht einerseits auf Biodiversität pochen und andererseits nur optisch Vollkommenes im Ladenregal verlangen» so Schweizer.


Daniel Thür













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